Jeder Hahnenkammsieger – egal, ob in der Abfahrt, im Super-G oder Slalom – bekommt in Kitzbühel eine Gondel geschenkt. «Eine Hahnenkamm-Gondel ist etwas vom Grössten, was man im Skisport gewinnen kann», sagte Beat Feuz (38) einst. Der gebürtige Emmentaler aus Schangnau BE ist gar dreimaliger Streif-Sieger.
Es ist das Rennen, das der Schweizer Skistar Marco Odermatt (28) bisher noch nicht gewinnen konnte. Zwar fährt bereits eine rote Kabine mit dem Namen «Marco Odermatt» beschriftet den Berg rauf und runter – der Lohn für seinen Sieg im Super-G vor einem Jahr. Doch der Sieg in der Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel ist das letzte Teilchen, dann hat der Nidwaldner sein Erfolgspuzzle zusammengesetzt.
Starthang sei furchteinflössend
Die berühmt-berüchtigte Streif in Österreich gilt als die gefährlichste Strecke des alpinen Ski-Weltcups. Im Starthaus rutscht auch routinierten Rennläufern das Herz in die Hose. «Der steile Starthang ist furchteinflössend. Die Beschleunigung zur ersten Schlüsselstelle Mausefalle kostet unheimlich viel Überwindung», sagt Feuz, der vor drei Jahren zurückgetreten ist. Bei der ultimativen Mutprobe im Nobelskiort fungiert der Olympiasieger und Weltmeister dieses Jahr als SRF-Experte und Co-Kommentator.
Welchen Rat würde Beat Feuz Odi geben, damit dieser am 24. Januar auf der Streif reüssieren kann? «Marco braucht keinen Tipp von mir – er hat inzwischen Legendenstatus erreicht und praktisch alles gewonnen, was der Skisport hergibt», sagt der Wahl-Tiroler, der mit seiner österreichischen Lebenspartnerin Katrin Triendl (39) und den gemeinsamen Töchtern Clea (7) und Luisa (4) in Oberperfuss (Ö) wohnt. Marco Odermatt werde nicht mit schlotternden Knien im Starthaus stehen, prophezeit der gelernte Maurer. «Marco ist der Beste im Starthaus. Das weiss er auch. Und genau das ist seine Stärke. Er ist ein Meister darin, am Tag X die beste Leistung abzurufen.» Allerdings: «Marco muss im Erfolgsfall aufpassen, dass ihn der Super-G am Vortag der Hahnenkamm-Abfahrt nicht zu viel Kraft und Energie kostet. Siegerzeremonie, Medientermine und weitere Verpflichtungen sorgen für einen langen Tag.»
Grosse Freude an Familienzeit
Mit seiner eigenen Gondel ist Beat Feuz übrigens noch nie gefahren. «Diese Fahrt möchte ich mit meiner Familie unbedingt nachholen!» Er freut sich, dass Clea und Luisa, nebst dass sie Tennis spielen und turnen, auch mit Begeisterung Ski fahren. Angst hat er nicht, wenn seine beiden Töchter die Piste runterbrettern: «Sie fahren ja ‹normal› Ski. In ihrem Alter gibt es zum Glück noch keinen Abfahrts-Rennsport, da zählen nur Spiel und Spass.»
Ob seine Mädchen dereinst eine Startnummer überstreifen werden, sollen sie selbst entscheiden, sagt der Gewinner von 16 Weltcuprennen. Auf die Frage, ob er als Vater vorsichtiger gefahren sei, antwortet Feuz: «Nein! Am Renntag darf das keine Rolle spielen. Etwas zu ändern, hätte die Sache nur schwieriger gemacht.» Sein Motto lautete deshalb: «Angriff ist immer noch die beste Sicherheit.»