Gut-Behrami sucht Erfolgsspur
«Ich steckte in einem Teufelskreis»

Im Gespräch mit BLICK erklärt Lara Gut-Behrami (28), wie sie ihre Riesen-Probleme in den Griff bekam, warum Ehemann Valon nicht da ist und weshalb sie keine Zeitungen liest.
Publiziert: 25.10.2019 um 00:52 Uhr
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Lara Gut-Behrami zeigt sich vor Saisonbeginn zuversichtlich.
Mathias Germann aus Sölden

BLICK: Lara Gut-Behrami, wie gross ist die Nervosität vor dem Saison-Auftakt?
Lara Gut-Behami: Sölden ist eine riesige Show. Es ist immer so. Aber ich habe mich daran gewöhnt, es ist letztlich nur ein Rennen von vielen.

Wie fühlen Sie sich auf den Ski?
Gut, danke.

Heisst das auch besser als im letzten Jahr?
Ich hoffe schon, sonst hätte ich im Sommer nicht gut gearbeitet. Ich bin gesund, zufrieden und motiviert. Es kann losgehen!

Ist Ihr Ehemann Valon Behrami auch hier?
Nein, er ist am trainieren.

Ganz generell: Wie wichtig ist es für Sie, dass die Familie vor Ort ist?
Ginge es nur nach mir, wäre die ganze Familie immer dabei. Aber das geht nicht. Skifahren macht für mich am meisten Sinn, wenn ich alles mit der Familie teilen kann. Immerhin habe ich das Glück, dass mein Vater schon seit Beginn meiner Karriere bei mir ist.

Bieten Telefon, Facetime und WhatsApp Abhilfe?
Nein, das ist nicht das Gleiche.

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Sie haben mit Alejo Hervas einen neuen Kondi-Trainer. Was bringt er Ihnen?
Ich habe zwölf Jahre mit Patrick Flaction gearbeitet. Es war super. Aber manchmal braucht man neue Herausforderung. Der grosse Unterschied ist, dass ich nun mit Alejo auch unterwegs stets jemanden an der Seite habe, er reist immer mit mir mit. So können wir alles direkter besprechen und steuern – ein grosser Vorteil

Sie haben in Sölden 2013 und 2016 gewonnen. Dann kam die Verletzung und sie fanden im Riesenslalom den Tritt nicht mehr. Warum?
Nach einer Verletzung ist es im Riesenslalom schwieriger als in den Speed-Disziplinen, um zurückzukommen. Es dauert länger. Aber mittlerweile fühle ich mich besser, ich habe auch mehr Vertrauen ins Material als im letzten Jahr. 

Warum war es nie eine Option, sich wie Tina Weirather nur noch auf die Speed-Rennen zu fokussieren?
Der Riesenslalom war schon immer eine Kerndisziplin für mich. Hier brauche ich Sicherheit. In der Vergangenheit war es immer so, dass wenn ich im Riesen gut fuhr, ich auch in Super-G und Abfahrt konstant schnell war.

Wo liegt die Schwierigkeit in dieser Disziplin?
Ich fahre viel auf Gefühl. Wenn etwas nicht stimmt, ist es hart. So war es im letzten Winter.

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Weil das Material nicht passte?
Das Material war nicht schuld. Ich fühlte mich im Riesenslalom einfach nicht sicher. Es war wie ein Teufelskreis. Wenn du unsicher bist, drückst du den Ski nicht richtig. Und wenn der Ski nicht greift, fühlst du dich nicht gut und attackierst zu wenig. Das alles innerhalb der Saison zu korrigieren, ist fast unmöglich.

Sie drifteten die Tore zu oft an, oder?
Wenn man driftet, verliert man 3 Hundertstel bei jedem Tor. Auf 50 oder 60 Tore summiert sich das. Am Ende kommen zwei Sekunden zusammen. Es braucht extrem wenig und schon ist man weit zurück.

Sie haben anfangs erklärt, wie wichtig Ihnen der Riesen für die Speed-Disziplinen ist. Beeinflusst das Rennen am Samstag also die ganze Saison?
Nein. Sölden ist ein spezielles Rennen, es kann viel passieren. Ich könnte am dritten Tor ausscheiden – das würde aber nicht heissen, dass ich nicht gut drauf bin. Ganz generell gilt: Ich habe danach noch einen Monat Zeit.

Das heisst?
Das Resultat am Samstag ist nicht der Massstab für den ganzen Winter. Ich kann mich erinnern, wie Marlies Schild (heute Marlies Raich, Anm. d. Red.) 2010 einmal beim ersten Slalom-Tor einfädelte, am Ende des Winters aber trotzdem die Kugel gewann. Mir ist es einfach wichtig, gut zu fahren.

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Lesen und schauen Sie, was in den Medien über sie berichtet wird?
Nein, gar nicht. Früher habe ich es mitbekommen, aber ich habe versucht, mich möglichst schnell davon zu entfernen.

Warum?
Es beeinflusste mich immer wieder mal. Medien kritisieren, das ist normal. Aber wenn die Kritik überhaupt nicht stimmt, ist das verletzend. Es sind nicht die Medien, die mir den Weg zeigen. Es sind jene Leute, die mit mir arbeiten, mir helfen. Wenn es etwas zu ändern gibt, diskutiere ich es mit ihnen und nicht mit Aussenstehenden.

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