Drei Könige blicken zurück
Stucki, Wenger und Sempach – so veränderte der Titel ihr Leben

Die Schweiz hats nicht so mit Monarchien. Ausser wenns ums Schwingen geht! Ende Monat wird in Mollis GL ein neuer König erkoren – ein Titel, der das Leben verändert, wie Stucki Christian, Wenger Kilian und Sempach Matthias erzählen.
Publiziert: 17:52 Uhr
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Aktualisiert: 18:00 Uhr
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Kilian Wenger arbeitet in einem 60-Prozent-Pensum als Verkäufer bei Volvo Cars in Steffisburg BE. Gelernt hat er Metzger, Zimmermann und technischer Kaufmann.
Max Fischer
Schweizer Illustrierte

«Mir gänd Bluet, Schweiss und Träne für die Wält, dur Niederlag und Sieg, bis as bittre Änd», besingt Bligg die Welt der «Bösen» in seiner Schwinger-Hymne «Legändä und Heldä». Es ist dieser Mix aus Kampf und Kraft, Tradition und Brauchtum, der die Massen fasziniert. Am letzten August-Wochenende bekommt die Schweiz einen neuen König. «Sie gönd dur Sturm und Gwitter für oisi Tradition. Dänn ihri Heldä vo hüt sind t Legände vo morn. Sie werdet t Flagge hisse, kämpfed für ihren Thron», so Bligg.

Drei Schwingerkönige kennen das Leben auf diesem Thron. «Man ist plötzlich im ganzen Land bekannt wie ein bunter Hund», sagt Christian Stucki (40), der König von 2019 in Zug. Da ein Selfie, dort eine Unterschrift, hier ein Interview. Es sei ein Geben und Nehmen. «Man kommt mit Menschen zusammen, die man als Normalsterblicher nie treffen würde.» Zufrieden und stolz betont er, dass er auch zwei Jahre nach seinem Rücktritt vom Schwingsport leben könne.

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«Würde bringt Bürde», sagt Matthias Sempach (39), der König von 2013 in Burgdorf. Dort hat er ebendiesen Stucki im Schlussgang auf den Rücken gelegt. «Der Titel öffnet Türen und Tore, aber die vielen Verpflichtungen sind auch Arbeit.» Und wenn Bligg singt «S gaht berguf, s gaht bergab», weiss Kilian Wenger (35), wie sich diese Achterbahnfahrt anfühlt: Er war 20 Jahre jung, als er den Thron 2010 in Frauenfeld besteigen konnte. Alle wollen etwas von ihm. Medien, Sponsoren, Publikum, der Favoritendruck wird gross und grösser.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Blick+ Nutzer haben exklusiv Zugriff im Rahmen ihres Abonnements. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

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Als Resultate ausbleiben, zerreissen ihn die Medien. Die Duelle im Sägemehlring haben Wenger stark gemacht – auch für den Job. Er lernte Metzger, dann Zimmermann. Machte eine Ausbildung zum technischen Kaufmann – und verkauft heute Autos. Der Kampf Mann gegen Mann begeistert – immer mehr auch die städtische Bevölkerung. Stucki führt die Erfolgswelle auch auf die mediale Präsenz zurück: «2010 in Frauenfeld bedeutete den Durchbruch, von da an ging die Post ab.» Früher seien die Schwinger als kräftige, bärtige Brocken bekannt gewesen – mit Wenger sei ein 20-jähriger, blendend aussehender Frauenschwarm König geworden. «Seither sieht man auf Schwingplätzen nicht mehr nur Männer mit Filzhut und Krumme. Der Frauenanteil ist stark gewachsen.»

Brauchtum, Swissness und Fairness

Was macht diese Faszination aus? «Schwingen ist ehrlich und authentisch – das entspricht eins zu eins der Schweiz», sagt Wenger. «Viele in unserem Land bekennen sich zu diesen Werten.» Für Sempach kommt hinzu: «In den letzten Jahren haben Swissness, Bodenständigkeit und Brauchtum in der Schweiz stark an Bedeutung gewonnen. Schwingen verkörpert all diese Eigenschaften.»

Für die drei Könige ist ein weiterer Faktor entscheidend: die Fairness! «Bei einem Gestellten gibt man sich die Hand, nach einer Niederlage putzt man dem Gegner das Sägemehl vom Rücken», so Stucki. «Im Sägemehlring will jeder gewinnen, doch nachher in der Garderobe lacht und flachst man. ‹Pass nur auf, das nächste Mal pack ich dich.› Man ist Freund und Gegner.» Sempach beteuert: «Ich vermisse nicht so sehr das eigentliche Schwingen, sondern die Kameradschaft untereinander. Schon als Jungschwinger lernt man die Verhaltensregeln, gibt auch im Training zum Gruss die Hand. Respekt wird grossgeschrieben.»

Ohne grossen Partner unmöglich

Das wirkt sich aufs Publikum aus: «Es ist auch bei den Zuschauenden ein Miteinander», sagt Stucki. Wenn einer «bisle» müsse, dann stehe die ganze Reihe, ohne zu murren, auf. «Ich kann als Besucher meinen Rucksack zwei Stunden lang am Platz lassen und ins Festzelt gehen. Wenn ich zurückkomme, ist er noch da. Alle passen auf.» Und wenn ein Zuschauer Anstalten macht, sich danebenzubenehmen, «stellt ihn jemand aus der grossen Schwingerfamilie zur Rede und erklärt ihm den Tarif». Dankbar sind die drei Cracks dem dreifachen Schwingerkönig Jörg Abderhalden, der als Vorreiter in Sachen Professionalisierung gilt. «Vor 30, 40 Jahren hatten Eidgenössische Schwing- und Älplerfest ein Budget von drei, vier Millionen Franken – heute zehnmal so viel», so Stucki. 

Ohne grosse Partner sei das nicht mehr zu stemmen.«Dass der Schwinger als Hauptprotagonist auch etwas erhalte, sei klar. «Das erlaubt ihm, sich professioneller vorzubereiten», hält Wenger fest. Früher hätten alle 100 Prozent gearbeitet. Wenn einer heute 80 Prozent arbeite, könne er an zwei Nachmittagen ein Krafttraining machen oder eine Massage einschieben.

Sempach findet es gut, auch als Spitzenschwinger nebenbei einem Job nachzugehen: «Das hält den Kopf frei. Und es erleichtert am Karriereende den Übergang in die Berufswelt.» Die drei freuen sich riesig auf das Fest im Glarnerland. Wenger reist mit dem Camper an. Stucki sagt: «Es tschudered einen, wenn man vor Zehntausenden in die Arena läuft!» Und Sempach meint: «Wäre ich nicht als SRF-Experte im Einsatz, würde ich das Rambazamba an den Abenden auch geniessen!» Er erinnert sich: «Muni war das erste Wort, das ich sagen konnte. Als Bub war es mein grosses Ziel, einmal einen zu gewinnen. Dieser Lebendpreis ist etwas ganz Besonderes!» Und Bligg singt träf: «Sie gönd dur Sturm und Gwitter für oisi Tradition. Dänn ihri Helde vo hüt sind t Legändä vo morn.»

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