Die Medaillen
GOLD Lucas Braathen (Bra) 2:25,00
SILBER Marco Odermatt (Sz) +0,58
BRONZE Loïc Meillard (Sz) +1,17
Das Rennen
Die Medaillen Nummer 8 und 9 für die Schweiz sind Tatsache! Schon nach dem ersten Lauf siehts nach einem Schweizer Freudentag im Riesenslalom aus. Marco Odermatt, Loïc Meillard und Thomas Tumler liegen auf den Rängen 2, 3 und 4. Nur ein Mann steht ihnen vor der Sonne: Lucas Braathen. Der Brasilianer nutzt Startnummer 1 eiskalt aus, zaubert eine Fahrt in den Schnee, an der sich die Konkurrenz die Zähne ausbeisst. Am nächsten kommt ihm Odermatt – mit fast einer Sekunde Rückstand.
Für den Nidwaldner ist klar: Das Motto für den zweiten Lauf lautet Angriff total. Als er sich aus dem Starthäuschen katapultiert, führt Meillard vor Tumler. Und auch Odermatt kommt mit dem Kurs, den sein Trainer gesteckt hat, bestens zurecht. Einzig im Mittelabschnitt lässt er etwas Zeit liegen. Jetzt kann nur noch Braathen den totalen Schweizer Triumph verhindern. Und der lässt sich den Sieg nicht mehr nehmen. Er feiert einen historischen Erfolg – noch nie hat Brasilien an Winterspielen eine Medaille geholt. Nun ist es Gold. Und das, obwohl Braathen eigentlich im Slalom besser ist. Denn seine einzigen beiden Riesenslalom-Weltcupsiege hat er 2020 und 2022 gefeiert.
Damit verpasst Odermatt auch in seinem vierten Rennen Gold. Und schafft nicht, was bisher als einzigem Fahrer dem Italiener Alberto Tomba (1988 und 1992) gelang: den Olympasieg im Riesenslalom zu verteidigen. Er reist mit zweimal Silber und einmal Bronze ab. Bitter endet das Rennen für Thomas Tumler, der Vierter (+1,45) wird.
Gar nicht auf Touren kommt Luca Aerni. Zur Halbzeit nur 21., macht er sich am Nachmittag daran, die grosse Aufholjagd zu starten. Zwar kann er sich zwischenzeitlich an die Spitze setzen, muss aber schon dem nächsten Athleten den Leaderthron überlassen. Am Ende wird er mit 3,19 Sekunden Rückstand 18.
Das gab zu reden
Am Freitag postet Luca de Aliprandini auf Instagram ein Video, das ihn als Kind beim Skifahren zeigt. Der Verlobte von Michelle Gisin erinnert sich im dazugehörigen Text daran, dass er als Kind von der Teilnahme an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen träumte – ein verrückter Traum, der nicht für jeden Athleten in Erfüllung gehe. «Nun werde ich zum vierten Mal an den Olympischen Spielen teilnehmen», so der 35-jährige Italiener weiter. «Dieses Mal vor den Augen meiner Familie, die immer an meine Träume geglaubt und viele Opfer gebracht hat, damit ich es bis hierher schaffen konnte.» Ein Happy End gibts für de Aliprandini nicht. Nach rund 50 Sekunden kassiert er einen Schlag, die Bindung seines linken Skis öffnet sich und er kann einen Sturz nicht verhindern. Ein ganzes Stück rutscht er die Piste hinunter, bis er endlich zum Stillstand kommt. Der Ärger ist verständlicherweise gross.
Das gab zu reden II
Mit Startnummer 64 geht Lasse Gaxiola ins Rennen. Der 18-jährige Mexikaner, der bisher nur im South America Cup oder bei FIS-Rennen gestartet ist, gibt sein Olympia-Debüt. Mit 13,31 Sekunden Rückstand wird er 56. Und trotzdem hatte er schon einmal einen grossen Auftritt im Weltcup. Als seine Mutter Sarah Schleper 2011 ihre Karriere beendete, nahm sie ihn mit auf ihre letzte Fahrt. Der Rücktritt ist längst vergessen – 2014 gab Schleper ihr Comeback, fährt seither für Mexiko statt die USA. Und nimmt wie ihr Sohn an den Olympischen Spielen teil – für sie ist es das siebte Mal. Mit 47 Jahren ist sie die älteste Fahrerin, die im Ski alpin je ein Olympia-Rennen bestritten hat. Im Super-G wurde Schleper, die vor 21 Jahren einmal ein Weltcuprennen gewann, wird sie mit knapp acht Sekunden Rückstand 26.
Die Bedingungen
Der Himmel über Bormio ist bewölkt, die Sicht entsprechend nicht die Beste. Hinzu kommt, dass es nicht wirklich kalt ist. So ist die Piste auf der weicheren Seite und der Kurs schon früh von Spuren gezeichnet. Für die Entscheidung wirds nicht besser, im Gegenteil. Ziemlich starker Schneefall setzt ein, das macht die Aufgabe der Athleten nicht angenehmer.
So gehts weiter
Noch ein Medaillensatz gibt es bei den Männern zu vergeben: am Montag im Slalom (1. Lauf 10 Uhr). Der nächste Riesenslalom, der zweitletzte in diesem Winter, steht am 7. März in Kranjska Gora (Sln) auf dem Programm.