Das Spiel
Die fünfminütige Nachspielzeit ist eine reine Zitterpartie. Dann bejubelt der FCZ den Befreiungsschlag. Das Team von Dennis Hediger liegt nun zehn Punkte vor dem Barrageplatz. Bei einer Niederlage wären es bloss vier gewesen. Die Zürcher gewinnen ein klassisches Sechspunktespiel – und das 293. Zürcher Derby. Die im Winter verstärkten Hoppers hingegen werden noch stärker in den Abstiegsstrudel gezogen.
Zum zweiten Mal in dieser Saison schlägt der FCZ die Hoppers. Die Revanche nach der heftigen 0:3-Ohrfeige vom 4. Oktober ist somit endgültig vollzogen. Erneut im Zentrum: Züri-Bueb Lindrit Kamberi. Beim 1:0-Sieg im November noch Siegtorschütze, schlägt der Verteidiger nun die punktgenaue Flanke auf 1:0-Torschütze Reverson.
Der FCZ ist an diesem Derbyabend eiskalt, die Führung fällt klar entgegen des Spielverlaufs. Nach einem faden Start ist es eigentlich GC, das stärker ist. Asp Jensen packt den ersten Schlenzer aus – FCZ-Goalie Huber eine starke Flugeinlage (27.). Zwei Minuten später vergibt Frey eine gute Chance.
Mentalitätsmonster Michael Frey? Der Schweiz-Rückkehrer wurde rechtzeitig aufs Derby wieder fit. Doch sein Einsatz kommt wohl zu früh. Schon zur Pause muss der 31-Jährige draussen bleiben. Trotz Rochaden fehlen GC in der Folge etwas die Emotionen. Nach dem zweiten Gegentor geht kaum mehr was – bis zum Anschlusstor durch Plange in der Schlussphase (81.).
Das Tor ist der Glockenschlag für eine hochspannende Schlussphase. Bis tief in die Nachspielzeit zittert der FCZ und bibbern die Hoppers. Nach einem heruntergepflückten Ball von Huber ertönt der Schlusspfiff.
Während Hediger durchatmen kann, wird der Druck für GC-Coach Gerald Scheiblehner nur noch grösser. Die Sieglos-Serie seines Teams in der Liga verlängert sich auf acht Spiele. Der Punkteschnitt des Österreichers war schon vor der Partie unter eins, nun sinkt er weiter.
Die Tore
31. Minute, Damienus Reverson, 0:1. Lindrit Kamberi flankt butterweich in die Mitte. Damienus Reverson schliesst freistehend per Kopf erfolgreich ab. Die GC-Verteidiger Abdoulaye Diaby und Mouhamed El Bachir Ngom lassen den Torschützen zu einfach gewähren.
51. Minute, Philippe Kény, 0:2. GC will sich hinten rauskombinieren. Das geht schief, weil Alexander Hack Ngoms Pass abfängt und direkt Philippe Kény anspielt. Bei der Ballannahme dreht sich Kény und schliesst daraufhin mit einem unhaltbaren Schlenzer gekonnt ab.
81. Minute, Luke Plange, 1:2. Nach dem Fehler im Aufbau von Nelson Palacio greift GC über die linke Seite an. Salifou Diarrassoubas Pass in die Mitte holpert an diversen Beinen vorbei bis zu Luke Plange, der aus vier Metern mit dem Aussenrist verkürzt. Hack kann für den FCZ nicht retten.
Die Stimmen
Dennis Hediger (FCZ-Trainer) gegenüber SRF: «Wir haben drei Derbys gespielt, zwei davon gewonnen. Das ist eine gute Bilanz. Die Jungs sollen das jetzt geniessen. Das 1:0 kam zum richtigen Zeitpunkt, es gab uns viel Luft. Dass wir mit einem einfachen Ballverlust den Gegner fast noch zurückholen, passt zur Saison. Wir sind nicht so stabil, nicht so konstant, wie wir sein möchten.»
Maximilian Ullmann (GC) gegenüber SRF: «Wir haben uns mehr vorgenommen. Wir kommen in der zweiten Halbzeit gut raus, kriegen dann das zweite Gegentor. Wir haben bis zum Schluss gefightet. Mit ein wenig mehr Glück, vielleicht, wenn noch einer durchrutscht, fällt der Ausgleich.»
Gerald Scheiblehner (GC-Trainer) gegenüber SRF: «Wir sind zurecht enttäuscht, weil es nicht gut genug war. Wir haben ganz gut begonnen, geraten dann aus dem Nichts in Rückstand. Trotzdem wars mir auch zu diesem Zeitpunkt nicht aggressiv genug, zumindest von einigen Spielern. Dann kann so ein Spiel kippen.»
Der Beste
Silas Huber. Der FCZ-Keeper zeigt eine starke Reaktion auf den dicken Patzer vor einer Woche beim 1:4 gegen Luzern und lenkt den Schuss von Jonathan Asp Jensen in der 27. Minute mirakulös um den Pfosten. Damit verhindert er den FCZ-Rückstand, danach kippt die Partie.
Der Schlechteste
Emmanuel Tsimba. Die YB-Leihgabe ist der Unauffälligste einer über weite Strecken schwachen GC-Offensive.
Das gab zu reden
Vor der Pause ist Philippe Kény praktisch unsichtbar – und dies, obwohl er grellgelbe Schuhe trägt. Kurz nach der Pause schlägt der Stürmer mit einem herrlichen Schlenzer eiskalt zu und sorgt mit dem 2:0 für die Entscheidung im 293. Zürcher Derby. Was auffällt: Plötzlich trägt der Senegalese dunklere, rote Schuhe. Der Schuhwechsel hat sich gelohnt.
Die Fans
Auf den Rängen ist die ersten 25 Minuten mehr los als auf dem Feld. Die Südkurve zelebriert vor Anpfiff eine wunderbare Choreo, die GC-Kurve hält mit einem kleinen Feuerwerk dagegen. Später fordern die Fans der Hoppers mit einem Transparent den Rücktritt von Christoph Urech, den Chief Business Officer, mit dem es zu Beginn des Jahres zum Bruch gekommen war: «Urech es isch Ziit zum de Huet näh!»
Die Schiris
Luca Piccolo liegt zwar nicht bei jedem Entscheid richtig, bringt aber das Derby relativ souverän über die Bühne. Erst in der Schlussphase wird es hektisch.
So gehts weiter
GC empfängt am 1. März zu Hause Lugano. Diese Partie wird um 16.30 Uhr angepfiffen. Zeitgleich duelliert sich der FCZ auswärts im Wankdorf mit YB.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 25 | 29 | 58 | |
2 | FC St. Gallen | 26 | 19 | 47 | |
3 | FC Lugano | 25 | 11 | 43 | |
4 | FC Basel | 25 | 7 | 40 | |
5 | FC Sion | 25 | 7 | 37 | |
6 | BSC Young Boys | 25 | 2 | 36 | |
7 | FC Zürich | 26 | -11 | 31 | |
8 | FC Luzern | 25 | 1 | 30 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 25 | -2 | 30 | |
10 | Servette FC | 26 | -7 | 28 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 26 | -13 | 21 | |
12 | FC Winterthur | 25 | -43 | 14 |






