Darum gehts
- Roman Cervenka (40) spielt sein fünftes Olympia-Turnier und ist Captain
- 2018 kämpfte er nach schwerer Lungen-Embolie um seine Karriere
- 2024 feierte er WM-Titel in Prag, holte zuvor WM-Bronze 2022
Die Frage bringt ihn zum Lachen. «Ob er einfach immer Tschechiens Captain bleiben wird, solange er weiterspielt?» Roman Cervenka ist 40 und damit der älteste Hockeyspieler dieses Olympia-Turniers, das für ihn das fünfte in Folge ist. Das ist beeindruckend. Denn Cervenka ist nicht einfach nur ein Mitläufer, der aus Hierarchie- oder Verdienstgründen im Olympia-Team dabei ist. Mit seiner Genialität und seinem Hockey-IQ hat der Stürmer nach wie vor entscheidenden Einfluss aufs Spiel.
Dabei steht 2019 seine Karriere auf der Kippe, denkt man. Rückblende. Nach zwei Saisons bei Gottéron zum ZSC gewechselt, bekommt Cervenka gesundheitliche Probleme. Im Herbst 2018 wird bei genaueren Untersuchungen eine schwere Lungen-Embolie beim Leistungsträger diagnostiziert – die zweite nach 2012. Eine dreimonatige Zwangspause folgt, auch weil ihm vom Hockeyspielen aufgrund des notwendigen Blutverdünners abgeraten wird. Er kehrt nochmals zurück, aber es läuft ihm nur mittelprächtig. Wohl auch aufgrund gesundheitlicher Bedenken planen die Lions ihre Zukunft ohne ihn. Man sieht Cervenkas Stern schon untergehen.
«Ich habe immer an mich geglaubt»
Weil sich seine Familie in der Schweiz und vor allem sein Sohn Denis (12) in der hiesigen Schule wohlfühlt, möchte Cervenka aber in der National League bleiben. Ein Glücksfall für die Lakers. Der damalige SCRJ-Sportchef Janick Steinmann schenkt dem zweifachen Weltmeister das Vertrauen. Dieser Wechsel ist entscheidend für den Spielmacher und Goalgetter.
Denn Steinmann bringt ihn damals mit einem in der Hockey-Szene bekannten Osteopathen zusammen, der Cervenka neue Wege aufzeigt. Der Routinier passt seine Trainingseinheiten entsprechend an, achtet noch besser auf die Ernährung und seine Regeneration. «Ich gebe meinem Körper das Beste und er mir», sagt er im Herbst 2019 zu Blick. Drei Jahre, in denen er für Tschechiens Nationalmannschaft kein Thema ist, dauert seine Auferstehung. «Manchmal braucht es einen solchen Tiefpunkt, um danach wieder alle überraschen zu können», sagt Cervenka in Mailand vor dem Kracher gegen die Schweiz. «Ich habe damals dem Prozess vertraut und immer an mich geglaubt.»
In der Saison 2021/22 gibt er sein Nati-Comeback – auch wieder als Captain. Er bleibt es seither. Sogleich holt er 2022 WM-Bronze in Finnland. Und feiert als Höhepunkt den Weltmeistertitel 2024 in seiner Heimatstadt Prag, durch die er damals mit Blick gestreift ist. Cervenka ordnet in den letzten Jahren alles dem Hockey unter. Das zahlt sich aus. «Dass ich in meinem Alter nochmals ein Olympia-Turnier spielen und meine Leistung bringen kann, ist grossartig», sagt der normalerweise zurückhaltende 40-Jährige. «Noch immer kann ich dem Team etwas geben. Je älter man wird als Spieler, desto mehr spielt auch die Erfahrung eine Rolle. Wie im Leben, oder?», sagt er lächelnd. «Es ist weiterhin ein Prozess, ich achte einfach noch mehr auf wichtige Details.»
«Jeder sollte zu ihm aufschauen»
Was sagen Landsmänner über den tschechischen Hockeystar, der in seiner Karriere mit 39 Spielen für Calgary unter dem NHL-Radar geflogen ist? Ex-NHL-Star Jakub Voracek: «Obwohl er keine grosse NHL-Karriere hingelegt hat, spielt er sein fünftes Olympia-Turnier. Das sagt schon alles über seine Bedeutung. Roman ist extrem talentiert. Das ist einer der Gründe, weshalb er in seinem Alter noch auf diesem Level abliefern kann. Der zweite ist, dass er seinem Körper Sorge trägt.»
Voracek hingegen ist einer der erfolgreichsten NHL-Exporte Tschechiens, hat zwischen 2008 und 2024 (Columbus, Philadelphia, Arizona) ununterbrochen in der besten Liga gespielt. Aufgrund anhaltender Probleme nach mehreren Gehirnerschütterungen ist der Rotschopf vor zwei Jahren im Alter von erst 34 bereits zurückgetreten. Bei Olympia in Mailand ist er als TV-Experte dabei und verpasst weder Spiel noch Training der Tschechen.
Nach einem solchen äussert sich auch HCD-Captain Matej Stransky zu seinem Nati-Captain: «Seit Jahren ist Roman ein grossartiger Spieler. Er liebt Hockey noch wie am ersten Tag. Man kann ihn alles fragen, und er gibt gerne Ratschläge und seine Erfahrung weiter. Jeder sollte zu ihm aufschauen.» Natürlich hofft der 32-Jährige, dass er mit 40 auch noch Hockey auf diesem Niveau spielen kann. Ansonsten verrät ihm Cervenka bestimmt, was es dafür braucht.
