Darum gehts
Gut-Behrami? Out! Suter? Ebenfalls! Was jetzt?
Dank guter Swiss-Ski-Arbeit und einem günstigen Rennprogramm trainierten die Schweizerinnen nach mehreren Jahren endlich wieder einmal im Vorfeld der Weltcuprennen auf der Corviglia GR. Das Ziel? Den Heimvorteil nutzen. Nur die Amerikanerinnen rund um Lindsey Vonn (41) durften ebenfalls auf die Piste – als Deal für die Trainings in den USA. Am Mittwoch folgte die Hiobsbotschaft: Nach Lara Gut-Behrami (34) war auch Corinne Suter (30) heftig gestürzt. Bei rund 90 Stundenkilometern kreuzte sie nach einem Schlag die Ski. Die Diagnose: Muskelfaserriss im linken Unterschenkel, Prellung des linken Kniegelenks sowie eine Fraktur im rechten Fuss. Sie muss rund einen Monat pausieren. «Es hätte definitiv auch dümmer laufen können», sagt Speed-Trainer Stefan Abplanalp. Suter kam wohl ihre überragende Fitness zugute. Dennoch: Das Schweizer Team wird in St. Moritz arg dezimiert sein, die zwei besten Speed-Fahrerinnen fallen aus. «Sie fehlen, ganz klar. Aber auch unsere anderen Fahrerinnen sind gut drauf», sagt Abplanalp.
Odermatt revidiert sein Urteil
Mit zwei Siegen in drei Rennen geht Marco Odermatt als grosser Hero von Beaver Creek 2025 in die Geschichte der Weltcuprennen ein. Zur Erinnerung: In den Wochen zuvor konnte Odermatt wie seine Teamkollegen aufgrund von Schneemangel in Copper Mountain (USA) nicht richtig Abfahrt trainieren. «Wir benötigen für eine Abfahrt auf dieser verkürzten Piste gerade mal 28 Sekunden. Davon gehen rund 10 Sekunden für Stockstösse und Schlittschuhschritte drauf. Das bringt uns im Hinblick auf die Rennen auf der Birds of Prey beim besten Willen nichts», sagte er damals zu Blick. Nach dem Abfahrts- und Riesen-Sieg auf der Birds of Prey hat Odermatt sein damals ausgesprochenes Urteil nun ein bisschen revidiert. «Im Nachhinein betrachtet waren die Tage in Copper Mountain gar nicht so schlecht. Ich habe dort einige gute Starttrainings absolviert, konnte in Copper auch mein Gefühl für die Gleitabschnitte fördern. Das alles hat mir für das lange, flache Startteilstück der Abfahrt in Beaver Creek sicher geholfen.»
Der fast perfekte Saisonstart
Marco Odermatt hat in dieser Saison sechs Rennen bestritten, vier davon hat er gewonnen. Damit hat sich der Titelverteidiger im Gesamtweltcup bereits wieder ein ordentliches Polster angeeignet. Mit 445 Zählern liegt der Stöckli-Pilot 218 Punkte vor Vincent Kriechmayr. Norwegens Henrik Kristoffersen, der sich im Herbst selber zum gefährlichsten Kugel-Kontrahenten ausgerufen hat, weist einen Rückstand von 227 Punkten auf. Loïc Meillard, der in den beiden letzten Saisons hinter seinem Teamleader den zweiten Rang im Gesamtweltcup belegte, liegt derzeit mit 78 Punkten auf dem 26. Rang. Immerhin: Am Sonntag hat sich der Walliser als 9. im Riesenslalom erstmals in diesem Winter in den Top Ten klassiert. «Loïc wird schon bald wieder in seiner Bestform sein», glaubt Trainer Matteo Joris.
«Sushi» Piller machts wie Hächler
Sue Piller (20) und Lenz Hächler (22) gelten als grosse Talente. Und beide holten in Übersee ihre ersten Weltcuppunkte. Piller fuhr am Samstag auf Rang 20, am Sonntag wurde sie nach einem Stillsteher 28. Die Freiburgerin beeindruckt durch Kampfgeist und eine starke Technik. Ob sie sich Sushi gönnen wird? Piller wird nicht nur so genannt, sondern liebt die japanischen Leckereien. «Mein Vater ist Koch. Schon als Kind probierte ich alles in der Küche – irgendwann auch Sushi. Meine Favoriten sind Spicy-Lachs und Mango-Avocado-Frischkäse. Die mache ich gern selbst. Herrlich.»
Paris wird von Feuz ferngesteuert
Abfahrtsolympiasieger und SRF-Experte Beat Feuz (38) hat die Rennen in Beaver Creek an der Seite von Stefan Hofmänner aus dem TV-Studio in Zürich kommentiert. Der einzige SRF-Mann, der in der letzten Woche bei den Weltcuprennen in den USA weilte, war der Interviewer Marc Lüscher. Zu einem inoffiziellen Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens entwickelte sich Italiens Abfahrtsheld Dominik Paris (36, dreifacher Streif-Gewinner), welcher seit vielen Jahren mit Feuz befreundet ist. «Nachdem Franjo von Allmen im Super-G gestürzt war, gab es eine längere Pause. Irgendwann fing die Zielraumkamera Dominik Paris ein, der gerade mit seinem Handy beschäftigt war. In diesem Moment fragte ich ihn per Whatsapp, wie die Verhältnisse vor Ort seien», erzählt Feuz. Paris antwortete blitzschnell: «Es wird wieder heller!» Feuz gab sich damit nicht ganz zufrieden: «Ich schrieb dem Domme, dass er sich im Zielraum zur Interviewposition des SRF begeben solle. Es dauerte dann nicht lange, bis uns Marc Lüscher darauf aufmerksam machte, dass Dominik Paris bei ihm für ein Interview bereitstehe.»
Shiffrin trifft nach sechs Jahren wieder auf Vonn
In St. Moritz dürfte es am Sonntag erstmals seit knapp sechs Jahren wieder zum Duell zweier US-Skigigantinnen kommen: Shiffrin gegen Vonn. Beide planen, den Super-G zu fahren (Shiffrin lässt die Abfahrten aus). Wer stärker ist? Shiffrin will sich Schritt für Schritt an die langen Ski gewöhnen, Vonn dagegen ist gemäss ihrer Aussagen voll im Saft. Also alle Vorteile für die 41-Jährige? Nicht zwingend. Denn: Shiffrin liebt die Strecke im Engadin, hier holte sie zwei ihrer fünf Super-G-Weltcupsiege. Und viele vergessen, dass die Slalomkönigin in dieser Disziplin bereits einen ganzen WM-Medaillensatz gewann – 2019 Gold, 2021 Bronze und 2023 Silber.
Eis und Sonne
Nicht immer war St. Moritz in den letzten Jahren vom Glück verfolgt. 2020 gab es zu viel Schnee, zwei Rennen wurden abgesagt. Und 2024 musste der Super-G gestrichen werden. Nun aber zeichnen sich von Freitag bis Sonntag drei Traumtage ab. «Bis Freitag haben wir gewässert, die Piste hat angezogen und ist sehr gut», berichtet OK-Präsident Robin Miozzari. Und auch das Wetter verspricht nur Gutes: Es soll zwar relativ mild werden, das sollte jedoch kein Problem sein. Vielmehr freut man sich über den angekündigten Sonnenschein. «Einem sensationellen Wochenende steht nichts im Weg», so Miozzari.
Lehmann erinnert die Schweizer an den Tag, als sie von den Ösis gerettet wurden
An Beat Feuz hat am Freitag auch Ex-Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann (56) in seiner neuen Funktion als FIS-CEO gedacht. Weil der Beaver-Super-G von starkem Schneefall, mieser Sicht und Wind geprägt war, plädierten nach dem Sturz von Franjo von Allmen einige Schweizer für einen sofortigen Abbruch des Wettkampfs. Letztendlich schaltete FIS-Renndirektor Markus Waldner die Ampel aber erst nach der Nummer 30 auf Rot, womit der Sieg von Österreichs Superstar gewertet wurde. Aber was hat das mit Beat Feuz zu tun? Lehmann gibt die Antwort: «Ich habe die Schweizer daran erinnert, dass die Jury bei der Hahnenkamm-Abfahrt 2021 wegen der immer schlechter werdenden Bedingungen vor der Startnummer 30 abbrechen wollte. Das hätte bedeutet, dass Beat Feuz seinen ersten Triumph auf der Streif verloren hätte. Letztendlich haben uns die Österreicher geholfen, dass das Rennen bis und mit der Startnummer 30 durchgezogen wurde.» Und deshalb hätten es die Österreicher sicher gar nicht lustig gefunden, wenn die Schweizer vier Jahre später den Abbruch erzwungen hätten, welcher Kriechmayr der Sieg gekostet hätte.
Trotzdem sei die Frage erlaubt: Hätte Lehmann bei diesem umstrittenen Super-G in der Position von FIS-Renndirektor Markus Waldner genau gleich gehandelt? «Weil ich im Zielraum stand, konnte ich nicht beurteilen, wie die Bedingungen auf der Rennstrecke wirklich waren. Aber weil ich Markus Waldner als sehr guten, gewissenhaften Rennleiter kennengelernt habe, kann ich mir nicht vorstellen, dass er dieses Rennen bis zur Nummer 31 hätte laufen lassen, wenn es für die Athleten zu gefährlich gewesen wäre.»
Shooting-Star schaut Bruder zu
Nicht nur Gut-Behrami und Suter müssen derzeit aufs Skifahren verzichten. In Tremblant (Ka) haben sieben (!) der Top-30-Fahrerinnen im Riesenslalom wegen Verletzung gefehlt. Darunter auch Gesamtweltcupsiegerin Federica Brignone (35, It). Im Speed-Bereich ist es nicht ganz so arg. Und doch riss sich letzte Woche mit Lauren Macuga (23, USA) eine prominente Fahrerin das Kreuzband. Die US-Frau war im letzten Winter eine der grossen Aufsteigerinnen, sie wurde Vierte in der Abfahrts- und Sechste in der Super-G-Wertung. Immerhin: Macuga konnte am Donnerstag in Beaver Creek wieder strahlen. Der Grund? Ihr jüngerer Bruder Daniel (20) meisterte als Vorfahrer die Birds of Prey. Auch er will eines Tages in den Weltcup.
Aufgepasst auf diesen Österreicher!
In Österreich ist nach dem ziemlich tristen letzten Winter die Ski-Euphorie wieder riesengross. Im Nationencup liegen die Austria-Herren derzeit 279 Punkte vor den Schweizern, was auch auf den wiedererstarkten Vincent Kriechmayr zurückzuführen ist. Und im Schatten des 34-jährigen Routiniers wächst im Speedteam des ÖSV der 25-jährige Stefan Eichberger heran. Der Steirer war beim Super-G in Copper Mountain bis zu seinem Ausfall im letzten Streckendrittel schneller als der spätere Sieger Odermatt. Und obwohl man Eichberger noch im letzten Winter technische Defizite nachgesagt hatte, belegte er auf der sehr anspruchsvollen Birds of Prey in der Abfahrt den siebten Platz und im Super-G den sechsten Rang. Weil Eichbergers grösste Stärke aber nach wie vor im Gleiten liegt, gehen seine Trainer davon aus, dass der 104-Kilo-Brocken bei der nächsten Abfahrt in Gröden auch von den Schweizern nur schwer zu stoppen sein wird.
Scheib macht Österreich froh
Im 49. Weltcuprennen klappte es endlich: Julia Scheib holte in Sölden ihren ersten Sieg. Und nun doppelte sie beim 52. Weltcuprennen in Tremblant gleich nach – sie gewann erneut. «Nach dem Ausfall gestern war es heute ein Megatag», sagte sie im ORF-Interview. Überschwängliche Jubelbilder gab es für die Fotografen aber wie üblich nicht. Sie waren auch nicht nötig. Wie sagte doch Scheib kürzlich: «Nicht der mit dem breitesten Lächeln ist automatisch der Glücklichste.» In Österreich ist man erleichtert – die einstige Riesen-Misere von neun Jahren ohne Sieg ist längst vergessen.
«Gino kann besser Ski fahren als laufen»
Gino Caviezel (33) hat in den letzten Wochen in Colorado (USA) zwar kein Rennen bestritten. Aber der Bündner, der in der Altjahrswoche 2024 wegen eines Super-G-Crashs in Bormio (It) einen Totalschaden im rechten Knie erlitt, hat in Copper Mountain einige vielversprechende Trainingseinheiten absolviert. Zur Überraschung von Vizeweltmeister Thomas Tumler (36). «Bei seiner Ankunft ist Gino gelaufen wie ein angeschossenes Reh. Deshalb habe ich mich ernsthaft gefragt, ob diese lange Reise für ihn wirklich Sinn ergibt? Doch auf der Trainingspiste hat er mir wirklich sehr gut gefallen. Gino kann sehr viel besser Ski fahren als laufen». Dennoch ist derzeit noch unklar, wann der 33-Jährige sein Comeback im Weltcup geben wird.
Unsere Zickzacker geniessen in Frankreich Heimvorteil
Die nächsten Weltcuprennen stehen für die Männer am kommenden Wochenende in Val-d’Isère (Fr) auf dem Programm (Riesen am Samstag, Slalom am Sonntag). Abgesehen von Loïc Meillard (29) und Luca Aerni (32, war wie Loic in Nordamerika im Einsatz) werden unsere Slalomcracks auf der ultrasteilen Face de Bellevarde einen Vorteil haben. Slalom-Chef Matteo Joris hat es mit seinen herausragenden Beziehungen zu den Franzosen geschafft, dass Tanguy Nef (29), Daniel Yule (32) Marc Rochat (32), Ramon Zenhäusern (33) und Matthias Iten (26) in der letzten Woche als einziges Team neben der Gastgebernation auf dem Rennhang trainieren durften.