Winsley Boteli mit Jokerrolle bei Sion unzufrieden
0:21
«Trainer entscheidet»:Winsley Boteli mit Jokerrolle bei Sion unzufrieden

Winsley Boteli drängt von der Bank ins Rampenlicht
Darum winkt Sions Zahnspangen-Knipser Startelf-Debüt

Winsley Boteli ist hoch talentiert. Dennoch muss der Sion-Knipser mit der Zahnspange hartes Walliser Brot essen: Noch kein einziger Startelf-Einsatz. Das könnte sich bald ändern.
Kommentieren

Darum gehts

Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
RMS_Portrait_AUTOR_718.JPG
Alain KunzReporter Fussball

Fünf Tore. Drei im Cup, zwei in der Meisterschaft. Das ist Winsley Botelis (19) bisherige Ausbeute beim FC Sion. Das sieht auf den ersten Blick nicht unbedingt aus wie ein kommender Stürmerstar. Doch der Blick hinter die nackten Zahlen lohnt sich.

Der Mann aus Genf, der Servette mit 16 verliess, um in die Jugend von Borussia Mönchengladbach zu wechseln, ist der Backup des achtfachen Torschützen Rilind Nivokazi (25) als Sion-Stossstürmer. Über diese Rolle ist er bisher nicht hinausgekommen. Während der Kosovo-Italiener in der Meisterschaft in 18 von 18 Spielen in der Startelf stand, schaffte es Boteli noch nie in die Anfangsformation! Und auch im Cup durfte er nur bei Zweitligist Ajoie-Monterri von Beginn weg ran.

1/8
So jubelte Winsley Boteli nach seinem Siegtor beim FCZ im Juli ...
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

Mit 19 bereits U21-Nationalspieler

Und doch: Er schoss Sion als Joker im Cup-Achtelfinal in Aarau fast im Alleingang eine Runde weiter – mit zwei Toren in neun Einsatzminuten. Und er half mit seinen Toren mit, beim FCZ 3:2 zu gewinnen und in Luzern beim 3:3 einen Punkt zu holen. International ist er nach regelmässigen Einsätzen in der U17 bis U20, in denen ihm 14 Tore gelangen, mit 19 Jahren bereits in der U21 angekommen.

Winsley Boteli mit Jokerrolle bei Sion unzufrieden
0:21
«Trainer entscheidet»:Winsley Boteli mit Jokerrolle bei Sion unzufrieden

Seine Interviews, von denen er noch nicht Hunderte hat geben müssen, wirken nicht stromlinienförmig. So, wenn er sagt, dass er in Aarau noch auf der Bank wusste, dass Sion gewinnen würde. «Ich wusste nur nicht wie. Aber der Cup ist im Wallis überragend wichtig. Solche Spiele müssen wir einfach gewinnen.» Das gelingt. Was bisher nicht gelingt, sind Einsätze von Beginn weg. «Jeder Spieler will doch von Anfang an spielen. Das ist auch mein Ziel. Aber der Trainer trifft diese Entscheidung. Als Spieler bin ich da, um einfach zu spielen.»

Erstaunlich auch die Antwort auf die Frage, ob Trainer Didier Tholot viel mit ihm spreche. Erst zögert Boteli zwei, drei Sekunden, dann sagt er: «Ja und Nein. Ich bin jung. Er weiss, was ich kann. Wenn er denkt, ich könne der Mannschaft helfen, indem er mich bringt, dann mach’ ich mit. Aber ich mach’ auch mit, wenn er sich dagegen entscheidet. Ich muss ja noch lernen.» Überhaupt gehe es in einem ersten Profijahr in alle Richtungen. «Nach links, nach rechts, nach oben, nach unten. Da muss noch Konstanz rein.»

Boteli hat Fotos, aber keine Videos gesehen

Zweieinhalb Jahre war Boteli in Deutschland. Diese Zeit hat gereicht, um ihn ein sehr reifes Deutsch sprechen zu lassen. Das merkt man, wenn er mehrmals von der nötigen «Gier» spricht. Oder wenn er vom Ziel Cupsieg redet. «Wir spielen den Cup nicht, um zu verlieren, sondern um ihn zu gewinnen.» Oder dies: «Wenn ich dem Verein mit Toren, mit einem Assist oder mit meiner defensiven Kontribution helfen kann, dann tue ich das gerne.» Und wenn er breit grinsend und strahlend von seiner bisherigen Zeit in Sion spricht, dann leuchtet auch die Zahnspange hell, die er noch trägt. Oder auch, wenn er von der Zeit schwärmt, als Sion regelmässiger Cupsieger war. «Ich habe Fotos gesehen, aber keine Videos. Das sieht schon richtig geil aus!» Die Place de La Planta hingegen kennt er nicht. Den Ort der Cupsieg-Partys.

CC junior will aus Boteli einen Weltklassestürmer machen

Auch Sportchef Barthélémy Constantin lobt seinen Schützling: «Ein sehr heller, intelligenter Kopf! Und sehr gut erzogen. Er hört dir zu. Ich habe von Beginn weg eine brüderliche Verbindung zu ihm gehabt. Wenn er so bleibt, wie er ist, wird er sein ganzes Leben geschätzt werden.»

Sollte es der FC Sion in den Cupfinal schaffen, könnte dieses Spiel Botelis letztes sein im Wallis. Er ist bis Ende Saison ausgeliehen. Es gefalle ihm zwar hervorragend im Wallis, aber: «Es kommt darauf an, was kommt. Alles ist offen.» Constantin junior würde ihn jedenfalls gern behalten: «Wir arbeiten daran, aus ihm zuerst einen Super-League-Spieler und danach einen Weltklassestürmer zu machen. Denn er hat enormes Talent.»

Was jedenfalls demnächst passieren wird: Boteli wird bald in der Startelf stehen. Denn im Cup-Viertelfinal gegen GC ist Nivokazi gesperrt. Und in der Meisterschaft steht er bei drei Gelben. Noch eine – und es ist Boteli-Time!

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
19
16
40
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
19
16
37
3
FC Lugano
FC Lugano
19
5
33
4
FC Basel
FC Basel
19
8
32
5
BSC Young Boys
BSC Young Boys
19
0
29
6
FC Sion
FC Sion
18
4
27
7
FC Zürich
FC Zürich
19
-7
24
8
FC Luzern
FC Luzern
19
0
21
9
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
18
0
21
10
Servette FC
Servette FC
18
-6
20
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
19
-9
17
12
FC Winterthur
FC Winterthur
18
-27
10
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen