Darum gehts
Der Widerstand gegen FIS-Präsident Johan Eliasch wird immer grösser. Ein Mitglied des internationalen Ski-Verbands bestätigt Blick, dass im Hinblick auf den nächsten Kongress im kommenden Juni in Belgrad Gegenkandidaten ins Spiel gebracht werden. Als mögliche Eliasch-Herausforderer werden derzeit der Amerikaner Dexter Paine und der Liechtensteiner Alexander Ospelt gehandelt.
Neben Riesen-Triumphator Marco Odermatt und Frankreichs Slalom-Überflieger Paco Rassat haben die Weltcuprennen in Adelboden noch einen dritten Sieger hervorgebracht. Gemeint ist Pistenchef Toni Hari. «Dass dieser Mann mit seiner Crew bei so schwierigen Wetterverhältnissen eine derart geniale, harte Piste zustande gebracht hat, kommt einer Sensation gleich», hält Deutschlands Ski-Papst Felix Neuereuther (41, 13 Weltcupsiege) total euphorisiert fest. Swiss-Ski-Sportchef Walter Reusser ist dankbar, «dass Hari den neuen FIS-Trend, Pisten mit weniger Wasser zu präparieren, komplett ignoriert hat. Ansonsten hätten wir aufgrund der Niederschläge in dieser Woche wahrscheinlich kein Rennen gesehen.» Vor 13 Jahren musste der Pistenzauberer vom Chuenisbärgli negative Schlagzeilen über sich lesen. Grund: Als sich Beat Feuz mit Österreichs Superstar Marcel Hirscher um den Gesamtweltcupsieg duellierte, wurde der Emmentaler von Hari gestoppt. Der Pistenchef war noch auf der Piste, weil er nicht mitbekommen hatte, dass der Kugelblitz bereits gestartet war. Heute kann Hari darüber witzeln: «Ich habe zwar nie einen Gesamtweltcup gewonnen, dafür habe ich einen verhindert…» Hirscher hat am Ende dieses Winters mit 25 Punkten Vorsprung auf Feuz seine erste von acht grossen Kristallkugeln gewonnen.
Vize-Weltmeister Thomas Tumler hat beim Chuenisbärgli-Riesen in der Endabrechnung zwar als Zwölfter sein zweites Saisonergebnis eingefahren. Richtig zufrieden ist der Bündner mit diesem Ergebnis aber nicht. Vor allem deshalb nicht, weil er im ersten Lauf lediglich die 24. Zeit realisierte. «Ich hatte viel zu viel Respekt vor den schlechten Sichtverhältnissen», analysiert der 36-Jährige. «Im vergangenen Jahr hätte ich mit solch schwierigen Bedingungen viel besser umgehen können, weil ich nach meinem ersten Weltcupsieg und dem Gewinn von WM-Silber voller Selbstvertrauen war. Aber weil ich in dieser Saison noch nie besser als Neunter war, mangelt es mir derzeit am letzten Selbstvertrauen.» Österreichs Hans Knauss (54), der 2003 in Adelboden siegte, hat kürzlich in einem Blick-Interview gestanden, dass er sich 1998 in einer vergleichbaren Situation ordentlich betrunken habe. Nach diesem Bierrausch sei er auf die Erfolgsstrasse zurückgekehrt. «Vielleicht müsste ich das auch mal machen», mutmasst Tumler. «Ich bin derzeit zwar nicht so frustriert, dass ich mich nach einem Vollrausch sehne. Aber ich schliesse nicht aus, dass es mir helfen würde.»
Cedric Noger erlebte seine sportliche Sternstunde im selben Rennen, in dem Odermatt seinen ersten Weltcup-Podestplatz eingefahren hat – der St. Galler belegte 2019 beim Riesenslalom in Kranjska Gora unmittelbar hinter dem Nidwaldner den vierten Rang. Seit seinem Rücktritt im vergangenen Frühling ist er Trainer beim Ostschweizer Ski Verband. Am Samstag hat der 33-Jährige ein Mini-Comeback im Weltcup gegeben – Noger hat im Riesenslalom die Kamerafahrt fürs SRF gemacht. «Obwohl mir im Zielhang komplett der Saft ausgegangen ist, hat mir das viel Spass gemacht», sagt der leidenschaftliche Fan vom FC St. Gallen, der seit dem Ende seiner Ski-Karriere regelmässig auf dem Fussballplatz anzutreffen ist. «Ich bin in der 3. Liga zweiter Torhüter beim FC Bischofszell.»
Wer mit Magdalena Egger (24) sprechen will, kann das auf Schweizerdeutsch tun. Die Vorarlbergerin versteht alles. Nach der Abfahrt ist das nicht möglich. Der Grund? Egger wird nach einem Sturz mit dem Helikopter weggebracht – sie erleidet einen Kreuzbandriss. Tragisch: Nach mehreren Jahren startete Egger in diesem Winter so richtig durch, in St. Moritz GR wurde sie in den beiden Abfahrten Zweite und Siebte. Nun wird sie jäh gebremst. Übrigens: Egger holte einst – genau wie Marco Odermatt – sechsmal Gold bei Junioren-Weltmeisterschaften. «Darauf wurde ich immer wieder angesprochen, was nicht immer leicht war. Jeder geht seinen eigenen Weg», sagte sie kürzlich zu Blick. Dieser ist für Egger erneut sehr steinig.
Die Ausweitungspläne von FIS-CEO Urs Lehmann kommen in Zauchensee nicht besonders gut an. «Das Ziel sind für die Frauen und Männer jeweils rund 45 bis 50 Saisonrennen, wenn es keinen Grossanlass gibt», sagte der Aargauer gegenüber Keystone-SDA. «Ich weiss nicht, wo man mehr Rennen fahren will», sagt Österreichs Cheftrainer Roland Assinger. «Unmöglich», meinte sein Pendant in Deutschland, Andy Puelacher. Und der Schweizer Frauen-Cheftrainer Beat Tschuor fragt: «Bleiben wir interessant, wenn es mehr Rennen gibt?»
Wer nicht sicher ist, in welcher Sprache er mit den Ski-Assen reden kann, bekommt nun Hilfe. Die FIS hat auf ihrer Homepage eine Liste veröffentlicht. Dort ist zu sehen, wer was beherrscht. Eine der Spitzenkönnerinnen ist die verletzte Lara Gut-Behrami (34): Die Tessinerin spricht Italienisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Englisch. Englisch? Mélanie Meillard (27) verzichtet darauf, spricht aber neben Französisch auch Deutsch. Von den 19 gelisteten Amerikanerinnen sticht Lindsey Vonn (41) hervor – wie könnte es anders sein? Sie beherrscht als einzige eine Fremdsprache – Deutsch.
Dreimal in Serie gewann die Schweiz die Nationenwertung im Weltcup. Für Riesen-Weltmeister Raphael Haaser (28, Ö) ist trotzdem klar, wer in diesem Winter siegen wird: Österreich. Haaser am Freitag in der «Kronen Zeitung»: «Wenn wir alle zusammen unsere Leistungen bringen, dann stellt sich die Frage sowieso nicht, dann werden wir die Nase vorn haben.» Und was folgte? Aus Österreichs Fünfpunkte-Vorsprung ist nach dem Wochenende ein 135-Punkte-Rückstand geworden. Die schlechteste Heimabfahrt Österreichs seit 16 Jahren bei den Frauen und die Odermatt-Show in Adelboden (Haaser wurde Achter) hinterlassen Spuren. Und wer weiss, vielleicht ist der ÖSV-Nationencup-Sieg doch nicht in Stein gemeisselt.