Das Spiel
Wenn du denkst, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo der FC Winterthur her. Wahnsinn, was die Winterthurer an diesem Abend alles tun, um dem strauchelnden FC Zürich wieder auf die Beine zu helfen.
Nach 26 Sekunden müsste Winterthur 1:0 führen. Aber Alexandre Jankewitz (24) und Théo Golliard (23) verstolpern wenige Meter vor dem Tor. In der Minute drei rennen zwei Winterthurer alleine auf FCZ-Goalie Silas Huber (20) los. Aber Andrin Hunziker (22) drischt den Ball in den Nachthimmel. Und als es der Winti-Stürmer in der 16. Minute besser macht, scheitert er an Huber.
Zu dem Zeitpunkt führt der FCZ bereits 1:0. Nevio Di Giusto (20) trifft vor den Augen seines Bruders Matteo (25), der als Zuschauer auf der Tribüne sitzt, zum ersten Mal in der Super League.
Es würde nicht zu diesem Abend passen, wenn der Treffer nicht mit freundlicher Unterstützung des FCW zustande käme. Rhodri Smith (19) patzt bei einer Kopfballabwehr. Dabei bleibt es nicht: Auch beim 2:0 durch Philippe Kény (26) sieht die YB-Leihgabe schlecht aus. Bledian Krasniqi (24) überläuft ihn mühelos. Danach lässt sich Goalie Stefanos Kapino (31) in der nahen Ecke erwischen.
Es sind Momente, in denen Patrick Rahmen (56) an seiner Berufswahl zweifeln muss. Der Trainer hat seinen Winterthurern alle Schlüssel in die Hand gegeben, um zu gewinnen. Aber seine Spieler wissen nichts damit anzufangen.
Eigentlich müsste der gesamte FC Zürich auf Knien nach Lourdes rutschen, um der Jungfrau Maria für diesen Abend zu danken. Aber es bleibt halt keine Zeit, weil schon am Wochenende das Spiel gegen den FC Luzern ansteht. In dieses dürfen die Zürcher nun mit etwas tieferem Puls steigen. Der Totalabsturz in der Tabelle ist erst einmal abgewendet.
Und der FCZ hat die letzten Tage genutzt, um sich breiter aufzustellen. Am Mittag wird der kosovarische Mittelfeldspieler Valon Berisha (33) aus Linz verpflichtet. Am Abend gibt Innenverteidiger Alexander Hack (32) ein solides Debüt.
Er hat einen besseren Einstand als FCZ-Meisterheld Mirlind Kryeziu (29). Der erlebt eine triste Rückkehr in den Letzigrund. Bei der Einwechslung gibt es Applaus von den Heimfans. Aber am Ende halt eine bittere Niederlage im Abstiegskampf. Vor allem, weil er ganz am Ende noch das Foul begeht, das zum Freistoss führt, den Kény zum 3:0 verwandelt.
Die Tore
7. Minute, Nevio Di Giusto, 1:0. Rhodri Smiths Klärungsaktion nach der Hereingabe von Philippe Kény misslingt komplett. So darf Nevio Di Giusto volley seinen ersten Super-League-Treffer erzielen.
29. Minute, Philippe Kény, 2:0. Bledian Krasniqi überläuft rechts aussen Rhodri Smith, als wäre es das Einfachste auf der Welt. Im Zentrum schleicht Philippe Kény seinem Bewacher Remo Arnold davon und spitzelt Krasniqis Flachpass am ersten Pfosten in die Maschen.
98. Minute, Philippe Kény, 3:0. Was aus elf Metern (Stefanos Kapino pariert den Penalty in der 83.) nicht klappt, funktioniert dafür aus deren 20. Philippe Kény schlenzt einen Freistoss wunderschön direkt ins Lattenkreuz.
Die Stimmen
Alexander Hack (FCZ) gegenüber Blue: «Dieser Sieg tut gut. Das sind die Spiele, die du gewinnen musst. Es war ein schwieriger Start. Wichtig war, dass wir das erste Tor machen.»
Dennis Hediger (FCZ-Trainer) gegenüber Blue: «Wir sind clever genug, dass wir jetzt erst einmal versuchen, Distanz nach hinten zu erschaffen. Dieser Sieg gibt uns mehr Sicherheit. Alexander Hack wird bestimmt von Woche zu Woche besser, er hatte aber heute schon einen grossen Impact.»
Mirlind Kryeziu (Winterthur) gegenüber Blue: «In den ersten fünf Minuten müssen wir schon mit 2:0 vorne liegen. Dann kassieren wir durch zwei Halbchancen zwei Tore in der ersten Halbzeit. Einfach bitter, wir haben uns viel vorgenommen.»
Der Beste
Nevio Di Giusto, der nur zum Handkuss kommt, weil Matthias Phaëton verletzt fehlt und das nutzt, um vor den Augen seines Bruders Matteo sein erstes Tor in der Super League zu schiessen.
Der Schlechteste
Rhodri Smith ist erst 19 und kann darum noch lernen. Aber bei beiden Toren des FCZ in der ersten Halbzeit sieht der Leihspieler der Young Boys uralt aus. Zur Pause wird er erlöst.
Das gab zu reden
Die Rückkehr von Mirlind Kryeziu etwas mehr als ein halbes Jahr nach seiner Verabschiedung. Und über ein Jahr nach seinem letzten Einsatz für den FCZ im Letzigrund. Der Innenverteidiger, der gerne zu jenem Klub zurückgekehrt wäre, bei dem er gross geworden ist, kommt als Neo-Winterthurer. Er tut es als Ersatzspieler, weil Trainer Patrick Rahmen eine Abwehr nicht frisch aufstellen will, die vor dem Kantonsderby gegen Lausanne und Lugano gut funktioniert hat. Als das Spiel für Winterthur praktisch verloren ist, darf Kryeziu in der 56. Minute dann doch aufs Feld. Er wird von den FCZ-Fans mit freundlichem Applaus empfangen und holt sich in der 97. Minute noch eine gelbe Karte, als er das Foul begeht, das zum Freistoss zum 3:0 führt.
Die Fans
Es werden 11'739 verkaufte Tickets gemeldet. Was merkwürdig klingt, macht mit Blick ins sehr leere Rund Sinn. Da sind wohl viele zu Hause geblieben, die auf der Gegentribüne eine Saisonkarte haben. Es ist für einmal eine eher maue Stimmung im Letzigrund.
Die Schiris
Sven Wolfensberger pfeift Körperkontakt gerne mal ab. Aber als Alexandre Jankewitz in Halbzeit zwei zu Boden sinkt, um einen Penalty zu verlangen, bleibt seine Pfeife zurecht stumm. Jankewitz wird sich an den Elfmeterpfiff gegen sich in einer ähnlichen Szene am letzten Sonntag erinnert haben. Aber da war es eben Luca Piccolo, der pfiff.
So gehts weiter
Der FCZ trifft in der 25. Super-League-Runde zu Hause auf Luzern, während Winterthur sich auswärts mit YB duelliert. Beide Partien finden am Samstag statt. Das Spiel im Letzigrund wird um 18 Uhr angepfiffen, dasjenige im Wankdorf um 20.30 Uhr.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 23 | 24 | 52 | |
2 | FC St. Gallen | 23 | 15 | 42 | |
3 | FC Lugano | 24 | 11 | 42 | |
4 | FC Basel | 23 | 9 | 39 | |
5 | FC Sion | 23 | 6 | 34 | |
6 | BSC Young Boys | 24 | -3 | 33 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 23 | 2 | 29 | |
8 | FC Zürich | 24 | -9 | 28 | |
9 | FC Luzern | 24 | -2 | 27 | |
10 | Servette FC | 24 | -7 | 26 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 24 | -12 | 20 | |
12 | FC Winterthur | 23 | -34 | 14 |






