Darum gehts
- Lucas Braathen gewinnt Riesenslalom-Olympiagold in Bormio, vor Odermatt und Meillard
- Odermatt holt dreimal Edelmetall in vier Rennen, beeindruckt mit Konstanz
- Feuz schiesst gegen Odermatt-Kritiker
Wenn ein Ski-Reporter vor drei Jahren behauptet hätte, dass ein Brasilianer Olympiagold in der alpinen Elementardisziplin gewinnt, wäre er von seinen Lesern als gestört abgestempelt worden. Doch in Bormio ist nun genau das eingetroffen.
Der in Oslo aufgewachsene Lucas Pinheiro Braathen, der seine ersten Weltcupsiege unter der Flagge Norwegens eingefahren hat, wird ziemlich genau zwei Jahre nach seinem Nationenwechsel ins Heimatland seiner Mutter Olympiasieger im Riesenslalom. Vor den Schweizern Marco Odermatt und Loïc Meillard.
Für Meillard kommt Bronze seiner zweiten Olympiamedaille nach Silber in der Teamkombination gleich, Odermatt sichert sich bei diesen Spielen in Italien das dritte Edelmetall im vierten Rennen. Zweimal Silber und Bronze im Super-G. Gold hat der weltbeste Skirennfahrer der Gegenwart verpasst.
Aber während ihm unmittelbar nach dem Super-G trotz des Medaillengewinns nicht wirklich zum Lachen zu Mute war, strahlt der 28-Jährige nach dem hart erkämpften Riesen-Silber übers ganze Gesicht: «Meine ersten beiden Medaillen hatten einen Haken. Team ist eben Team und im Super-G habe ich genau gewusst, wo ich mit unnötigen kleinen Fehlern Gold verloren haben. Aber in diesem Riesenslalom bin ich wirklich in zwei Läufen sehr gut Skigefahren.»
Das waren Braathens grossen Vorteile
Dass zum Sieg dennoch knapp sechs Zehntel gefehlt haben, ist auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass Braathen im ersten Durchgang mit der Startnummer 1 die besseren Bedingungen vorgefunden hat, als Odermatt mit der 5, weil die Piste am Vormittag schnell lädiert war. «Beim Hangbefahren war die Piste nach einer kalten Nacht in einem genialen Zustand und auch bei der Besichtigung hatte ich den Eindruck, dass die Strecke gut halten wird. Dem war dann leider nicht ganz so. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Lucas verdient gewonnen hat. Er hat die Nummer 1 perfekt ausgenutzt.»
Und deshalb lag Odermatt bei Halbzeit fast eine Sekunde hinter dem Neo-Brasilianer, im finalen Durchgang war der Nidwaldner vier Zehntel schneller als Braathen. Es gibt aber noch etwas, was den Glanz dieser Silbermedaille erhöht. «Ich habe seit Adelboden im Riesenslalom drei Trainingsläufe auf der Reiteralm und drei halbbatzige Riesen-Probefahrten am Freitag hier in Bormio absolviert. Mehr lag aufgrund des dicht gedrängten Wettkampf-Programms nicht drin. Auch deshalb bin ich mit dem Endergebnis sehr zufrieden.»
«Das ist absolut grandios!»
Beat Feuz weiss, wie viele Tage die Spezialisten bis zu ihrem Olympia-Einsatz Riesenslalom trainiert haben. «Der Slowene Zan Kranjec hat zwischen Adelboden und Bormio 18 Riesen-Trainingstage absolviert, Braathen hat dazwischen natürlich auch noch Slalom trainiert, aber auch er hat sehr viel mehr Riesenslalom-Kilometern in den Beinen.»
Feuz reagiert deshalb gereizt, wenn er Leute hört, die Odermatt als Verlierer dieser Olympischen Spiele bezeichnen wollen. «Leute, die so etwas behaupten, verdienen es eigentlich nicht, dass man ihnen Beachtung schenkt. Sie haben keine Ahnung. Auch ohne Gold ist es absolut grandios, was Marco in Bormio geleistet hat. Er ist in vier Disziplinen dreimal in die Top-3 gefahren. In der Abfahrt hat er als Vierter eine Medaille ganz knapp verpasst. Seine Konstanz ist einzigartig.»
Feuz erinnert an alpine Superstars, die bei Olympischen Spielen weit weg von einer solchen Gesamtbilanz waren: «Mikaela Shiffrin hat 2022 in Peking vier Goldmedaillen angestrebt, letztendlich ist sie ohne eine einzige Medaille aus China abgereist. Im Gegensatz dazu hat Odermatt in Bormio nach der Enttäuschung in der Abfahrt eine sehr starke Reaktion gezeigt.» Und deshalb erhält Odermatt von Blick die inoffizielle Goldmedaille für die konstanteste Leistung bei den Olympischen Spielen 2026.
Tumler ist zwiegespalten
Edelmetall ziemlich knapp verpasst hat Vize-Weltmeister Thomas Tumler. Dem Bündner fehlen in der Endabrechnung als Vierter 32 Hundertstel auf Bronze. «Auf der einen Seite tut dieser vierte Rang sehr weh. Andererseits bin ich stolz, dass ich beim Saisonhöhepunkt meine beste Leistung in diesem Winter zeigen konnte.»
Im Weltcup war der 36-jährige Team-Senior nie besser klassiert als Neunter in Copper Mountain. «Mein Parade-Ski ist in Sölden durch einen Stein zerstört worden. Danach hatte ich Schwierigkeiten, die passende Alternative zu finden. Doch die gute Olympiaplatzierung ist ein Beleg dafür, dass ich nun den richtigen Ski gefunden habe.»
Die finale Pointe
Ziemlich grossen Ärger hatte zuletzt auch Loïc Meillard. Die Silbermedaille, die der 29-jährige Walliser in der Teamkombination mit Marco Odermatt herausgefahren hat, «konnte ich nicht richtig geniessen, weil es mir im Slalom nicht nach Wunsch gelaufen ist».
Doch nach dem Riesenslalom ist der Slalom-Olympiasieger richtig happy: «Im ersten Lauf habe ich eineinhalb Sekunden auf Braathen verloren, weil ich bei der Besichtigung die Schneeverhältnisse falsch eingeschätzt habe, ich habe danach zu wenig attackiert. Darum bin ich glücklich, dass es letztendlich doch fürs Podest gereicht hat.»
Lustig ist das, was sich kurz vor der Siegerehrung abspielt. Marco Odermatt liefert die Pointe: «Ich habe vor dem Gang zum Podest zu Braathen gesagt, dass er sich noch etwas Make-up ins Gesicht schmieren sollte. Selbstverständlich habe ich das als Witz gemeint. Er hat meine Aussage aber ernst genommen, auf jeden Fall hat Lucas tatsächlich zur Makeup-Dose gegriffen …
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