Darum gehts
- Schweiz verliert 2:3 nach Verlängerung gegen Finnland im Viertelfinal
- Nati-Trainer Fischer ist «stinksauer» und kritisiert die Verteidigung
- Torwart Genoni blieb 116 Minuten ohne Gegentor
Patrick Fischer hat als Nati-Trainer schon drei WM-Finalspiele verloren. Jedes Mal ist seine Enttäuschung spürbar gewesen, als er danach Red und Antwort gestanden ist. In Mailand sind es jedoch andere Emotionen, die beim 50-Jährigen nach der 2:3-Overtime-Niederlage im Viertelfinal gegen die Finnen durchbrechen.
Wie es in ihm aussieht? «Ich bin stinksauer. Wir wollten unbedingt gewinnen, haben alles richtig gemacht. Und am Ende werden wir abgefangen. Das sind schwierige Gefühle.» Auch für die Spieler, die am liebsten auf direktem Weg in die Kabine verschwinden würden. «Wir hätten besser verteidigen sollen, wir sind selber schuld», sagt NHL-Stürmer und Abrissbirne Timo Meier beim Vorbeigehen.
«Es war ein gutes Spiel, darum ist es umso frustrierender», so Devils-Captain Nico Hischier, der kleine Systemfehler als Ursache ausmacht. «Ich finde, wir haben Besseres verdient. Wir haben viel investiert. Seit Jahren sind wir eine so gute Gruppe, und solche Momente zusammen erleben zu müssen, ist umso schlimmer, weil wir uns so nahestehen», sagt Christoph Bertschy.
Beim 1:2-Anschlusstreffer nützt Aho den knienden Siegenthaler als Sichtschutz, Goalie Genoni lässt den Schuss des Finnen durch. Das treibt die nur aus NHL-Akteuren bestehenden Favoriten an. Beim Ausgleich wird der Puck unglücklich vom Stock des Nati- und Devils-Verteidigers ins Tor abgelenkt – 72 Sekunden vor Schluss.
Nach ihrer 2:0-Führung, die innert 72 Sekunden entstanden ist, verpassen es die Schweizer, ihre Führung auszubauen. «Wir haben den Match im Griff und geben ihn aus der Hand. Das ist extrem schade und enttäuschend», so Fischer. Bei seiner Suche nach Erklärungen geht der Nati-Trainer noch nicht zu sehr ins Detail, weil er sich das Spiel noch nicht wieder angeschaut habe. «Aber ich werde wohl ein paar Situationen sehen, in denen man die Scheibe hätte länger halten oder mehr Druck machen können.»
116 Minuten ohne Gegentreffer
Dem finnischen Aufschwung stemmen sich die Schweizer lange mit ihrer Kompaktheit entgegen, blocken unzählige Schüsse. Und im Kasten steht noch Leonardo Genoni. Man hat das Gefühl, dass es eines jener grossen Spiele werden könnte, in dem der 38-Jährige einfach alles hält. Genau 116 Minuten bleibt der WM-Silberheld seit dem letzten Gruppenspiel gegen die Tschechen ohne Gegentreffer, bis es klingelt.
Genoni ist bekannt für seine schnelle und direkte Analyse. Was er nach dieser Enttäuschung sagt? «Wir müssen ehrlich sein, wir haben am Anfang glückliche Tore geschossen, im Sinne davon, dass wir Fehler ausnutzen konnten, die ihnen nicht täglich passieren.» Ein Kompliment von Genoni geht an die Mannschaft für ihren Kampfgeist und ihr unglaublich gutes Boxplay. «Deshalb ist es umso bitterer und tut weh. Die Tür war offen, abgerechnet wird am Schluss.»
In der Verlängerung verliert Verteidiger Dean Kukan nach drei Minuten die Übersicht, und Lehkonen in seinem Rücken schiesst die Nati aus dem Olympia-Turnier. «Wir wollten unbedingt eine Medaille gewinnen. Es sollte einfach nicht sein. Es ist brutal», so Fischer. Was er jetzt dem Team sagt? «Das weiss ich nicht. In diesem Moment habe ich keine Lust, irgendetwas zu sagen.»
