Triumph beim Berner Kantonalen: Hier bodigt Walther König Wenger(02:36)

Trotz erstem Kranzfestsieg hadert Walther
«Dieser Sieg hat einen faden Beigeschmack»

Adrian Walther gewinnt das Berner Kantonale in überzeugender Manier – der Jungspund steht dabei schon vor dem Schlussgang als Festsieger fest.
Publiziert: 17.07.2022 um 09:20 Uhr
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Aktualisiert: 17.07.2022 um 21:01 Uhr
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Adrian Walther kanns nicht glauben!
Nicola Abt

Der Schrei, das schmerzverzerrte Gesicht, der sofortige Griff an die Schulter. Die Zeichen sind eindeutig: Das muss etwas Ernstes sein. Über 11'000 Zuschauer in der Stockhorn Arena am Berner Kantonalen halten vor dem Mittag für einen kurzen Moment den Atem an, als Zwei-Meter-Gigant Michael Ledermann (21) im dritten Gang ungewohnt gebrechlich im Sägemehl kauert.

Die knapp 100 Kilogramm von Gegner Thomas Kropf landeten auf seiner rechten Schulter. Wenige Meter dahinter steht sein Schwarzenburger Freund Adrian Walther (20). «Im ersten Moment war es ein Schock», wird er nach dem Fest zu Blick sagen. Schnell ist klar, dass es für den Sieger des Mittelländischen nicht mehr weitergeht. Am Montag soll ein MRI Klarheit schaffen. Es droht das Aus für das Eidgenössische Schwingfest Ende August in Pratteln.

Im vierten Gang ist es soweit

Während Ledermann seine Schmerzen in der Schulter mit Tape und Schmerzmittel in den Griff zu kriegen versucht, steigt Walther wieder in die Zwilchhosen. Der in Habstetten bei Bolligen BE aufgewachsene Riese befindet sich auf einer Mission. «Ich versuchte, mich wieder zu fokussieren.» Das Vorhaben gelingt. Kurz darauf spediert der 18-fache Kranzgewinner Michael Leuenberger platt ins Sägemehl. Die dritte Maximalnote im dritten Kampf. Ein (fast) perfekter Vormittag. Was noch fehlt? Der Sieg gegen einen Eidgenossen.

Im vierten Gang ist es dann soweit. Der Sohn eines Zimmerei-Inhabers greift mit Eidgenosse Thomas Sempach (37) zusammen. Der Jungspund kontert den Altmeister stinkfrech aus. Nächste Maximalnote. Nächstes Ausrufezeichen. Dann wartet die Meisterprüfung: König Kilian Wenger. Vor einer Woche war Walther im Anschwingen am Oberländischen noch chancenlos. Jetzt zeigt er dem Diemtigtaler den Meister. Die Arena tobt, der Hochbauzeichner schlägt die Hände vor dem Gesicht zusammen. Es ist vollbracht und das bereits nach fünf Kämpfen – der erste Kranzfestsieg seiner Karriere.

Kein frenetischer Jubel

Weil Walther mit 1,75 Punkten Vorsprung an der Ranglistenspitze thront, ändert letztlich auch der verlorene Schlussgang gegen Kilchberg-Sieger Fabian Staudenmann nichts mehr an seinem historischen Triumph. Frenetisch jubeln mag er jedoch nicht. Zu fest wurmt ihn der verlorenen Schlussgang und das Verletzungs-Aus von Freund und Trainingspartner Ledermann: «Dieser Sieg hat einen faden Beigeschmack.»

Der Erfolg katapultiert Walther automatisch in den erweiterten Königs-Kreis. Sein Vater Markus erschwang sich 1995 mit seinem berüchtigten «Links-Churz» den Eidgenössischen Kranz. Dass sich auch Adrian Ende August in Pratteln das begehrte Eichenlaub sichert, daran zweifeln nur noch die wenigsten.

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