Aus der Ferne ertönt das Brummen eines Motors. Ein kirschroter Oldtimer rollt über das Kopfsteinpflaster und hält vor der Stadtkirche in Biel. Dann öffnet sich die Tür: Anja Senti (29) steigt im massgeschneiderten Brautkleid mit langer Schleppe aus, sie strahlt. Es ist Samstag, der 25. April. In wenigen Minuten geht die Sportschützin und dreifache Weltmeisterin den Bund fürs Leben ein – mit ihrem langjährigen Partner Pascal Bachmann (29). «Damit geht für mich ein Traum in Erfüllung», freut sie sich.
Ein Jahr lang plante die Architektin, die neben dem Sport im 50-Prozent-Pensum in ihrem gelernten Beruf arbeitet, ihre Hochzeit gemeinsam mit Pascal und den Trauzeugen. Unterstützt wurden sie von Anjas Mutter Heidi. «Sie ist Floristin», sagt Anja. «Wir haben die Blumen auf das Brautkleid abgestimmt und sogar Stoffstücke heimgenommen, damit alles zusammenpasst.»
Von den Emotionen überwältigt
Der grosse Tag beginnt früh. Bereits um sechs Uhr klingelt die Coiffeuse an Anjas Tür. Jetzt heisst es: stylen, schminken und umziehen. Vor der Zeremonie mit 180 geladenen Gästen sehen sich Braut und Bräutigam nicht. «Mir ist das Traditionelle wichtig», erklärt Anja. Umso schöner der Moment, als sie ihren «Bachi» das erste Mal am Altar erblickt. «Er sah so gut aus in seinem lachsfarbenen Anzug! Da hat es mich richtig ‹ghuddlet›», gesteht die Sportlerin danach. «Da habe ich ein paar Freudentränen vergossen.»
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Auch Pascal, der ebenfalls Sportschütze ist und zuletzt an der WM 2025 in Kairo einen kompletten Medaillensatz holte, kämpft mit den Emotionen. Als seine Braut vor ihm stand, sei er sprachlos gewesen. «Ich war überwältigt von ihrer Schönheit – und von der Länge der Schleppe», meint der Zürcher. «Ich finde es mega schön, jetzt den Ring als Zeichen unserer Verbundenheit zu tragen.»
Im Anschluss an die kirchliche Trauung zieht es die beiden Frischvermählten, sie tragen jetzt beide den Nachnamen Bachmann-Senti, weiter in den Römerhof in Bühl bei Aarberg BE, wo sie mit 100 geladenen Gästen bis in die frühen Morgenstunden feiern. «Ich kann es irgendwie noch nicht so richtig glauben, dass wir jetzt Mann und Frau sind», sinniert Anja. Immerhin: An den neuen Namen hat sich die Bernerin aus Leubringen schon etwas gewöhnt. «Wir wussten ja schon länger, dass wir heiraten würden», erklärt sie. Sie lacht und gesteht: «Aber beim Unterschreiben vertue ich mich manchmal schon noch.»
Seit 2023 sind die beiden Spitzensportler ein Paar. Kennengelernt haben sie sich 2012 im Schiesssport, wo sie sich immer wieder begegneten. Heute schiessen sie im selben Nationalteam, trainieren zusammen und reisen gemeinsam an Wettkämpfe. «Wir waren zuerst nur sehr gute Freunde», erinnert sich Anja. «Irgendwann hat es gefunkt. Alle im Team haben das gemerkt», sagt sie belustigt. Das Thema Hochzeit sei 2025 in den Skiferien aufgekommen – noch vor dem offiziellen Verlobungsantrag. «Pascal fragte mich, was ich davon halte, wenn wir nächstes Jahr heiraten», erzählt Anja. «Grundsätzlich fand ich die Idee schön. Für mich war nur wichtig, dass die Stadtkirche frei ist. Und dass wir noch vor Saisonstart Ende April heiraten konnten. Aber ein Antrag war schon noch fällig.»
Überraschung im Europa-Park
Doch dieser liess auf sich warten. «Ich dachte schon, der kommt nie», scherzt Anja. Bis zu einem Ausflug in den Europa-Park Rust. «In einem Restaurant erschien auf einmal die Euromaus im Frack mit einer Ringschatulle. Von der anderen Seite kam Pascal, nahm den Ring und fragte mich, ob ich seine Frau werden möchte. Es war sehr herzig.» Was die Katzenliebhaberin, die eine eigene Zucht betreibt, an ihrem Partner besonders liebt? «Seine hilfsbereite und liebevolle Art», sagt sie. Und auch Pascal schwärmt von seiner Frau: «Ihre selbstbewusste Art und ihren Ehrgeiz finde ich sehr attraktiv.»
Das Fundament ihrer Liebe sehen Anja und Pascal in der offenen Kommunikation. Nach einem Streit würden sie nie schlafen gehen, ohne sich entschuldigt zu haben. Und auch der Sport verbindet sie: «Wir coachen uns gegenseitig, fiebern mit und erleben unsere sportliche Reise zusammen.» Anja betont: «Konkurrenzdenken gibt es bei uns nicht. Wir gönnen uns unsere Erfolge von Herzen.»
Gemeinsame Ziele hat das Ehepaar aber auch abseits des Schiessstands: «Wir wünschen uns eine eigene Familie», verrät Anja. Gleichzeitig wissen beide, dass Kinder und Spitzensport gut organisiert werden müssten. «Das wird eine spannende Aufgabe. Aber jetzt geniessen wir mal das Verheiratetsein und freuen uns auf die anstehenden Wettkämpfe, darunter die Europameisterschaft in Kroatien im Mai.»
Für Flitterwochen fehlt den Sportlern deswegen die Zeit. Stattdessen gönnen sie sich im Anschluss zur EM zwei Wochen Auszeit in Südfrankreich und Barcelona, von wo aus sie eine kleine Kreuzfahrt machen. Die grosse USA-Reise, die sich das Paar zur Hochzeit gewünscht hat, soll im Frühling 2027 folgen. Anja Bachmann: «Nur wir beide, ganz ohne Wettkampfdruck – darauf freuen wir uns sehr!»