Darum gehts
- Julia Scheib gewann vier Riesenslaloms 2026 und strebt Olympia-Gold an
- Alice Robinson ist Neuseelands erfolgreichste Skirennfahrerin mit sieben Weltcupsiegen
- Federica Brignone holte Super-G-Gold 2026, trotz schwerem Sturz 2025
Julia Scheib (27, Ö): Die Ehrgeizige
Sie mag Beethoven, Techno, hat eine Tracht – würde aber niemals Schlagermusik hören.
Die Steirerin war schon als Kind pfeilschnell, gewann fast jedes Kinder- und Jugendrennen. Krankheiten und Verletzungen bremsten sie als Profi. «Es war teilweise der Horror», sagt sie. Dennoch erklärte sie schon vor Jahren: «Ich will die Beste werden.» Dafür wurde sie belächelt. Heute tut das niemand mehr. In sechs von acht Riesenslaloms dieses Winters erreichte sie das Ziel – vier Siege, zweimal Zweite. «Ich tippe auf Gold», sagt ZDF-Experte Marco Büchel.
Selbst ein Olympiasieg würde Scheib kaum zu einem breiten Grinsen bewegen. «Ich lächle nicht, weil andere es wollen», sagt sie ohne Umschweife. Sie ist direkt, ehrlich, schnörkellos, sympathisch. «Früher war ich zu wild. Heute fahre ich mit mehr Köpfchen.»
Alice Robinson (24, Neus): Der Gummiball
17 Jahre, blondes Haar. Im Oktober 2019 schockte der Teenager aus Neuseeland die Ski-Welt. Auf dem Rettenbachgletscher, dem steilsten Riesenslalom-Hang der Welt, besiegte Robinson US-Superstar Mikaela Shiffrin – noch als Schülerin. Shiffrin damals: «Ich sehe das Feuer in ihren Augen.» Mit diesem Feuer fährt Robinson: Wie ein Gummiball fliegt sie von Tor zu Tor.
Robinson wurde zwar in Australien geboren. «Ich fühle mich aber voll und ganz als Neuseeländerin.» 22 Podestplätze im Weltcup, davon sieben Siege – sie ist längst die erfolgreichste Skirennfahrerin in der Geschichte Neuseelands. Vor einem Monat stürzte Robinson in Tarvisio (It) heftig, hatte aber Glück: nur ein paar Schrammen. Im Gegensatz zu ihren grössten Rivalinnen im Riesenslalom fuhr sie bereits den Super-G (Rang 8) – ein Vorteil.
Paula Moltzan (31, USA): Die Spätberufene
Als Kind zog sie ihre ersten Spuren am Buck Hill in Minnesota (USA) in den Schnee – genau wie vor ihr Lindsey Vonn (41, USA). Der Hügel ist nur 93 Meter hoch. Mit 20 Jahren wurde Moltzan Junioren-Weltmeisterin. Anders als bei Vonn ging ihr Weg danach jedoch nicht steil nach oben. Ein Jahr später flog sie aus allen US-Kadern – ihre Weltcup-Ergebnisse waren zu schwach. «Das war das Beste, was mir passieren konnte», sagt sie rückblickend.
Moltzan schrieb sich an der University of Vermont ein, fuhr nur noch Uni-Rennen und arbeitete als Whitewater-Rafting-Guide. «Und dann habe ich meine Liebe zum Skifahren wiederentdeckt», erzählt sie. Ihr Ehemann Ryan Mooney ist zugleich Servicemann, Coach und Chauffeur. Besonderheit: Moltzan liess im April Eizellen einfrieren – sie will nach der Karriere unbedingt Mutter werden. Auf einen Weltcupsieg wartet sie noch. Ihr Schwung ist enorm schnell, aber riskant.
Mikaela Shiffrin (30, USA): Der Superstar
Sollen wir alle ihre Erfolge aufzählen? Nein. Nur eine Zahl: 108 Weltcupsiege. Wahnsinn. Shiffrin gewann zwar keinen ihrer letzten 15 Weltcup-Riesenslaloms. Ein Grund dafür: Bei einem Sturz im November 2024 bohrte sich ihr Skistock durch den Unterleib. Um das zu verarbeiten, brauchte sie viel körperliche und mentale Arbeit.
Shiffrins Klasse ist unbestritten. Aber hat sie ein Olympia-Trauma? In Peking verpasste sie alle sechs Medaillen-Chancen. In Cortina fuhr sie in der Team-Kombi nur die fünfzehntbeste Slalomzeit. Eine Medaille gab es nicht. «Ich werde daraus lernen», sagte sie.
Federica Brignone (35, It): Der Ski-Tiger
Zehn Monate ist ihr Horrorsturz her. Bei den italienischen Meisterschaften rissen Bänder und brachen Knochen im linken Bein. «Ich wusste nicht, ob ich überhaupt je wieder richtig laufen könnte», sagt Brignone. Nun ist sie Olympiasiegerin: Mit 35 Jahren und sieben Monaten gewann sie am Donnerstag den Super-G. Rekord. Und ein Märchen.
Brignone macht dem Tiger auf ihrem Helm alle Ehre. «Das ist mein Tier. Der Tiger, das bin ich», sagt sie. Schmunzelnd ergänzt sie: «Ich habe wirklich sehr viel Energie.» Es stellt sich die Frage: Verleiht ihr die Goldmedaille Flügel oder war die Belastung doch zu gross?
Sara Hector (33, Sd): Das Kraftpaket
Schweden und Olympia – das passt. Pernilla Wiberg 1992 und 1994, Anja Pärson 2006, Frida Hansdotter 2018, Hector 2022. Alle holten Gold. Hector könnte ihr Coup von Peking in Cortina wiederholen. Dafür muss sie ihre brachiale Fahrweise aber wohl etwas anpassen.
Hector gehört zu den beliebtesten Athletinnen im Ski-Zirkus – stets freundlich, fair, zuvorkommend. Ihr Vater ist Mathelehrer («Mit ihm habe ich gelernt zu zählen»), ihre Mutter Englisch- und Deutschlehrerin («Mit ihr habe ich gelernt zu lesen»). Ihre Mutter ist an der Nervenkrankheit ALS erkrankt. Seit Jahren sammelt Hector Spenden für die Forschung – im Wissen, dass eine Heilung für ihre Mama wohl ausgeschlossen ist.
