Eine Medaille gewinnen oder am Ende mit leeren Händen dastehen. Diese knifflige Ausgangslage sorgt dafür, dass dieses Bronze-Spiel lange von Vorsicht geprägt ist. Die Schweizerinnen lassen vor dem eigenen Tor wenig zu, können aber in der Offensive wenig bewegen. Just als sie im Lauf des zweiten Drittels mehr Dynamik aufs Eis bringen und gefährlicher werden, durch Ivana Wey dann auch noch einen Penalty nicht zur Führung nutzen können, kassieren sie einen Gegentreffer.
Der Distanzschuss von Mira Jungaker passt haargenau unters Lattenkreuz – Goalie Andrea Brändli ist die Sicht versperrt und machtlos. Kurz zuvor war Jungaker noch von einem harten Schuss von Nicole Vallario abgeschossen worden, musste auf der Spielerbank betreut werden und hatte Tränen in den Augen. Unmittelbar nach ihrer Rückkehr aufs Eis kann die 20-jährige Verteidigerin dann aber jubeln.
Schnelle Reaktion auf das 0:1
Es werden Erinnerungen wach an das Bronze-Spiel zwischen der Schweiz und Schweden 2014 in Sotschi, als die Eisgenossinnen mit 0:2 im Hintertreffen lagen, ehe sie mit einer heroischen Wende und einem 4:3-Sieg die erste Olympia-Medaille für das Schweizer Fraueneishockey doch noch sicherstellten. Aber an diesem Nachmittag in Mailand erfolgt die Reaktion schneller. Nach einer herrlichen Kombination mit Alina Marti gelingt Sinja Leemann der Ausgleich. Die SCB-Stürmerin hat sich einen guten Moment für ihr erstes Olympia-Tor ausgewählt.
Es entwickelt sich wie schon im Viertelfinal gegen Finnland (1:0-Sieg) ein harter, spannender und dramatischer Kampf auf Augenhöhe, bei dem jedes Detail und jeder Fehler für die Differenz sorgen kann. Heisse Szenen gibt es vor beiden Toren, aber die Schwedinnen werden nun spielerisch dominanter. Vor allem wenn Torschützin Jungaker, die klar auffälligste Spielerin in diesem Bronze-Match, auf dem Eis ist. So richtig brenzlig wird es in der Schlussphase des dritten Drittels, als Lena Marie Lutz zur Unzeit eine Strafe kassiert. Aber die Schweizerinnen überstehen diese kritische Phase und so geht es in die Verlängerung. Dieser Krimi wird auf die Spitze getrieben – und braucht Nerven aus Stahl!
Müller-Tor ist auch 12 Jahre später entscheidend
Laura Zimmermann hat den Bronze-Treffer auf dem Stock (63.), scheitert aber. Und dann trifft Lara Stalder mit einem abgelenkten Schuss den Pfosten (68.). Was für ein Drama! Aber weiter keine Entscheidung. Doch dann tritt die Schweizer Starspielerin Alina Müller auf den Plan, mit ihrer ersten Chance (69.) scheitert sie noch. Aber als sie von Wey vor dem Tor angespielt wird, trifft Müller unwiderstehlich. 51 Sekunden vor Ablauf der Verlängerung. Was für ein Tor, was für ein Moment! Müller hatte bereits vor 12 Jahren in Sotschi gegen Schweden den letzten, entscheidenden Treffer erzielt. Damals als 15-jähriges Küken. Nun erneut, mit 27. Im Gegensatz zu den Männern am Mittwoch (2:3 gegen Finnland) ist das Verlängerungsglück an diesem Donnerstag auf Schweizer Seite.


