Xherdan Shaqiri über motzen auf dem Platz, Ludovic Magnin und sein Karriereende
«Vielleicht habe ich in eineinhalb Jahren keine Lust mehr»

In grossen Interview spricht Xherdan Shaqiri (34) über den durchwachsenen Basler Saisonstart, die Beziehung zu Ludovic Magnin und seine Zukunft beim FCB.
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Foto: Toto Marti
Xherdan Shaqiri: FCB-Captain im grossen Interview

Darum gehts

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Blick: Xherdan Shaqiri, wie alt fühlen Sie sich eigentlich?
Xherdan Shaqiri: Das ist die falsche Frage. Sie müssen doch fragen, wie jung ich mich fühle… (lacht).

Also gut. Wie jung fühlen Sie sich? Jünger als 34?
Ja, das würde ich sagen. Zumindest auf dem Fussballplatz fühle ich mich noch immer wie ein Teenager. Es ist mir wichtig, den Spass am Fussball immer beizubehalten. Nur so kann ich meine Leistungen zeigen und erfolgreich sein.

Dann sind Sie neben dem Platz schneller gealtert?
Ich habe in all den Ländern, in denen ich während meiner Karriere gespielt habe, viele Kulturen kennengelernt und mehrere Sprachen gelernt. Das hat mich auch neben dem Platz weitergebracht. Ich habe gelernt, mit unterschiedlichsten Menschen umzugehen. Ich glaube, es ist eine meiner grossen Stärken, dass ich mit jedem sehr gut kann. Ich könnte zum Beispiel morgen nach Südafrika fliegen und mich dort wohl problemlos integrieren.

Was Ihnen dabei helfen dürfte, ist Ihr Humor. Darf man Sie noch immer als Spitzbub bezeichnen?
Ich bin jemand, der immer für einen Spass zu haben ist, auch auf dem Platz. Es ist aber wichtig, in den entscheidenden Momenten seriös aufzutreten und den berühmten Schalter umzulegen. Wie findet man da die richtige Mischung? Das ist die Kunst. Es ist wichtig, zu wissen, was man will, und in den richtigen Momenten das zu tun, was es dafür braucht. Das richtig abzuwägen, ist nicht immer einfach. Mir ist das bislang zum Glück ganz gut gelungen.

Persönlich: Xherdan Shaqiri

Xherdan Shaqiri (34) wurde 1991 im Kosovo geboren. Bereits 1992 zog er mit seiner Familie in die Schweiz und wuchs in Augst BL auf. Mit vier Jahren begann er beim SV Augst mit dem Fussballspielen, mit neun wechselte er zu den FCB-Junioren. Bereits in seiner Debüt-Saison 2009/10 wurde er in Basel zum Stammspieler. Nach drei Meistertiteln in drei Jahren machte er sich auf, die grosse Fussballwelt zu erobern. Mit Bayern und Liverpool gewann er die Champions League. Nach einem Abenteuer in der US-amerikanischen MLS bei Chicago Fire kehrte der «Zauberzwerg» 2024 zurück zu seinem Jugendklub und wurde – wie immer, wenn er beim FCB spielte – direkt Meister. Für die Nati gelangen Shaqiri in 125 Spielen 32 Tore. Nach der EM im Sommer 2024 trat er aus dem Nationalteam zurück.

Xherdan Shaqiri (34) wurde 1991 im Kosovo geboren. Bereits 1992 zog er mit seiner Familie in die Schweiz und wuchs in Augst BL auf. Mit vier Jahren begann er beim SV Augst mit dem Fussballspielen, mit neun wechselte er zu den FCB-Junioren. Bereits in seiner Debüt-Saison 2009/10 wurde er in Basel zum Stammspieler. Nach drei Meistertiteln in drei Jahren machte er sich auf, die grosse Fussballwelt zu erobern. Mit Bayern und Liverpool gewann er die Champions League. Nach einem Abenteuer in der US-amerikanischen MLS bei Chicago Fire kehrte der «Zauberzwerg» 2024 zurück zu seinem Jugendklub und wurde – wie immer, wenn er beim FCB spielte – direkt Meister. Für die Nati gelangen Shaqiri in 125 Spielen 32 Tore. Nach der EM im Sommer 2024 trat er aus dem Nationalteam zurück.

Freiburg-Trainer Julian Schuster hat vor dem Europa-League-Spiel gegen den FCB gesagt, dass er in seiner Laufbahn kaum jemanden getroffen habe, der den Wechsel zwischen Spass und Ernsthaftigkeit so gut beherrscht wie Ludovic Magnin. Sind Sie ähnliche Typen?
In diesem Bereich definitiv. Das schätze ich auch sehr an Ludo. Er war selbst Profi und weiss, was in einem Spieler vorgeht. Darum bleibt er in Situationen auch mal ruhig, in denen jemand anders vielleicht lauter werden würde. Gerade bei jungen Spielern ist es manchmal wichtig, einen gewissen Druck wegzunehmen, damit sie ihre Leistungen bringen können.

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«Die ersten Monate haben gezeigt, wie gut es mit Ludo funktionieren kann»
Shaqiri über die Zusammenarbeit mit FCB-Coach Ludovic Magnin
»

Gerade Sie sind aber auch jemand, der von seinen Mitspielern viel fordert.
Richtig. Und das gilt auch für den Trainer. Als Trainer des FC Basel darf man seinen Spielern auch etwas abverlangen. Wir sind hier, um Titel zu gewinnen. Das sorgt für einen gewissen Druck, dem man auch standhalten muss.

Klingt aber schon danach, als wären Trainer und Captain auf einer Wellenlänge?
Jeder Mensch hat seinen eigenen Charakter. Aber wir verstehen uns wirklich sehr gut und sprechen auch sehr viel zusammen. Klar hat man beim FC Basel nicht so viel Zeit wie bei anderen Vereinen. Ich denke, die ersten Monate haben gezeigt, wie gut es mit Ludo funktionieren kann. Er hat sich sehr gut eingelebt und fühlt sich wohl. Und vor allem hat er uns schon am ersten Tag gesagt, dass er Titel gewinnen will. Das hat mir sehr gefallen und das spürt man auch täglich. Ich finde es wichtig, dass ein Trainer seine Emotionen auch immer wieder zeigt.

Die Arbeit und das Auftreten seines Trainers Ludovic Magnin gefallen dem FCB-Captain
Foto: TOTO MARTI

Auch Sie werden gerne Mal emotional auf dem Platz – sei es gegenüber Mitspielern, aber auch gegenüber Schiedsrichtern.
Wenn einer meiner Mitspieler etwas nicht so gut macht, versuche ich, ihn zu pushen, damit er nicht wieder die gleichen Fehler macht. Ich denke aber nicht, dass ich auf dem Feld zu viel schimpfe, auch wenn das von aussen vielleicht manchmal so wirkt. Und was die Schiedsrichter anbelangt, bin ich schon der Meinung, dass auch sie nicht immer alles richtig machen. Aber auch das gehört zum Fussball.

Wie erklären Sie sich die sportlich durchwachsene erste Saisonhälfte?
Die Saison nach einem Titelgewinn ist immer etwas schwieriger, das ist einfach so. Wir hatten nicht den besten Start. Aber das war in der letzten Saison auch so und wir haben am Ende das Double gewonnen. Wir kennen diese Situation. Darum bleiben wir auch ruhig. Wir wissen, was wir können. Wichtig ist es, dass wir in der Rückrunde dann auch wieder so auftreten. Wir haben immer noch alle Chancen, unsere Saisonziele zu erreichen. Wichtig ist, dass wir die Konstanz hinkriegen, wie wir das in der letzten Rückrunde getan haben.

Sie haben in Ihrer Klubkarriere schon alles gewonnen. Woher holen Sie sich Ihren Erfolgshunger?
Man muss sich jeden Tag selbst motivieren können. Ich bin ein Winner-Typ und will immer gewinnen. Wenn ich auf den Platz gehe, ist mir egal, ob es in der Europa League gegen einen europäischen Top-Klub oder im Cup gegen ein Promotion-League-Team geht. Ich will, dass wir als Mannschaft der ganzen Schweiz zeigen, dass wir die Erfolge der letzten Saison nochmals wiederholen können.

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Seit Sommer 2024 ist Xherdan Shaqiri zurück in Basel.
Foto: Toto Marti

Der FCB ist auch in dieser Saison extrem abhängig von Ihnen. Das 2:1 gegen Luzern Mitte Dezember war der erste Sieg, der ohne einen Skorerpunkt von Ihnen zustande gekommen ist.
Es ist ein Stück weit auch normal, wenn man jeden Eckball und jeden Freistoss schiesst. Dann ist die Chance auch höher, dass man bei einem Tor involviert ist. Ich habe einen grossen Einfluss auf die Mannschaft, seit ich zurückgekommen bin. Aber klar ist es wichtig, dass es beim FCB irgendwann in Zukunft auch ohne mich laufen könnte. Wenn ich nicht mehr da bin, muss jemand anders meine Rolle übernehmen.

Versuchen Sie also bewusst, bereits jetzt ein Stück weit Verantwortung abzugeben?
Nein, das würde ich so nicht sagen. Ich bin Captain des FC Basel, gehe voran und versuche, allen Spielern zu helfen. Verantwortung bewusst abzugeben, würde für mich bedeuten, dass ich fünf oder zehn Prozent weniger geben würde. So denke ich nicht. Aber wir hatten in den vergangenen Spielen auch andere Spieler, die mal einen Eckball oder einen Penalty geschossen haben.

So wie gegen Luzern, als Sie den zweiten Penalty Koba Koindredi überlassen haben.
Ich war in meiner Karriere nie ein Egoist. Ich spiele für meine Mannschaft. Wenn ich merke, ich bin nicht bei 100 Prozent, dann überlasse ich den Ball einem Teamkollegen.

Falls Sie sich gut fühlen, werden Sie den nächsten Basler Penalty wieder selbst schiessen?
Definitiv. Ich habe jetzt zwar dreimal am Stück verschossen, aber ich bleibe da positiv.

Aber müssen Sie etwas an Ihren Penaltys verändern?
Vielleicht den Rasen in Luzern (lacht). Man hat es ja gesehen, ich wollte flach schiessen, am Ende bin ich aber weggerutscht und der Ball ging übers Tor.

Xherdan Shaqiri ist beim FCB der unbestrittene Mann für die Standards.
Foto: TOTO MARTI

Vor Ihrer Zeit in Basel hatten Sie regelmässig mit kleineren Verletzungen zu kämpfen. In dieser Saison haben Sie aber 27 von 30 Spielen von Anfang an bestritten. Sind Sie selbst überrascht, dass Sie die Dreifachbelastung so gut wegstecken?
Überrascht ist vielleicht der falsche Ausdruck, weil ich nicht an Zufälle glaube. Ich fühle mich sehr gut und bin froh, dass ich die Hinrunde verletzungsfrei überstanden habe. Der Athletiktrainer und der medizinische Staff machen eine sehr gute Arbeit.

Als Sie im Sommer 2024 zurück zum FCB gekommen sind, war der Hype um Ihre Person riesig. Ist es seit dem Meistertitel ruhiger geworden? Oder ist sogar das Gegenteil der Fall?
An einem Samstag gehe ich ganz sicher nicht in die Stadt (lacht). Die Euphorie ist noch immer riesig. Aber das gehört ein Stück weit auch dazu. Ich werde überall von Leuten angehalten, auch ausserhalb von Basel.

Obwohl es in der restlichen Schweiz nicht nur FCB-Fans gibt?
Ich denke, meine Rückkehr zum FCB war eine richtig schöne Geschichte, die man auch ausserhalb von Basel so wahrgenommen hat.

Sie haben damals für drei Jahre unterschrieben. Nun befinden Sie sich genau in der Hälfte Ihres Vertrags. Wie sieht die Zukunft von Xherdan Shaqiri aus?
Das ist noch relativ weit weg für mich. Was die Zukunft bringt, kann ich noch nicht sagen. Ich werde mir aber sicher Gedanken machen und dann werden wir im richtigen Moment zusammensitzen. Für mich ist aktuell nur eines wichtig: In den Jahren, in denen ich noch hier bin, will ich so viele Titel wie möglich gewinnen.

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«Vielleicht spiele ich selbst noch für Rappi? Das wäre ja auch eine Möglichkeit»
Shaqiri über seine Fussball-Zukunft
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Können Sie sich aktuell überhaupt schon vorstellen, mit dem Fussball aufzuhören?
Es gibt Spieler mit meinem Jahrgang, die ihre Karriere bereits beendet haben. Aber wenn ich ehrlich bin, kann ich mir mich jetzt noch nicht als Fussball-Rentner vorstellen. Ich geniesse es jeden Tag, Fussball zu spielen.

Klingt fast, als würden Sie auch über 2027 hinaus weiterspielen wollen.
Ich bin nie jemand gewesen, der sich langfristige Pläne gemacht hat. Vielleicht habe ich in eineinhalb Jahren ja plötzlich keinen Spass mehr am Fussball. Und wenn mein Vertrag ausläuft, bin ich auch schon fast 37.

Wie alt müssten Sie sich fühlen, damit Sie keine Lust mehr auf Fussball hätten?
Sehr alt! Wenn ich am Morgen aufwache und keine Lust aufs Training habe, dann höre ich auf.

Im Sommer würde Shaqiri gerne ein paar WM-Spiele besuchen.
Foto: TOTO MARTI

Einen groben Plan für ihre Zukunft nach der Profi-Karriere gibt es aber bereits. Sie sind Aktionär beim FC Rapperswil.
Ich bin nicht ohne Grund bei Rapperswil eingestiegen. Wir haben einiges mit dem Klub vor. Es ist ein guter Schritt, um mir verschiedene Dinge innerhalb eines Fussballvereins genauer anzusehen. Es ist aber auch mit viel Arbeit verbunden. Wenn möglich, besuche ich fast jedes Heimspiel.

Dann sehen Sie sich in Zukunft als Vereinsfunktionär?
Das weiss ich noch nicht. Ich bin auch dabei, meine Trainerlizenz zu machen. Klar ist, ich möchte unbedingt weiter im Fussball tätig sein.

Zu gut dürfen Sie ihre Arbeit bei Rapperswil aber noch nicht machen. Als Mitaktionär hätten Sie ein Problem, sollte der Klub aufsteigen und sie stünden selbst noch bei einem anderen Super-League-Klub unter Vertrag.
Oder vielleicht spiele ich selbst noch für Rappi? Das wäre ja auch eine Möglichkeit. 2028 wird der Klub 100 Jahre. Jetzt kennen Sie mein Ziel für die Zukunft doch (lacht).

Eine letzte Frage: Wie verbringt Xherdan Shaqiri eigentlich den WM-Sommer? Eine Nati-Rückkehr haben Sie ja ausgeschlossen.
Ich denke, ich werde in die USA fliegen und mir einige Spiele anschauen. Vielleicht ja auch den Final.

Aber der WM-Final in New York findet doch erst am 17. Juli statt? Da stecken Sie mit dem FCB doch schon mitten in der Vorbereitung für die neue Saison …
Dann muss ich mit Ludo wohl über einen Jokertag reden (lacht).

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
19
16
40
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
19
16
37
3
FC Lugano
FC Lugano
19
5
33
4
FC Basel
FC Basel
19
8
32
5
BSC Young Boys
BSC Young Boys
19
0
29
6
FC Sion
FC Sion
18
4
27
7
FC Zürich
FC Zürich
19
-7
24
8
FC Luzern
FC Luzern
19
0
21
9
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
18
0
21
10
Servette FC
Servette FC
18
-6
20
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
19
-9
17
12
FC Winterthur
FC Winterthur
18
-27
10
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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