Der grosse Ski-Check
Kitzbühel-Held wird mit Blaulicht-Auto abtransportiert

Bei den Frauen gibt es mehr Startplätze, als Fahrerinnen die Olympia-Limite erreicht haben. Welches Ski-Ass kommt trotzdem zum Handkuss? Und wie steht es um Olympiasiegerin Petra Vlhova?
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Vlhova-Fans hofften vergebens – aber ist sie bei Olympia dabei?

Slalom-Olympiasiegerin Petra Vlhova (30) wird bei ihrem Heimrennen in Spindlermühle (Tsch) schmerzlich vermisst. Ihr Ziel sind die Olympischen Spiele. Ob es reicht. Hört man sich um, bekommt man immer die gleiche Antwort: «Die Chancen stehen 50:50.» Vlhova will erst kurz vor dem Rennen entscheiden, ob sie teilnehmen wird. Kaum jemand geht davon aus, dass sie nach ihrer langen Verletzungspause in den Medaillenkampf eingreifen kann.

Petra Vlhova hat bereits eine olympische Goldmedaille im Trophäenschrank. Kann sie in Cortina nachlegen?
Foto: CHRISTIAN BRUNA

Shiffrin lässt Stenmark und Vonn stehen

Mit ihrem Sieg beim Slalom in Spindlermühle gewinnt Mikaela Shiffrin (30, USA) vorzeitig die Slalom-Kristallkugel. Es ist ihre neunte. Damit schreibt sie wieder einmal Geschichte. Nur Ingemar Stenmark (im Riesenslalom) und Lindsey Vonn (Abfahrt) gelang es zuvor, acht Kugeln zu holen. Speziell: Shiffrin gelingt dieser Meilenstein an jenem Ort, an dem ihre Weltcupkarriere vor 15 Jahren begann.

Mikaela Shiffrin kann in Spindlermühle den nächsten Meilenstein begiessen.
Foto: AP

Alptraum für kroatisches Ski-Wunderkind

Zrinka Ljutic (21, Kro) gewann im letzten Winter die Slalom-Kristallkugel. In Spindlermühle fällt sie gleich zweimal aus. Schon wieder. Ihre Zickzack-Bilanz in dieser Saison ist erschreckend: Sie schied in fünf von acht Slaloms aus. In der Disziplinen-Wertung liegt Ljutic auf Rang 21. Wer vor der Saison darauf gewettet hätte, wäre als verrückt erklärt worden.

Die Saison von Zrinka Ljutic ist ein einziges Auf und Ab.
Foto: Getty Images

Odermatt kann mit grosser Kugel rechnen

Den ersten Abfahrtssieg auf der «Streif» verpasst Marco Odermatt zwar um lumpige sieben Hundertstel, dafür hat der Nidwaldner den fünften Sieg im Gesamtweltcup schon fast auf sicher. Nach seinem Triumph im Hahnenkamm-Super-G und dem zweiten Abfahrtstrang liegt der Superstar mit 53 Einzelweltcupsiegen im Kampf um die grosse Kristallkugel 617 Punkte vor dem Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen, der in diesem Weltcup-Winter voraussichtlich nur noch drei Riesen-und drei Slaloms bestreiten wird. Das heisst im Klartext: Selbst wenn Braathen sämtliche noch ausstehenden Technik-Bewerbe gewinnen würde, kann er nicht mehr als 600 Punkte machen. Es sei denn, der gebürtige Norweger würde plötzlich auch im Super-G durchstarten. Loic Meillard liegt im Gesamtweltcup derzeit mit 702 Zählern Rückstand an der dritten Stelle. Der Walliser wird neben den sechs Technikrennen eventuell auch die Super-G in Garmisch, Courchevel und Lillehammer bestreiten. Dass der Slalom-Weltmeister aus dem Restprogramm über 700 Zähler herausholen wird, ist jedoch höchst unwahrscheinlich.

Die fünfte grosse Kristallkugel ist Marco Odermatt kaum mehr zu nehmen.
Foto: Anadolu via Getty Images

Kitzbühel-Held wird im Blaulicht-Auto abtransportiert!


Zur grossen Kitzbühel-Sensation 2026 avanciert der Franzose Maxence Muzaton, der in der Abfahrt mit der Startnummer 29 auf den dritten Rang donnert. Für den 35-Jährigen ist das gleichbedeutend mit seinem zweiten Weltcup-Podestplatz nach dem zweiten Rang bei der Lauberhorn-Kombination 2017. Nach diesem Exploit wird der Speed-Spezialist aus der Grande Nation allerdings mit einem besonderen Problem konfrontiert. «Als Maxime seinen Urin für die Dopingkontrolle abgegeben hat, war der Weg zum Bruggerhof, wo die französische Mannschaft untergebracht ist, aufgrund des gigantischen Zuschaueraufmarschs komplett blockiert», erzählt Peter Eder, der bei den Hahnenkammrennen seit vielen Jahren als Rennsekretär ist. Dass Muzaton nach seiner Heldentat letztendlich doch rechtzeitig im Bruggerhof ankommt, ist auf eine besondere Idee von Eder zurückzuführen. «Ich habe für Maxence einen Rettungswagen bestellt, welcher mit einem Blaulicht ausgestattet ist. Das hat wunderbar funktioniert.»

Um schnell ins Hotel zu kommen, wird Maxence Muzaton von einer Ambulanz gefahren.
Foto: ZvG

Die Babinsky-Wette

Christoph Geiler gehört zu den führenden Ski-Journalisten in Österreich. Einen Rennfahrer hat die Edelfeder vom «Kurier» im Dezember bereits abgeschrieben. «Der Stefan Babinsky wird niemals bei einem Weltcup-Rennen aufs Podest fahren», behauptete Geiler in Alta Badia bei einem Abendessen mit der ÖSV-Führung. ÖSV-Alpinchef Christian Mitter reagierte ganz cool: «Wenn du dir so sicher bist, können wir ja eine Wette machen: Ich setze 5000 Euro dagegen!» Geiler wollte einschlagen, aber dann hat ÖSV-Generalsekretär die beiden davon abgehalten, eine derart teure Wette abzuschliessen. Deshalb einigten sich Mitter und Geiler auf ein Abendessen. Der Reporter kann nun von Glück im Unglück reden, denn: Nachdem Babinsky beim Super-G am Lauberhorn als Zweiter beim Super-G am Lauberhorn sein erstes Podium auf höchster Stufe gefeiert hat, hat er am Freitag mit dem dritten Rang beim Kitz-Super-G nachgedoppelt.

Stefan Babinsky reitet derzeit auf einer Erfolgswelle.
Foto: keystone-sda.ch

Aufruhr bei den Deutschen

Grund zum Jubeln hätten nach dem jüngsten Hahnenkamm-Wochenende auch die Deutschen. Linus Strasser hat im Slalom als Dritter den ersten Podestplatz für Deutschlands Alpin-Herren in diesem Weltcup-Winter eingefahren, Luis Vogt ist in der Abfahrt völlig überraschend mit der Startnummer 40 auf dem achten Rang gelandet. Damit hat der 23-Jährige die Vorgabe für die Olympia-Selektion erfüllt. Doch genau deswegen ist jetzt in Ski-Deutschland der Teufel los. Der Deutsche Olympische Sportbund hat die fünf Startplätze, die die DSV-Herren bei den Olympischen Spielen von der FIS erhalten haben, bereits vor Kitzbühel an Linus Strasser, Simon Jocher, Alexander Schmid, Fabian Gratz und Anton Grammel vergeben. Das Problem: Grammel hat die Olympia-Limite nur zur Hälfte erfüllt, Schmid, der 2023 Weltmeister im Parallel-Riesen wurde, laboriert derzeit an einer Knöchel-Verletzung. Aber dass ein bereits nominierter Fahrer wieder gestrichen wird, ist unwahrscheinlich. «Diese Quotenregelung ist totaler Quatsch», schimpft Felix Neureuther (41, 13 Weltcupsiege) in der ARD. «Es werden Athleten mitgenommen aus Ländern, die nicht den Hauch einer Chance haben. Und von den Besten der Welt müssen einige daheimbleiben.» Neureuther droht: «Wenn Vogt nicht mitgenommen wird, dann geh ich auf die Barrikaden.»

Foto: Sven Thomann
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