Das Spiel
Es beginnt schon schlecht für die Hoppers, bevor es begonnen hat. Erst fällt Schlenzerkönig Jonathan Asp Jensen kurzfristig krankheitshalber aus. Danach muss auch Lovro Zvonarek passen, und das noch viel kurzfristiger. Der Kroate verletzt sich beim Warm-up.
Natürlich zwei gewichtige Ausfälle im fragilen GC-Konstrukt. Und doch verkaufen sich die Zürcher gegen ein YB gut, das in genau derselben Aufstellung antritt wie beim 3:0 gegen den FCZ. Ein Novum unter Gerardo Seoane. Die Hoppers sind es, die erstmals einigermassen gefährlich vor dem gegnerischen Tor auftauchen. Und auch in der 27. Minute kreieren sie dank Tsimbas 22-Meter-Schuss eine gewisse Gefahr.
Doch für die wirklich heissen Dinger sorgen die Gäste. Captain Benito nutzt die Freiheiten eines Aussenverteidigers, indem er frech mit in den Strafraum geht und plötzlich dort an den Ball kommt. Diesen schlenzt der Linksfüsser aus der Drehung auf die Lattenoberkante. Apropos Schlenzer: Mit einem solchen besorgt Alvyn Sanches das 1:0. Der Waadtländer setzt sich nach einer halben Stunde nach einem Steckpass von Fernandes gegen Mikulic durch – und trifft meisterhaft. Was eigentlich erstaunt, misslingen dem Supertalent doch einige Dinge. Die Zahl der Stockfehler ist zu diesem Zeitpunkt ungewöhnlich hoch. Aber so ist das halt mit den Genies …
Alles andere als genial ist der Einsatz von Wüthrich gegen Ex-Teamkollege Tsimba, für den sich der Berner 20 Minuten vor Schluss seine zweite Gelbe Karte abholt. Für YB ist es bereits Platzverweis Nummer acht in dieser Saison. GC, bis dahin nur selten gefährlich, wittert plötzlich seine Chance.
Und weil es der umgestellten Berner Abwehr plötzlich an jeglicher Organisation fehlt, trifft Joker Ullmann mit einem feinen Schlenzer tatsächlich zum Ausgleich. Doch YB schlägt in Unterzahl noch einmal zurück, Males trifft kurz nach seiner Einwechslung. Doch weil Raveloson im Aufbau Abrashi fällt, wird das Tor zurecht wieder einkassiert.
So bleibts beim aus Berner Sicht enttäuschenden Unentschieden. Nach dem vermeintlichen Befreiungsschlag ist das aus YB-Sicht ein erneuter Dämpfer. GC bleibt trotz der schwierigen Vorzeichen zum dritten Mal in Serie ungeschlagen, wartet aber weiter auf den ersten Super-League-Sieg in diesem Jahr.
Die Tore
31. Minute, Alvyn Sanches, 0:1. Ein Pass von Edimilson Fernandes kommt bis zum an der Strafraumgrenze lauernden Alvyn Sanches durch. Da GC-Verteidiger Luka Mikulic Sanches nicht vom Ball trennen kann, schliesst dieser mit einem gekonnten Schlenzer in die weite Ecke ab.
79. Minute, Maximilian Ullmann, 1:1. Armin Gigovic will zum YB-Konter ansetzen, verliert aber an der Strafraumgrenze die Kugel. Maximilian Ullmann sieht seine Flanke von Loris Benito abgewehrt, kommt aber nach dem Zuspiel von Luka Mikulic nochmals in Ballbesitz – und entscheidet sich dieses Mal für einen Schlenzer, der letztlich zum GC-Ausgleich führt.
Der Beste
Es ist ja kein speziell gutes und kein speziell prickelndes Spiel. Aber die beiden Schlenzertore à la Asp Jensen sind in Abwesenheit des Dänen wunderschön. Wir wählen den Österreicher Maximilian Ullmann zum Besten, weil er seines als Joker macht.
Der Schlechteste
Nach zwei tollen Spielen ist Armin Gigovic wieder unteres Mittelmass. Offensiv sieht man ihn nur einmal, als er ein Luftloch schlägt. Defensiv ist er der Hauptverursacher des GC-Ausgleichs.
Die Stimmen
Marvin Keller (YB-Goalie) gegenüber SRF: «In der ersten Hälfte hat uns die offensive Durchschlagskraft gefehlt, da müssten wir zwei, drei Tore erzielen. GC veränderte in der zweiten Halbzeit das Pressing. Und gerade dann, wenn wir in Unterzahl sind, ist es logisch, dass sie noch mehr Druck machen. Schade, hat unser Lucky Punch ganz am Schluss nicht gezählt. Über die ganzen 90 Minuten gesehen, ist das Remis ok.»
Gerardo Seoane (YB-Trainer) gegenüber SRF: «Es wäre natürlich schön gewesen, wären wir in Unterzahl noch zu den drei Punkten gekommen. Vielleicht wars ein Foul, ich habe die Situation noch nicht im Video gesehen.»
Maximilian Ullmann (GC-Torschütze) gegenüber SRF: «Wir haben wieder alles reingehauen. Ich denke, es ist ein verdienter Punkt. Wenn wir ein bisschen Glück haben, hätten wir am Schluss noch mehr mitnehmen können.»
Gerald Scheiblehner (GC-Coach) gegenüber SRF: «Wir sind wieder zurückgekommen. Nach dem Cup-Fight am Dienstag haben wir gezeigt, dass wir eine fitte Mannschaft haben. Wir konnten während der Partie zulegen. Es freut mich, hat sich die Mannschaft wieder belohnt.»
Das gab zu reden
Debüt für den neuen Linksverteidiger Stefan Bukinac. Er kommt in der 63. Minute für Sandro Lauper. Für diesen rückt Loris Benito in die Mitte. Und kurz darauf ist der Captain der letzte verbliebene Innenverteidiger, als Gregory Wüthrich mit Gelbrot vom Platz fliegt. Trainer Gerardo Seoane muss ungeplant wechseln, weil ihm plötzlich ein Innenverteidiger fehlt. Es kommt Tanguy Zoukrou.
Die Fans
5284 sind im Letzigrund zugegen. Und es ist wie so oft bei Spielen von GC: Schliesst man die Augen, ist die Stimmung gut, dank einer gutgefüllten GC-Kurve und des vollen Gästesektors. Öffnet man die Augen und schaut sich um, fragt man sich: Kann das sein?
Die Schiris
Mirel Turkes macht einen Okay-Job. Ein, zwei Mal liegt er bei der Beurteilung eines Fouls nicht ganz richtig, und Monteiros Gelbe muss nicht sein. Das liegt im Rahmen. Die Gelbrote gegen Wüthrich geht in Ordnung, auch wenn der Berner den Ex-YBler Tsimba nicht kommen sieht, am Ende trifft er ihn beim Versuch den Ball zu spielen sehr hart – und den Ball überhaupt nicht. Dass der vermeintliche YB-Siegestreffer in letzter Minute von Males nach VAR-Intervention einkassiert wird, ist korrekt. Das Foul von Raveloson an Abrashi im Vorfeld ist klar.
So gehts weiter
Bereits am kommenden Dienstag steht GC wieder im Einsatz, dann messen sich die Zürcher in Luzern mit dem Tabellennachbarn aus der Zentralschweiz (20.30 Uhr). Auch YB hat in der 24. Runde ein Auswärtsspiel zu absolvieren, die Berner treffen am Mittwoch auf St. Gallen (20.30 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 22 | 22 | 49 | |
2 | FC Lugano | 23 | 11 | 41 | |
3 | FC St. Gallen | 21 | 14 | 38 | |
4 | FC Basel | 22 | 8 | 36 | |
5 | FC Sion | 23 | 6 | 34 | |
6 | BSC Young Boys | 23 | -2 | 33 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 22 | 2 | 28 | |
8 | Servette FC | 22 | -5 | 25 | |
9 | FC Zürich | 22 | -11 | 25 | |
10 | FC Luzern | 23 | -3 | 24 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 23 | -11 | 20 | |
12 | FC Winterthur | 22 | -31 | 14 |






