Das könnte eine Frage bei «Wer wird Millionär» sein: Wie oft hat ein Schweizer Olympia-Gold im Super-G gewonnen? Einmal, zweimal oder dreimal? Oder noch gar nie?
Tatsächlich ging der Olympiasieg im Super-G bei den Männern noch nie an die Schweiz. Seit diese Disziplin 1988 im kanadischen Calgary erstmals im Olympiaprogramm fungierte, triumphierte fünfmal ein Norweger (dreimal Kjetil Andre Aamodt, je einmal Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud), dreimal ein Österreicher (zweimal Matthias Mayer, einmal Hermann Maier), ein Franzose (Frank Piccard) und ein Deutscher (Markus Wasmeier).
Das wird sich in Bormio (It) jetzt ändern. Da zumindest ist sich die Mehrheit der von Blick befragten Experten einig. Allerdings könnte der italienischen Konkurrenz ein entscheidender Vorteil in die Hände spielen.
Fährt Von Allmen mit einem Grinsen zum dritten Gold?
Einer, der es fast wissen muss, ist Fritz Strobl (53). Der Olympiasieger von 2002 hat gegenüber Blick schon mehrere Volltreffer bei seinen Prognosen gelandet. Strobl sagte schon voraus, dass Franjo von Allmen zum Superstar dieser Spiele und Tanguy Nef zur grossen Sensation avancieren werde. Beide Tipps haben sich in der Zwischenzeit als goldrichtig entpuppt. Von Allmen ist mittlerweile Olympiasieger in der Abfahrt und in der Team-Kombination – dort dank eines sensationellen Slalomlaufs von Teamkollege Nef.
Und nun legt sich das Super-Orakel Strobl ein weiteres Mal fest: «Franjo von Allmen wird im Super-G seinen dritten Olympiasieg einfahren.»
Der Streckenrekord-Inhaber auf der Kitzbüheler Streif (1,51.58) begründet seine Prognose folgendermassen: «Ich habe in meiner Aktivzeit die Erfahrung gemacht, dass man ein Rennen dann am leichtesten gewinnen kann, wenn man ein Lächeln auf den Lippen hat. Und der Franjo läuft derzeit mit einem Dauergrinsen herum.»
«... das spricht für den Techniker Odermatt»
Auch Deutschlands Ski-Papst Felix Neureuther (41) tippt vor dem wichtigsten Super-G der letzten vier Jahre auf einen Schweizer Sieg, der Bayer mit 13 Weltcupsiegen tendiert aber eher zu Marco Odermatt. «Unmittelbar nach der Team-Kombination hat sich auf der Stelvio etwas ereignet, was ich zuvor während Welttitelkämpfen noch nie gesehen habe», erzählt Neureuther.
«Ein Pistenfahrzeug hat die Strecke mit der Raupe komplett aufgerissen, danach wurde ordentlich Wasser in die Piste reingeschüttet, ehe die Strecke wieder zugefräst wurde.» Somit besteht die Möglichkeit, dass die Piste im Super-G zumindest abschnittsweise eisiger ist als in der Abfahrt. «Und das spricht für den genialen Techniker Odermatt.»
Auch ORF-Experte Hans Knauss (55) geht davon aus, dass die Skigenossen am Mittwoch eine starke Rolle spielen werden. Der absolute Top-Favorit des Steirers ist aber ein Italiener. «Wir dürfen nicht vergessen, dass die Azzurri im Vorfeld auf dieser Piste trainiert haben. Deshalb ist für mich Kitzbühel-Sieger Giovanni Franzoni, der in der Olympia-Abfahrt Silber gewonnen hat, besonders heiss.»
Haben Italiener einen entscheidenden Vorteil?
Ein zusätzlicher Vorteil für Italiens Überflieger könnte sein, dass sein Trainer Lorenzo Galli als Kurssetzer ausgelost wurde. Der Schweizer Speed-Chef Reto Nydegger hat den Parcours am Dienstagnachmittag begutachtet. Sein Fazit: «Galli hat einen Kurs, ohne jeglichen Schnickschnack und ohne offensichtliche Fallen gesetzt. Ab der Carcentina-Traverse bis zum San-Pietro-Sprung ist dieser Super-G der Abfahrt sehr ähnlich.»
Italiens Team-Senior Christof Innerhofer wartet darum mit einem geschichtsträchtigen Vergleich auf: «Die Kurssetzung erinnert mich stark an den Super-G, welcher Dominik Paris im Jahr 2018 auf der Stelvio gewonnen hat.» Marco Odermatt hat damals mit 20 Jahren erstmals bei einem Weltcup-Super-G für richtig Furore gesorgt, als er mit der Startnummer 34 auf den achten Rang gedonnert ist. 2022 und 2023 hat der Nidwaldner den Weltcup-Super-G auf der Stelvio gewonnen. Franjo von Allmen hat 2024 seinen bislang einzigen Super-G in Bormio bestritten. Der Berner Oberländer belegte damals knapp zwei Zehntel hinter dem zweitplatzierten Odermatt den sechsten Schlussrang.
