Darum gehts
- Elian Lehto stürzt auf der Kandahar-Piste in Garmisch schwer
- Lunge kollabiert, Bein verletzt, aber keine Lebensgefahr laut Teamarzt
- Odermatt führt Abfahrtswertung 2026 mit 110 Punkten vor von Allmen
Die Frage nach den schwierigsten Abfahrten im Ski-Zirkus wurde vor dieser Woche von den meisten Rennfahren mit «Bormio im Dezember, Kitzbühel, Wengen und Beaver Creek» beantwortet. Olympiasieger Beat Feuz gehört zu den wenigen Insidern, der in dieser Angelegenheit eine weitere Piste aufgeführt hat: «Die Kandahar in Garmisch wird von vielen unterschätzt. Aber diese Abfahrt stellt jederzeit, eine besondere Herausforderung dar. Die Routiniers sind sich dessen auch bewusst. Aber weil hier seit 2021 keine Weltcup-Abfahrt mehr ausgetragen wurde, können ein paar jungen Athleten von den Schwierigkeiten dieser Piste überrascht werden.»
Einer dieser jungen Abfahrer ist der Finne Elian Lehto, der seit einigen Jahren mit den Schweizern trainiert. Dem 25-Jährigen wird die Kandahar tatsächlich zum Verhängnis. Warum? Bei der Einfahrt in die «Hölle» reisst es dem Speed-Spezialisten aus der Region Helsinki die Ski auseinander, danach donnert er mit über 100 k/mh ins Fangnetz. Nach dem Abtransport mit dem Helikopter ins Krankenhaus wird Lehto auf die Intensivstation gebracht. Bei der Untersuchung wird deutlich, dass seine Lunge kollabiert ist! Zudem wurde eine Verletzung am unteren Gliedmass diagnostiziert. Finnlands Teamarzt Risto Kemppainen machte aber zum Glück klar, «dass die Verletzungen nicht lebensbedrohlich sind.»
Von Allmens Trugschluss
Die Tücken der Kandahar hat auch Olympia-Held Franjo von Allmen zu spüren bekommen. «Vor allem im ersten Training», hält der Überflieger aus dem Berner Oberland fest. «Meine Probleme waren aber vor allem auf ein Missverständnis in der Kommunikation zurückzuführen», präzisiert von Allmen.
«Nach den Funksprüchen der Trainer habe ich die angesprochenen Passagen miteinander verwechselt. Deshalb bin ich dort, wo es ziemlich stark gedreht hat, viel zu direkt hineingestochen.» Gänzlich wohl fühlt sich der dreifache Olympiasieger auch im zweiten Training nicht, letztendlich büsst er auf die Bestzeit von Italiens Mattia Casse von 1.66 Sekunden ein. Marco Odermatt büsst dagegen lediglich drei Zehntel auf Casse ein.
Der Zweikampf um die kleine Kugel
Somit wird noch deutlicher, dass von Allmen zaubern muss, um dem Superstar aus dem Kanton Nidwalden die kleine Abfahrts-Kugel zu entreissen, denn: Vor den drei letzten Rennen liegt Odermatt 110 Punkte vor von Allmen. Somit muss Franjo auch auf einen richtigen «Abschiffer» von Odermatt hoffen, was bei dessen Konstanz eher unwahrscheinlich ist. Odermatt hat in dieser Weltcup-Saison drei von sechs Abfahrten gewonnen, zweimal hat er den zweiten Rang belegt. Nur einmal hat der 28-Jährige das Podest verfehlt – in Crans Montana landete der Stöckli-Pilot auf dem vierten Rang.
Und wie sehr die Kandahar auf Qualitäten von Odermatt zugeschnitten ist, belegt die Beschreibung von Beat Feuz, der 2018 auf dieser Piste triumphiert hat: «Es hat hier sehr technische Kurven, im Mittelabschnitt musst du sehr gut gleiten können. Und bei der Ausfahrt in den Steilhang musst du Kompression sauber erwischen. Alles Dinge, die Marco Odermatt sehr gut beherrscht. Das trifft aber auch auf Franjo zu tun.»
Rennstart wird vorverlegt
Grosse Diskussionen haben in den letzten Tagen auch die viel zu hohen Februar-Temperaturen (bis zu 17 Grad) ausgelöst. Das OK und die FIS hätten den Rennstart gerne wie in den beiden Trainings von 11.45 auf 10 Uhr vorverschoben. Doch dieses Vorhaben ist gescheitert, weil um 10.15 Uhr der Frauen Super-G in Andorra angesetzt ist. Die TV-Stationen können nicht beide Rennen gleichzeitig übertragen.
Und weil es in Soldeu um die Mittagszeit noch wärmer ist als in Garmisch, hätte ein Abtausch keinen Sinn ergeben. Dennoch müssen sie den Fernseher für die Männer-Abfahrt am Samstag um eine halbe Stunde früher als ursprünglich geplant einschalten: Das Rennen wird um 11.15 Uhr gestartet.