Mutter Sabine Freuler über ihren Remo
«Alle nannten ihn ‹Mini›»

Mein Sohn, der WM-Fahrer. Sabine Freuler über den Karriere-Anfang von Remo Freuler.
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Remo (rechts) mit Bruder Dario und Mutter Sabine Freuler.
Foto: Zvg
Max Kern

Zuerst die Klischees aufräumen. Atalanta-Bergamo-Profi Remo Freuler (26) ist kein Neffe der Glarner Radsport-Legende Urs Freuler (59), dem 10-fachen Bahnweltmeister und Sprint-König des Giro d'Italia (15 Etappensiege).

Remos Mutter Sabine, die am Fuss des Zürcher Aussichtsberges Bachtel (1115 m.ü.M.) mit ihrem zweiten Mann einen Getränkehandel betreibt, sagt: «Verwandt? Ja, ganz weit aussen.» WM-Fahrer Remo, der wie sein berühmter Namensvetter in Italien sein Glück fand, hat mit Ennenda (gehört heute zur Gemeinde Glarus) zwar wie Urs Freuler einen Glarner Heimatort. Doch Mutter Freuler legt Wert darauf: «Remo ist nicht Glarner, er ist Hinwiler.» Wie SVP-Bundesrat Ueli Maurer.

In Hinwil beginnt auch Freulers Karriere. Bereits mit fünf Jahren. Der zwei Jahre ältere Bruder Dario, er spielt heute für den Drittligisten FC Pfäffikon, schleppt ihn zu den Trainings mit. Alle anderen Hinwiler Kids sind zwei Jahre älter. Sabine Freuler: «Alle nannten Remo deshalb ‹Mini›». Klein Remo lernt, sich gegen die grösseren Mitspieler durchzusetzen. Er spielt im Sturm, oder wie heute im Mittelfeld.

Das Warten auf den Durchbruch

«Remo war immer fixiert auf den Sport. Auf alles, was mit einem Ball zu tun hatte. Fussball, Tischtennis, Tennis. Auch im Tennis war er sehr talentiert. Irgendwann musste er sich entscheiden.»

Mit 15 schliesst sich Freuler der Nachwuchsabteilung des FC Winterthur an.

Er wechselt drei Jahre später in den GC-Nachwuchs. Und schiesst mit 18 in seinem erst zweiten Super-League-Spiel sein erstes Tor. Und das ausgerechnet im Derby gegen den FC Zürich.

Doch Freuler schafft den Durchbruch (vorerst) nicht. Man schiebt ihn wieder zu B-Klub Winterthur ab. Sabine Freuler: «Wir haben ihn überall unterstützt. Wir haben gewusst, dass er seinen Weg schon noch macht. Schön für ihn, dass es geklappt hat.»

«In Italien hat Remo einen Riesenschritt gemacht»

Im Februar 2014 hat ihn die Super League wieder. Der damalige Luzern-Sportchef Alex Frei erkennt das schlummernde Talent. Zwei Jahre später, Frei ist schon lange weg, kassiert der FCL von Atalanta Bergamo umgerechnet 1,65 Mio Fr. Ablöse. «Sein Wunsch, ins Ausland zu gehen, ist wahr geworden. In Italien hat Remo einen Riesen-Schritt gemacht.»

Bei vier, fünf Heimspielen pro Saison ist Remos Mutter in der Lombardei vor Ort. In Bergamo nennen sie ihren Sohn «Iceman«. «Wohl wegen seinen blauen Augen.» Die er von der Mutter, einer gebürtigen Bayerin, geerbt hat? «Alle in der Familie haben blaue Augen.» «Iceman« wohl auch, weil der defensive Mittelfeldspieler am Ball so kühl bleibt.

Ende März 2017 gibt Freuler im WM-Qualifikationsspiel gegen Lettland (1:0) sein Debüt in der Nati. Acht Minuten zum Auftakt. «Es war immer der Wunsch von allen, dass er das Land vertreten kann.»

Jetzt fährt Freuler, den sie bei GC einst nicht mehr wollten, zu seiner ersten WM. Die Mutter auch. «Für einen Tag.» Beim zweiten Spiel am 22. Juni sitzt Mama Freuler in Kaliningrad gegen Serbien im Stadion.

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