Beim Thema Rinderschlachten wird Strobl emotional
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«Fällt mir nicht leicht»:Beim Thema Rinderschlachten wird Strobl emotional

Fritz Strobl hält seit 29 Jahren die Bestzeit auf der Streif
Odermatt jagt den Kitzbühel-Rekord dieses Rinderzüchters

Fritz Strobl hält den den ältesten Weltcup-Rekord in Kitzbühel. Doch jetzt zittert der Österreicher vor allem vor Marco Odermatt und Giovanni Fanzoni.
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Am 25. Januar 1997 hat der Österreicher Fritz Strobl in Kitzbühel Streif-Geschichte geschrieben.
Foto: Bongarts/Getty Images

Darum gehts

  • Fritz Strobl, Olympiasieger, von 2002 betreibt seit 2007 in Kärnten einen Bauernhof
  • Seine Rekordzeit von 1:51,58 auf der Streif steht seit 1997
  • Giovanni Franzoni kam 0,6 Sekunden an Strobls Rekord heran im Training
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Als Skirennfahrer wurde Fritz Strobl auch «Fritz the Cat» genannt. Bald 19 Jahre nach seinem Rücktritt spielen im Leben des mittlerweile 53-Jährigen allerdings nicht Katzen, sondern Kühe eine sehr wichtige Rolle. Der Abfahrts-Olympiasieger von 2002 hat in seinem Kärntner Geburtsort Gerlamoos den Bauernbetrieb seines Vaters übernommen. Einige von Strobls Rindern haben ihre Wurzeln in jenem Ort, der seine Sportlerlaufbahn in besonderer Manier geprägt hat – Kitzbühel! «Während meiner Aktivzeit war der Hahnenkamm-Bauer Georg ‹Bobby› Hochfilzer Abschnittschef vom Lärchenschuss bis zur Hausbergkante. Wir haben uns oft über die Viehzucht unterhalten und er hat mir bei jeder Diskussion seine Angus-Rinder angepriesen. Als klar war, dass ich den elterlichen Betrieb übernehme, bin ich mit dem Viehanhänger nach Kitzbühel gefahren und habe dem Bobby ein paar Rinder abgekauft.»

Die unvergessliche Premiere

Erstmals nach Kitzbühel gereist ist Strobl im Januar 1991, als er vom damaligen ÖSV-Cheftrainer Hans Pum für die Weltcup-Abfahrt auf der berüchtigten Streif aufgeboten wurde. «Aufgrund der Hahnenkamm-Rennen, die ich in meiner Jugendzeit im TV gesehen habe, hatte ich bei der Anreise nicht das Gefühl, dass mich diese Piste vor ein grösseres Problem stellen würde», erzählt Strobl. «Als ich dann aber erstmals im Starthaus stand, ist mir schier schlecht geworden, weil die Streif in Realität sehr viel steiler ist, als sie im Fernsehen rüberkommt.» Letztendlich war es ein Routinier aus der Schweiz, der bei dieser furchterregenden Streckenbesichtigung dem blutjungen Fritz Mut machte. «Ich stand mit käseweissem Gesicht bei der Kante zur Mausefalle, als Daniel Mahrer auf mich zukam und sagte: Junge, es ist nicht ganz so wild, wie es aussieht. Wenn du dich einmal überwinden kannst, wirst du merken, dass auch auf dieser Strecke alles fahrbar ist. Diese Worte des Kitzbühel-Siegers von 1989 haben mir extrem gutgetan», erinnert sich Strobl und hält fest, «dass ich nach der ersten Trainingsfahrt tatsächlich das Gefühl hatte, dass die Streif gar nicht so wild ist.»

Der erste Abflug

Doch im zweiten Training hat der Bauernbub auf ziemlich schmerzliche Weise das Gegenteil erfahren. «Da bin ich unterhalb der Mausefalle in heftiger Manier abgeflogen. Ich habe aber sofort gemerkt, dass meine Knie nicht beschädigt sind. Weil ich mich dennoch nicht getraut habe, mit den Ski ins Ziel zu fahren, habe ich mich erst einmal auf die Position des Torrichters begeben.» Dort ist Strobl eine knappe Viertelstunde gesessen. «Dann ist der Engländer Martin Bell an genau derselben Stelle ganz übel gestürzt. Der Torrichter schaute mich an und sagte: Jetzt gibt es auch für dich einen kostenfreien Helikopter-Flug ins Krankenhaus! Kurz darauf ist der Heli tatsächlich gekommen, um Martin Bell zu bergen. Während Martin verarztet wurde, habe ich mich im Cockpit neben den Piloten gesetzt.» Nach diesem Flug ins Spital wurde bei Strobl eine Adduktoren-Zerrung diagnostiziert. «Deshalb konnte ich nicht zur Lauberhornabfahrt nach Wengen fahren. Dafür reiste Gernot Reinstadler, den ich noch ein paar Wochen zuvor in der Quali für die Weltcup-Abfahrt in Garmisch besiegte, ins Berner Oberland.»

Das tödliche Drama

Reinstadler ist nie mehr aus dem Berner Oberland zurückgekehrt – der 21-jährige Tiroler ist am 19. Januar 1991 an den Folgen seines schrecklichen Ziel-S-Crashs in der Qualifikation zur Lauberhorn-Abfahrt verstorben. Diese Tragödie hätte auch fast die Karriere von Fritz Strobl beendet. «Ich war in meinem Elternhaus, als im Radio der Tod von Gernot vermeldet wurde. Meine Mutter ist ins Zimmer gekommen und hat geschrien: Aus, jetzt kannst auch du diesen Scheiss bleibenlassen! Ich will, dass du deine Rennski weggibst!» Ein paar Tage später bin ich zur Beerdigung von Gernot gefahren. «Diese Trauerfeier ist mir brutal eingefahren.»

Das Schlüsselerlebnis

Strobl hat sich dann aber doch dafür entschieden, die Rennfahrer-Laufbahn fortzusetzen. «Ich habe mit Qigong angefangen. Diese chinesische Meditationsmethode hat mir in dieser schwierigen Phase enorm geholfen.» 1994 hat der Speed-Spezialist seine ersten Weltcuppunkte eingefahren. Und das ausgerechnet bei der Hahnenkammabfahrt in Kitzbühel. «Ich bin mit einer hohen Nummer auf den zwanzigsten Rang gefahren, im letzten Abschnitt habe ich die drittbeste Zeit aufgestellt. Da war mir klar, dass ich mich vor der Streif nicht mehr fürchten muss.»

Der perfekte Tag

Am 25. Januar 1997 hat Strobl bereits am Morgen bei der Besichtigung der Abfahrt auf der Streif innerlich triumphiert. «Ich habe deutlich gespürt, dass die Bedingungen an diesem Tag perfekt zu meinem Fahrstil passen.» Strobl sollte recht behalten. Mit einer perfekten Fahrt triumphierte er vor seinem Kärntner Kumpel Werner Franz in einer Zeit von 1:51,58. Schneller hat seither keiner die gefährlichste Abfahrt bezwungen.

Das grosse Zittern

Doch am Samstag droht dem zweifachen Familienvater, der im Januar 2000 die Abfahrt in Kitzbühel zum zweiten Mal gewonnen hat, der Verlust seiner Bestmarke. Der Italiener Givoanni Franzoni ist bereits im Abschlusstraining bis um sechs Zehntel an den Streckenrekord herangefahren. «Und weil die Top-Shots Franzoni und vor allem auch Marco Odermatt im Hinblick aufs Rennen noch ordentlich Reserven haben werden, wackelt mein Rekord ganz gewaltig», seufzt Strobl. «Aber vielleicht wird es bis am Samstag ja derart kalt, dass die Piste im Rennen so heftig vereist sein wird, dass sich auch die Stars nicht mehr so einfach tun werden, wie in den beiden Trainingsläufen.» Bevor der Mann mit neun Einzelweltcupsiegen in den Kuhstall zurückkehrt, spricht er seinen letzten Streif-Wunsch aus: «Es wäre so schön, wenn meine Bestzeit noch ein Jahr bestehen bleiben würde, damit ich 2027 eine grosse Party unter dem Motto 30 Jahre-Kitzbühel-Streckenrekord organisieren kann.»

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