Justin Murisier
Der Walliser hat die Olympia-Selektionskriterien um lumpige acht Hundertstel verpasst. Dass Murisier, welcher vor 14 Monaten in sensationeller Manier beim Abfahrtsklassiker in Beaver Creek triumphierte, im laufenden Weltcup-Winter den Erwartungshaltungen nicht gerecht wurde, ist in erster Linie auf Kniebeschwerden zurückzuführen. Der tragische Held aus dem Val des Bagnes leidet unter den Nachwehen von drei Kreuzband-Operationen.
«Nach der Abfahrt in Gröden hatte ich eine besonders starke Entzündung im Knie, weil die Sprünge dort extrem weit gegangen sind», betont der 34-Jährige. Während seine Kollegen zum Saisonhöhepunkt nach Italien gefahren sind, hat Murisier sein Knie behandeln lassen. «Ich habe in Genf eine Eigenbluttherapie gemacht. Seither habe ich ein besseres Gefühl.» Nach dieser Therapie hat der Cousin von William Besse (57, Lauberhornsieger 1994) eine Woche auf der österreichischen Reiteralm trainiert, ehe er mit seiner Freundin in die Ferien nach Italien gefahren ist.
«Ursprünglich habe ich mir vorgenommen, dass ich mir die Olympischen Spiele nicht anschaue. Im Endeffekt habe ich dann aber doch alle Skirennen im Fernseher angeschaut». Dabei hat Murisier etwas ganz enorm gestört: «Es macht mich traurig, wenn in der Abfahrt gerade mal 34 Rennfahrer am Start stehen, von denen höchstens 25 richtig gut Skifahren können. Es kann einfach nicht sein, dass Athleten, die das Potenzial für den Gewinn einer Medaille hätten, zu Hause bleiben müssen und beim wichtigsten Rennen der letzten vier Jahren irgendwelchen Exoten zuschauen müssen.»
Murisier setzt einen obendrauf: «Im Weltcup liegen die Top-30 nach dem ersten Lauf manchmal innerhalb von zweieinhalb Sekunden, doch nach dem ersten Durchgang im Olympia-Slalom lag der Dreissigste über 8 Sekunden hinter der Bestzeit. Das ist keine gute Werbung für unseren Sport.» Der gelernte Forstwart legt zwar Wert auf die Feststellung, «dass ich nichts gegen Alpin-Exoten bei Olympischen Spielen habe. Aber vor diesen Exoten müssten die Top-30 in der Weltrangliste ins Rennen gehen. Doch aufgrund der Olympiaregelung dürfen diverse Top-30-Athleten gar nicht starten. Und das ist nicht im Sinne des Sports.»
Alessio Miggiano
Der 23-jährige Zürcher Oberländer gehört zu den Rennfahrern, die Murisier anspricht: Obwohl sich Miggiano in der laufenden Weltcup-Saison zweimal in den Top-8 klassiert hat (5. in Gröden, 8. in Crans Montana), hat er den Sprung in die Olympia-Equipe nicht geschafft. Grund: Der Schweizer Männercheftrainer Tom Stauffer durfte nur elf Athleten nominieren. «Ich muss zugeben, dass mir die Nachricht der Nichtselektion für die Olympischen Spiele mehr wehgetan hat, als ich geglaubt habe», gesteht Miggiano. «Ich habe bis Kitzbühel nie gross an die Olympischen Spiele gedacht, mein Fokus war voll auf den Weltcup gerichtet. Aber dann habe ich bemerkt, dass ich ganz nahe dran bin am Olympia-Ticket.»
Obwohl er dieses so begehrte Billett letztendlich doch nicht erhalten hat, verfolgte der Sohn eines Sternekochs die Olympiarennen ohne Groll vor dem Fernseher. «Meine Teamkollegen können ja nichts dafür, dass ich nicht selektioniert worden bin. Deshalb habe ich mich riesig über die Schweizer Erfolge gefreut.» Zwei Tage nach dem Slalom-Olympiasieg von Loïc Meillard hatte auch Miggiano wieder Grund zum Jubeln – beim Europacup in Sarajevo fuhr er auf der Olympiastrecke von 1984 im Super-G auf den zweiten Rang.
Lars Rösti
Der Abfahrtsspezialist aus St. Stephan BE hat die Selektionskriterien mit dem sechsten Rang in Crans-Montana zu spät erfüllt – Alpinchef Hans Flatscher musste die Nominationen bereits sechs Tage zuvor ans IOC übermitteln. Vorwürfe macht der gelernte Schreiner aber nur sich selber: «Ich bin in den Weltcuprennen bis Crans-Montana zu schlecht Ski gefahren.» Ein Arztbesuch nach Crans-Montana hat dann aber auch gezeigt, dass der gelernte Schreiner nicht immer voll leistungsfähig war: «Ich hatte einen starken Hustenreiz, nach den Läufen musste ich mich manchmal schier übergeben. Nun hat sich herausgestellt, dass ich eine Bronchitis herumgeschleppt habe.» Dass der 28-Jährige in der Zwischenzeit aber wieder Top-Fit ist, hat er letzte Woche mit dem Super-G-Sieg beim Europacup in Sarajevo gezeigt.