Die Medaillen
GOLD Federica Brignone (It) 2:13,50
SILBER Sara Hector (Sd) +0,62
SILBER Thea Louise Stjernesund (No) +0,62
Das Rennen
Camille Rast ist unsere grosse Medaillenhoffnung nach dem kurzfristigen Startverzicht von Wendy Holdener (siehe «Das gab zu reden»). Doch schon nach dem 1. Lauf sind diese Hoffnungen nur noch klein. 1,14 Sekunden liegt sie hinter der Spitze, rund sieben Zehntel beträgt der Rückstand aufs Podest. Die Devise für den 2. Lauf ist deswegen klar: Angriff total. Rast gibt alles, kommt aber nicht ohne Fehler durch. Und verpasst den Angriff nach vorne. Sie landet als Zwölfte deutlich neben dem Podest. Immerhin teilt sie dieses Schicksal mit zwei anderen Athletinnen, die in diesem Winter im Riesenslalom gewonnen haben. Auch Vierfach-Siegerin Julia Scheib (5. Platz) und Zweifach-Siegerin Alice Robinson (8. Platz) verpassen die Medaillen.
Einzig Titelverteidigerin Sara Hector, die wie Rast einmal gewonnen hat, schafft auch im wichtigsten Rennen der Saison den Sprung aufs Podest. Zeitgleich mit Thea Louise Stjernesund gewinnt sie Silber. Denn gegen eine Frau ist kein Kraut gewachsen: Federica Brignone. Zehn Monate nachdem sie sich das linke Bein bei einem Sturz im Riesenslalom zerfetzt hat, fährt die Italienerin allen davon. Schon zur Halbzeit führt sie, das lässt sich Brignone nicht mehr nehmen. Nach Gold im Super-G krönt sie sich nun zur Doppel-Olympiasiegerin. Und setzt ihre beeindruckende Serie fort. Zum dritten Mal in Serie fährt sie bei Olympia aufs Riesenslalom-Podest – 2018 war sie Dritte, vor vier Jahren Zweite, und nun gibts den grossen Triumph.
Die beiden Schweizer Olympia-Debütantinnen kommen nicht recht auf Touren. Sowohl Sue Piller als auch Vanessa Kasper handeln sich einen grossen Rückstand ein, weil sie während ihren Fahrten mit Problemen zu kämpfen haben. Sie beenden das Rennen auf den Rängen 23 (Kasper, +2,32) und 24 (Piller, +2,35).
Mit dem Resultat bleiben die Schweizer Ski-Frauen auch im vierten Olympia-Rennen ohne Medaille. Eine Chance bleibt – im Slalom am kommenden Mittwoch. Und da haben wir mit Camille Rast und Wendy Holdener zwei Trümpfe, die stechen können.
Die Stimmen gegenüber SRF
Camille Rast: «Brignone macht schon unglaubliche Sachen. Für mich sind auch ein bisschen Emotionen drin. Ich habe sie besucht und ihr Bein gesehen – sie ist so gut gefahren, und das nach einem Horror-Sommer. Einfach unglaublich, was sie macht. Ich wollte im zweiten Lauf schnell Ski fahren. Aber leider war der Teil, wo es nicht so steil ist, wieder nicht optimal. Ich habe schon im ersten Lauf viel Zeit verloren. Ich bin schon froh, wenn Olympia bald vorbei ist. Es ist viel Aufwand für ‹nur› zwei Rennen. Ich freue mich auf unseren normalen Rhythmus im Weltcup. Natürlich freue ich mich auf den Slalom. Aber wir haben die Piste gesehen, die ist schon sehr kurz. In der Team-Kombi dauerte der Lauf 44 Sekunden – das war fast ein Juniorenrennen. Wegen dem finde ich es schon schade.»
Sue Piller: «Im ersten Lauf war ich zu wenig mutig. Am Nachmittag war ich schon ein bisschen mutiger. Dadurch sind mir auch zwei, drei kleine Fehler passiert. Mit den Bedingungen verträgt es das nicht. Das hat viel kostet. Noch hab ichs aber nicht ganz analysiert. Mit Schmerzmitteln ist es wegen den Rücken- und Knieproblemen gegangen.»
Vanessa Kasper: «Im zweiten Lauf habe ich schon alles probiert und gut angegriffen. Aber dann mache ich am dümmsten Ort einen Fehler und verliere das Tempo. Dann war es vorbei. Ich hatte das Gefühl, ich stehe still. Dann hab ich einfach noch probiert, weiterzukämpfen. Aber das reicht nicht für ein gutes Resultat.»
Das gab zu reden
Auf der Startliste stehen vier Schweizerinnen, ins Rennen gehen aber nur drei. Wendy Holdener hat sich nach Absprache mit ihren Betreuern kurzfristig dazu entschieden, auf den Riesenslalom zu verzichten. Stattdessen gilt ihr voller Fokus dem Slalom vom Mittwoch. Sie nutzt den rennfreien Sonntag für ein zusätzliches Training im Stangenwald.
Das gab zu reden II
Dass zwei Athletinnen die gleiche Zeit fahren, kommt eher selten vor. Noch seltener ist es, dass gleich ein Trio gleich schnell im Ziel unten ankommt. Dieses Kuriosum gibts tatsächlich im 1. Lauf. Die Startnummern 1 und 2, Thea Louise Stjernesund und Sara Hector, setzen sich gemeinsam auf den Leaderthron. Noch enger wirds dort, als sich mit der Nummer 10 auch noch Lara Colturi zu den beiden gesellt. Bis zum Ende des Durchgangs können sie diese Position nicht behaupten. Mit der Nummer 16 pulverisiert Federica Brignone ihre Zeit – und beansprucht den roten Sessel für sich. Kaum zu glauben: Im 2. Lauf machens Hector und Stjernesund gleich noch einmal, wieder sind sie genau gleich schnell. Und landen am Ende auf dem Podest. Es ist nach 1964 und 1992 das dritte Mal, dass zwei Athletinnen im Olympia-Riesenslalom zeitgleich Zweite werden.
Das gab zu reden III
Mikaela Shiffrin wird ihr Olympia-Trauma nicht los. Nachdem sie schon in der Team-Kombi im Slalom die Halbzeit-Führung von Breezy Johnson nicht ins Ziel gebracht hat und das Duo am Ende Vierte wurde, bleibt sie auch im Riesenslalom ohne Medaille. Als Halbzeit-Siebte bleibt ihr Angriff nach vorne aus. Damit fährt die Amerikanerin im achten Olympia-Rennen in Serie neben das Treppchen.
Die Bedingungen
Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein – über der Tofana herrscht Kaiserwetter. 24 Stunden zuvor sieht das noch anders aus, am Samstag schneit und regnet es. Über Nacht sinken die Temperaturen auf –4 Grad, das sorgt für eine kompakte Piste. Dafür weht ein unkonstanter Wind – der bei einigen Fahrerinnen von vorne kommt und sie so etwas bremst. Am Nachmittag wirds zwar wärmer, die Temperatur liegt aber immer noch unter 0 Grad. Und die Piste hält.
So gehts weiter
Noch ein Medaillensatz wird bei den Frauen vergeben. Der abschliessende Slalom steigt am Mittwoch (1. Lauf um 10 Uhr). Im Weltcup stehen noch zwei Riesenslaloms aus. Der nächste steigt erst in einem Monat, am 14. März in Are (Sd).




