Die Medaillen
GOLD Federica Brignone (It) 1:23,41
SILBER Romane Miradoli (Fr) +0,41
BRONZE Cornelia Hütter (Ö) +0,52
Das Rennen
Um 11.42 Uhr gibts im Zielraum grossen Jubel. Der Grund: Federica Brignone pulverisiert die Bestzeit. Schreibt die Italienerin zehn Monate, nachdem sie sich das linke Bein zerfetzt hat, ihr persönliches Olympia-Märchen? Sie nimmt auf dem Leaderthron Platz und kann nur noch zuschauen, was die Konkurrenz macht. Eine Fahrerin nach der anderen beisst sich an Brignones Zeit die Zähne aus – oder schafft es gar nicht erst ins Ziel (siehe unten «Das gab zu reden»). Ihr am nächsten kommt Romane Miradoli – wirklich zittern muss Brignone aber auch während ihrer Fahrt nicht.
Und so schreibt Brignone tatsächlich ihr persönliches Olympia-Märchen – inklusive Happy End. Dabei musste sie wegen Schmerzen zuletzt noch das Training unter Tränen abbrechen. Und nach ihrer Verletzung im letzten April sprachen die Ärzte davon, dass sie erst in zwei Jahren wieder Skifahren würde. Zehn Monate später überstrahlt sie alle. Und gewinnt nach zweimal Bronze (2018 im Riesenslalom und 2022 in der Kombination) und einmal Silber (2022 im Riesenslalom) ihre erste Olympia-Goldmedaille. Eine Leistung, die auch Lindsey Vonn beeindruckt. Aus dem Spitalbett meldet sich die Amerikanerin auf Social Media. Und schreibt: «Glückwunsch, Fede! Was für ein unglaubliches Comeback!»
Über ihre erste Medaille bei einem Grossanlass darf sich Miradoli freuen. Die Französin hat es im Weltcup erst einmal aufs Podest geschafft – sie gewann 2022 einen Super-G. Nun gelingt ihr der grosse Coup. Komplettiert wird das Podest von Cornelia Hütter. «Die vierten und letzten Olympischen Spiele haben für mich mit der Abfahrt begonnen – und was soll ich sagen: Es war hart», schrieb sie nach der Abfahrt auf Instagram. «Zum vierten Mal bei einem Grossanlass Vierte zu werden, fühlt sich wie eine Achterbahnfahrt an.» Auch dieses Mal muss sie zittern. Am Ende reichts, um ihre Olympia-Karriere versöhnlich zu beenden. Derweil ist ihre Teamkollegin Ariane Rädler im Pech, sie wird eine Hundertstelsekunde hinter ihr Vierte.
Die Schweizerinnen
10. Malorie Blanc +1,24
11. Corinne Suter +1,39
16. Delia Durrer +2,54
DNF Janine Schmitt
Malorie Blanc eröffnet das Rennen. Über eine Welle wird sie ausgehebelt, verliert Richtung und ist dann weit weg vom nächsten Tor. Auch danach hat sie mit einigen Problemen zu kämpfen. Das zeugt zumindest davon, dass sie das Risiko sucht. Auszahlen tut sich das nicht. Schon der ersten Prüfung hält ihre Zeit nicht stand.
Corinne Suter legt einen Blitzstart hin, ist oben sehr schnell unterwegs. Aber dann nimmt sie etwas raus, reduziert das Risiko und büsst viel Zeit ein.
In Zauchensee hat Janine Schmitt mit Platz 5 ihr grosses Potenzial angedeutet. Davon ist sie dieses Mal weit entfernt. Schon oben hat sie einen grossen Rückstand. Und dann das. Sie scheidet aus.
Weil sich Jasmine Flury in der Abfahrt der Team-Kombi am linken Knie verletzt hat (Teilriss des Innenbandes und Knochenprellung am Schienbeinkopf), kommt Delia Durrer unverhofft zu einem Einsatz. Auch sie verpasst es, für den Schweizer Exploit zu sorgen. Und büsst auf die Bestzeit über zweieinhalb Sekunden ein.
Die Stimmen gegenüber SRF
Corinne Suter: «Es war kein einfacher Super-G. Der Lauf wäre okay aber es hat viel Gelände drin. Wenn über die Wellen die Richtung nicht stimmt – da war ich teilweise zu gerade und mir fehlt der Mut, da gerade weiter zu ziehen. Bei mir wars in jedem Rennen anders, momentan ist es schwierig.»
Malorie Blanc: «Mit der Nummer 1 war es nochmals eine andere Challenge. Ich habe es positiv genommen und habe probiert, Gas zu geben. Ohne den Fehler wäre es ganz okay gewesen. Diese Saison haben es einige gezeigt, dass es möglich ist, damit schnell zu sein. Eigentlich gibt es so wenige Chancen, dass ich zweimal die Nummer 1 habe. Es ist lustig und auch eine Ehre, diese beiden Rennen zu eröffnen.»
Janine Schmitt: «Der Lauf war nicht ganz einfach, hat ein paar blinde Tore drin. Wenn man riskiert, kann es passieren, dass man ausscheidet. Oben stand ich etwas neben der Linie, hatte das Gefühl, etwas mehr riskieren zu müssen. Dann bin ich etwas zu gerade über die eine Kuppe gekommen und das ist nicht mehr aufgegangen.»
Das gab zu reden
Die Bedingungen sind nicht einfach, hinzu kommt ein Kurs, der die Athletinnen vor eine grosse Herausforderung stellt. Viele bekunden Probleme damit – auch die Top-Athletinnen. So scheiden Sofia Goggia und Emma Aicher aus, beide haben in diesem Winter schon einen Super-G gewonnen. Auch Ester Ledecka, die Olympiasiegerin von 2018, schafft es nicht ins Ziel, ebenso Abfahrts-Siegerin Breezy Johnson. Von den ersten 20 Fahrerinnen erwischts sieben, am Ende sind von den 43 Starterinnen nur 26 in der Ranglsite – eine wahre Ausfall-Orgie.
Das gab zu reden II
Ist es Glück oder Pech? Malorie Blanc bestreitet in Cortina zwei Olympia-Rennen. Und beide Male trägt sie die Startnummer 1. Vor allem im Super-G ist das nicht unbedingt beliebt. Denn in dieser Disziplin gibts keine Trainings, die Athletinnen müssen nach einer Besichtigung direkt auf den Kurs. Ohne Informationen der Teamkolleginnen hat Blanc keine Chance, um die Medaillen mitzureden.
Die Bedingungen
Während der Besichtigung hat es Nebel über der Strecke. Bis zum Rennstart verzieht sich dieser. Das Wetter bleibt aber schlecht. Denn der Himmel über Cortina bleibt wolkenverhangen, am Start ist es weiter leicht neblig und schneit leicht. Zudem sind die Temperaturen nicht allzu tief, das heisst, die Piste ist nicht hart und schon früh gezeichnet.
So gehts weiter
Noch zwei Medaillensätze werden bei den Ski-Frauen vergeben. Der nächste am Sonntag im Riesenslalom (1. Lauf 10 Uhr).




