Der grosse WM-Überblick
Wer Geheimfavorit ist, wer Podest-Chancen hat

Wer gewinnt Gold? Diese Frage wird an der Ski-WM insgesamt 13 Mal beantwortet. Diese internationalen Stars haben die grössten Chancen in den Einzeldisziplinen.
Publiziert: 04.02.2023 um 16:50 Uhr
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Aktualisiert: 05.02.2023 um 13:33 Uhr
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Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin und ...

Die Ski-Weltmeisterschaft in Courchevel/Méribel steht unmittelbar vor der Tür. Die Schweiz geht praktisch in jedes Rennen mit Medaillenchancen. Doch wie sieht es bei der Konkurrenz aus?

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Frankreich

Die Euphorie bei den Gastgebern ist noch nicht entfacht. Das liegt wohl an den bisherigen Resultaten. Nur ein Rennen konnten sie in dieser Saison für sich entscheiden. Slalom-Olympiasieger Clément Noël (25) zeichnet sich dafür verantwortlich. Er ist trotz vier Ausfällen konstant unterwegs, hat sich neben dem Sieg auf den Rängen 3, 6 und 8 klassiert – und ist damit Frankreichs grösste Medaillenhoffnung.

Den Traum von Edelmetall bei der Heim-WM möchte sich Johan Clarey (42) erfüllen. Der «Oldie» nennt das plus seinen ersten Weltcupsieg als grosses Ziel für die letzte Saison seiner Karriere. Zweimal wurde er in dieser Saison Abfahrts-Zweiter – und dass er bei Grossanlässen aufs Podest fahren kann, hat er bereits bewiesen (2019 WM-Silber im Super-G, 2022 Olympia-Silber in der Abfahrt). Eine allzu grosse Überraschung wäre ein Top-Resultat deshalb nicht.

Andere hingegen kommen in diesem Winter nicht auf Touren. Alexis Pinturault (31), Gesamtweltcupsieger 2020/21, und Mathieu Faivre (31), zweifacher Titelverteidiger (Riesenslalom und Parallel-Rennen), fahren der Form früherer Tage hinterher. Zudem sind viele Teamkollegen wie Victor Muffat-Jeandet (33) oder Mathieu Baillet (26) verletzt.

Frankreichs Frauen-Team konnte sich in den letzten Jahren auf Tessa Worley (33) verlassen, die regelmässig aufs Podest gefahren ist. In dieser Saison ist sie zwar siebenmal in die Top 10 gefahren, aber noch nicht aufs Treppchen. Den einzigen Podestplatz hat Romane Miradoli (28, 3. im Super-G) herausgefahren. Es braucht einen Exploit für Edelmetall.

Letzte WM: Fünf Medaillen – 2 Gold, 1 Silber, 2 Bronze

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Österreich

Die Ski-Nation Österreich steckt in der Krise. Nur 17 Podestplätze gabs in 55 Rennen. Die einzigen Siege fuhr Vincent Kriechmayr (31) heraus – dreimal in der Abfahrt. Der Titelverteidiger in den beiden Speed-Disziplinen ist ein heisser Medaillenkandidat. In den technischen Disziplinen ist man mit Manuel Feller (30) und Marco Schwarz (27, Titelverteidiger in der Kombi) gut aufgestellt, beide haben das Zeug, um die Medaillen mitzufahren – auch wenn sie zuletzt nicht zu überzeugen vermochten.

Bei den Frauen siehts anders aus. Dort gab es noch keinen Saisonsieg, stattdessen enttäuschen sie ein ums andere Mal. Aber: Vor zwei Jahren war die Ausgangslage gleich – und Katharina Liensberger (25) fuhr zu Doppel-Gold (Slalom und Parallel-Rennen). Das gibt Hoffnung und eine Medaille in einem der ersten Rennen könnte den Knopf im Team lösen.

Letzte WM: Acht Medaillen – 5 Gold, 1 Silber, 2 Bronze

USA

Die grosse Medaillenhoffnung heisst natürlich Mikaela Shiffrin (27). Als elffache Saisonsiegerin und Rekord-WM-Medaillensammlerin (6 Gold, 2 Silber, 3 Bronze) gilt sie dort, wo sie am Start steht, automatisch als Titelfavoritin. Aber: Das war sie auch letztes Jahr bei den Olympischen Spielen – und dort ging sie leer aus.

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Neben ihr haben die USA in dieser Saison eine weitere Podestfahrerin: Beim Doppelsieg feierte Paula Moltzan (28) als Zweite hinter Shiffrin ihre Riesen-Premiere.

Und bei den Männern? Dort fehlt das Pendant zu Shiffrin. Aber: Ryan Cochran-Siegle (30) ist als Fünfter (Abfahrt) und Sechster (Super-G) dem Podest in diesem Winter nahegekommen. Passt an der WM alles zusammen, könnte er es erstmals erobern.

Letzte WM: Vier Medaillen – 1 Gold, 1 Silber, 2 Bronze

Norwegen

Zwölf der 28 Rennen bei den Männern haben in diesem Winter Norweger gewonnen. Namentlich: Aleksander Aamodt Kilde (30, 7 Siege), Henrik Kristoffersen (28, 2 Siege) und Lucas Braathen (22, 3 Siege). Auch bei der WM gelten sie als Favoriten – wenn sie starten. Denn hinter Braathens Teilnahme steht ein grosses Fragezeichen. Er musste sich am Dienstag notfallmässig einer Blinddarm-OP unterziehen und zittert um den Start beim WM-Slalom.

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Nach Not-OP am Blinddarm: Slalom-Star Braathen meldet sich aus dem Spital(01:00)

Derweil wird sich Kilde bestimmt weitere packende Duelle mit Marco Odermatt liefern – der Norweger hat im Gegensatz zu Freundin Mikaela Shiffrin noch keine WM-Medaille zu Hause. Das dürfte sich mit grosser Wahrscheinlichkeit in diesem Jahr ändern. Kristoffersen ist heisser Anwärter auf Slalom-Edelmetall. An den letzten beiden Weltmeisterschaften stand er als Erster (2019) und Dritter (2021) auf dem Podest.

Zudem haben die Norweger in ihren Reihen auch noch Slalom-Titelverteidiger Sebastian Foss-Solevaag (31). Überraschend gewann er vor zwei Jahren Gold. Der erneute Sieg wäre ebenso eine Überraschung, auch wenn die Formkurve nach oben zeigt. Im letzten Slalom vor der WM wird er Fünfter – sein mit Abstand bestes Resultat.

Bei den Frauen sticht Ragnhild Mowinckel (30) heraus. In den Speed-Disziplinen fährt sie dreimal aufs Podest, feiert ihren ersten Super-G-Sieg. Und auch im Riesenslalom kann sie unter die Top 3 fahren. Kajsa Vickhoff Lie (24) hat als einzige Top-10-Klassierung einen 2. Platz in der Abfahrt zu Buche stehen. Sie zählt zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärterinnen.

Letzte WM: Drei Medaillen – 2 Gold, 1 Bronze

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Italien

Das italienische Frauen-Team ist stark besetzt. Allen voran wegen Sofia Goggia (30). Vier Abfahrten hat sie gewonnen, eine davon einen Tag nachdem sie sich die Hand gebrochen hat. Zuletzt hat sie abseits der Piste für Schlagzeilen gesorgt. Vor der WM reist sie zuerst für ein paar Tage nach Dubai und bricht dann die letzten Schneetrainings vorzeitig ab. Medien berichten von einem Sturz inklusive Spitalbesuch. Das wird vom Verband dementiert, sie sei lediglich ausgerutscht. Nun peilt sie ihr erstes WM-Gold an – das fehlt der Abfahrtsolympiasiegerin noch im Palmarès.

Ob sich das gelohnt hat? Goggia wollte ins warme Dubai – nun kriegt sie Regen(00:48)

Mit Elena Curtoni (32, 1 Sieg) und Federica Brignone (32, 1 Sieg) hat Italien zwei weitere Speed-Asse im Ärmel. Hinzu kommt Marta Bassino (26, 1 Sieg), welche vor zwei Jahren im Paralell-Rennen den Titel gewonnen hat und zu den Medaillenanwärterinnen im Riesenslalom gehört.

Bei den Männern liegen die Hoffnungen auf Mattia Casse (32). Der Speed-Spezialist hat in diesem Winter seine ersten drei Podestplätze herausgefahren – zweimal Dritter in der Abfahrt, einmal im Super-G. In den technischen Disziplinen soll Alex Vinatzer (23) für Medaillen-Jubel sorgen. Allerdings hat er bisher nicht vollends überzeugt. Im Slalom stehen drei Top-10-Klassierungen zu Buche, im Riesen ist er noch ohne Resultat. Nicht vergessen darf man Routinier Dominik Paris (33), der zuletzt im Super-G als Zweiter gezeigt hat, dass er immer noch schnell sein kann.

Hinzu kommt der letztmalige Vize-Weltmeister im Riesenslalom: Luca de Aliprandini (32). Er erlebt bisher einen mageren Winter. Vier Nullern stehen die Ränge 18 und 21 gegenüber. Würde es ausgerechnet an der WM mit einem Podestplatz klappen, käme das doch überraschend.

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Letzte WM: Zwei Medaillen – 1 Gold, 1 Silber

Deutschland

Ein deutsches Trio hat in diesem Winter Podestplätze eingefahren. Linus Strasser (30) zweimal im Slalom (jeweils Dritter), Kira Weidle (26) zweimal in der Abfahrt (jeweils Dritte) und Lena Dürr (31) viermal im Slalom (je einmal Siegerin und Zweite und zweimal Dritte).

Die grössten Chancen auf Edelmetall hat Dürr. Zumal sie mit dem Sieg im letzten Slalom vor der WM enorm viel Selbstvertrauen getankt und bewiesen hat, dass sie Überfliegerin Shiffrin bezwingen kann. Aber auch den anderen beiden ist eine Medaille durchaus zuzutrauen.

Ausserdem gibts da noch Speed-Ass Thomas Dressen (29). Auch wenn er nur die Ränge 8 und 13 als Bestresultat vorweisen kann, ist er an Tag x bereit, hat er das Zeug, in der Abfahrt aufs Podest zu stürmen.

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Letzte WM: Vier Medaillen – 3 Silber, 1 Bronze

Kanada

Zwei Namen stechen im kanadischen Team hervor: Valérie Grenier (26) und James Crawford (25). Grenier hat sich im Riesenslalom in der Weltspitze etabliert, ist sechsmal in die Top 15 gefahren und hat ihren ersten Weltcupsieg gefeiert. Sie gehört zum Kreis der Medaillenanwärterinnen.

Genauso Crawford. Seine Disziplin? Die Abfahrt. Zweimal hat er dort in diesem Winter das Podest gestürmt und gezeigt, dass er mit den Schnellsten mithalten kann.

Die anderen Nationen

Viele Nationen leben im Skisport von einer Athletin oder einem Athleten. Und dürfen sich dank dieser durchaus Medaillenchancen ausrechnen. Etwa die Slowakei dank Technik-Spezialistin Petra Vlhova (27). Oder Grossbritannien dank Slalom-Ass Dave Ryding (36).

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In Slowenien zählt man auf die zweifache Abfahrtsweltmeisterin (2017 und 2019) Ilka Stuhec (32), die in dieser Disziplin zu den Saisonsiegerinnen gehört und Zan Kranjec (30), der sich im Riesenslalom mit einem zweiten und zwei dritten Plätzen etabliert hat. In Schweden ruhen die Hoffnungen auf Anna Swenn-Larsson (31, Slalom) und Sara Hector (30, Riesenslalom) und Neuseeland träumt vom Medaillencoup durch Alice Robinson (21).

Im letzten Rennen vor der WM ist zudem ein Slalomfahrer als Geheimfavorit ins Rampenlicht gekurvt. Mit einem sensationellen 2. Lauf wird AJ Ginnis (28) in Chamonix Zweiter. Wenn der Grieche den Flow mitnehmen kann, sorgt er vielleicht für die ganz grosse Überraschung.

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