Neuer Weltrekord: Simon Ehammer springt im Zehnkampf 8,45 Meter(00:40)

Sponsoren, Fans, Veranstalter
Alle Welt ist heiss auf Überflieger Ehammer

Nach seinem Monster-Satz wollen ihn Veranstalter auf der ganzen Welt als Weitspringer verpflichten. Doch Simon Ehammer bleibt cool – und versucht am Sonntag in Marokko nachzulegen.
Publiziert: 05.06.2022 um 01:06 Uhr
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Aktualisiert: 05.06.2022 um 09:23 Uhr
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Abgehoben: Nur sechs Athleten flogen in den letzten fünf Jahren weiter als Simon Ehammer.
Emanuel Gisi

Er fliegt und fliegt und fliegt. Seit Simon Ehammer (22) am letzten Mai-Wochenende in Götzis (Ö) auf 8,45 Meter gesprungen ist, geht es in der Welt des Appenzellers drunter und drüber. Auf dem Weg zum Diamond-League-Meeting am Sonntag in Rabat (Marokko) muss der gelernte Sportartikelverkäufer dem Fernsehen vor dem Abflug noch ein Interview geben. Gar aus Deutschland melden sich die Medien beim Zehnkämpfer, der vergangene Woche den Weitsprung-Schweizer-Rekord pulverisiert hat und in dieser Disziplin nun an der Spitze der Jahresweltbestenliste steht.

Alle Welt ist heiss auf Ehammer. Und der? Bleibt cool. Ganz cool. «Ich habe es mir verdient», sagt er mit der entwaffnenden Ehrlichkeit, mit der er in den letzten Wochen die Herzen der Schweizer Sport-Fans erobert hat. «Ich habe mich bewiesen, ich bin ein konstanter 8-Meter-Springer. Das habe ich mir erarbeitet. Jetzt, wo es so ist, reissen sich die Veranstalter um mich. Ich muss im Moment extrem viele Absagen erteilen. Aber ich gehe ja davon aus, dass das nicht die einzige Saison ist, wo ich so weit springe.»

Was das heisst? «Wir merken, dass die Veranstalter auf verschiedenen Kontinenten um Simon werben», sagt Ehammers Manager Michael Schiendorfer. «Tendenziell wird zwei-, dreimal nachgefragt. Sie hätten ihn wirklich sehr gerne dabei. Man kann es so sagen: In Götzis ist viel passiert.»

Nur sechs flogen in den letzten fünf Jahren weiter

Die 8,45 Meter, die Ehammer in Götzis gesprungen ist, hätten bei den letzten vier Olympischen Spielen die Goldmedaille bedeutet. Natürlich ist das eine Spielerei, keine Sprunganlage ist wie die andere, die äusseren Bedingungen lassen sich nicht vergleichen. Fakt ist aber auch: In den letzten fünf Jahren sind gerade Mal sechs Athleten weiter gesprungen als Ehammer. In den Jahresweltbestenlisten seit 2017 wäre er viermal in den Top 3 gelandet. Oder übersetzt: Ehammer ist ohne Frage mitten in der Weltspitze gelandet.

«Die Aufmerksamkeit ihm gegenüber ist massiv gewachsen. Das gibt uns neue Möglichkeiten», sagt Manager Schiendorfer. Eine Reihe neuer Sponsorenanfragen sind zuletzt eingegangen. Abschlüsse sind aber bislang keine zu vermelden. «Wir prüfen jede Anfrage mit Freude und Dankbarkeit. Wichtig ist uns, die Unternehmen und die Menschen dahinter müssen zu Simon passen.»

Die anderen Schweizer: Del Ponte sucht den Speed

Beim Diamond-League-Meeting in Rabat (Marokko) gehen am Sonntag (20 Uhr, SRF info live) neben Weitspringer Simon Ehammer drei weitere Schweizer Hoffnungsträger an den Start: Mit William Reais (200 m) und Lore Hoffmann (1500 m) geben zwei aufstrebende Läufer ihr Jahresdebüt in der Leichtathletik-Königsklasse, Ajla Del Ponte (100 m) lief im Mai bereits in Birmingham (Gb), nun muss die schnellste Frau der Schweiz nach ihrer Verletzung den nächsten Schritt nach vorne machen. In 11,72 Sekunden lief sie der Konkurrenz in Grossbritannien hinterher. «Bei ihrem Start zuletzt in Posen war sie schon deutlich besser», sagt Del Pontes Coach Laurent Meuwly. Auch wenn sie trotz viel Rückenwind immer rund ne halbe Sekunde von ihrem Schweizer Rekord (10,90 s) entfernt war. «Noch hat sie Probleme mit den ersten drei Schritten aus dem Startblock, aber daran haben wir nun nach dem Start in Polen noch intensiver zu arbeiten begonnen.» Das Ziel: Bei regulären Bedingungen eine ähnliche Zeit wie in Posen hinlegen, dann in Genf in einer Woche weiter an Tempo gewinnen. (eg)

Beim Diamond-League-Meeting in Rabat (Marokko) gehen am Sonntag (20 Uhr, SRF info live) neben Weitspringer Simon Ehammer drei weitere Schweizer Hoffnungsträger an den Start: Mit William Reais (200 m) und Lore Hoffmann (1500 m) geben zwei aufstrebende Läufer ihr Jahresdebüt in der Leichtathletik-Königsklasse, Ajla Del Ponte (100 m) lief im Mai bereits in Birmingham (Gb), nun muss die schnellste Frau der Schweiz nach ihrer Verletzung den nächsten Schritt nach vorne machen. In 11,72 Sekunden lief sie der Konkurrenz in Grossbritannien hinterher. «Bei ihrem Start zuletzt in Posen war sie schon deutlich besser», sagt Del Pontes Coach Laurent Meuwly. Auch wenn sie trotz viel Rückenwind immer rund ne halbe Sekunde von ihrem Schweizer Rekord (10,90 s) entfernt war. «Noch hat sie Probleme mit den ersten drei Schritten aus dem Startblock, aber daran haben wir nun nach dem Start in Polen noch intensiver zu arbeiten begonnen.» Das Ziel: Bei regulären Bedingungen eine ähnliche Zeit wie in Posen hinlegen, dann in Genf in einer Woche weiter an Tempo gewinnen. (eg)

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Und noch an einer anderen Stelle ist der neue Status abzulesen: Die Autogramm-Anfragen gehen durch die Decke, Kinder schicken ihrem neuen Idol Zeichnungen. Am Sonntagabend könnte es neue Heldentaten zu zeichnen geben. In Rabat bestreitet der Appenzeller sein erstes Diamond-League-Meeting im Ausland, bislang durfte er in der Königsklasse erst auf Einladung bei Weltklasse Zürich antreten.

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Wie weit fliegt er am Sonntag?

«Die Leute dürfen nicht erwarten, dass ich in jedem Wettkampf 8,40 m oder weiter springe», dämpft Ehammer die Erwartungen. «Die Spezialisten springen auch nicht jeden Wettkampf 8,60. Das Ziel muss sein, konstant die 8,25, 8,30 zu schaffen.» Bis zur Leichtathletik-WM im Juli in Eugene (USA) beschränkt er sich auf den Weitsprung, der Zehnkampf wird erst bei der EM in München (D) Mitte August ein Thema.

Viel Zeit, in der er gefragt werden wird, ob er sich mittelfristig nicht ohnehin auf den Weitsprung konzentrieren wolle. Ehammers Antwort wird immer dieselbe sein: Nein. «Ich bin ein Zehnkämpfer, der gerne Weitsprung macht», sagt er. «Solange mir das keinen Strich durch die Zehnkampf-Rechnung macht, mache ich das so.» Im Training liegt der Fokus weiterhin auf sämtlichen Disziplinen, den Weitsprung hebe man nicht gesondert hervor. Vielleicht ist das sogar sein Trumpf. «Würde ich wirklich 20 Zentimeter weiterspringen, wenn ich nur Weitsprung machen würde?», fragt er. «Die Vielseitigkeit meiner Trainings gibt mir eine enorme Lockerheit. Manchmal verkopft man zu sehr, wenn man sich nur auf etwas fokussiert.»

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