Sehr ambitionierte Saisonziele
Lugano setzt sich selbst unter Druck

Die Lugano-Führung formuliert ausgesprochen hohe Saisonziele. «Könnte ich nicht mit den hohen Erwartungen klarkommen, wäre ich am falschen Ort», sagt Trainer Croci-Torti.
Publiziert: 23.07.2023 um 09:12 Uhr
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Lugano-Sportchef Carlos Da Silva formuliert an der Vor-Saison-Pressekonforenz ambitionierte Ziele.
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Michael WegmannStv. Fussballchef

Ambitioniert ist noch untertrieben. Auf dieses Fazit kommt, wer die Vorsaison-Pressekonferenz des FC Lugano im Kulturzentrum LAC verfolgt, wo auch die Saisonziele ausformuliert werden. Anscheinend hat man sich in der Führungsetage des Klubs darauf geeinigt, die Saisonziele sehr offensiv zu formulieren. Sportchef Carlos Da Silva (39) – als Fussballer im offensiven Mittelfeld zu Hause – geht in den Angriffsmodus über. Er sagt: «Unser Ziel ist, in der Meisterschaft in die Top 3 zu kommen, wieder in den Cupfinal zu kommen und diesen auch zu gewinnen, und in Europa wollen wir versuchen, die Gruppenphase zu überstehen und auch im Frühling noch dabei zu sein.»

Da Silvas Ziele sind derart forsch, dass im Tessin schnell der Scherz die Runde macht, Lugano hätte sich im Geheimen schon mit Romelu Lukaku als Leihspieler von Chelsea geeinigt. Ist natürlich nicht so. Luganos ehemaliger Cupsieger-Trainer Karl Engel (70), der seit Jahren im Tessin wohnt, findet die Zielsetzungen auch ungewöhnlich forsch, dennoch aber nachvollziehbar und legitim. «Man muss sich nicht immer kleiner reden, als man ist. Der FC Lugano hat zwei starke Saisons hinter sich und ist sehr stabil geworden. Wenn man mit Exponenten anderer Klubs spricht, merkt man, dass überall sehr viel Respekt vor Lugano da ist.»

Auch das Abschneiden in der letzten Saison mit Rang 3 in der Liga und dem Cupfinal-Einzug mache logischerweise Hoffnung. «Es heisst ja: Gleichstand bedeutet Rückschritt. Deshalb ist es gut, dass der Klub ambitioniert ist. Der Leistungsgedanke ist wichtig. Die Spieler sind nicht im Tessin, um Ferien zu machen», sagt Engel. Einzig der Cupsieg als Zielvorgabe passt ihm nicht so ganz. «So etwas ist ganz und gar nicht planbar. Ich denke, das ist eine Spielerei der Klubbosse, nicht viel mehr.»

Engel: «Crus wird sicher Druck spüren»

Sässe er selbst noch auf der Trainerbank, würde Engel wohl anders reden. Denn für einen Trainer sind solch «unschweizerisch offensive Zielsetzungen» nicht wirklich angenehm. Je höher die Erwartungen, desto höher auch die Fallhöhe. Engel sagt: «Crus wird sicher den Druck spüren. Aber er hat die fast zwei Jahre, die er nun im Amt ist, sehr gute Arbeit geleistet. Ich traue es ihm zu, dass er mit der gesteigerten Erwartungshaltung umgehen kann.»

Mehr Druck. Das weiss auch Mattia Croci-Torti. «Ich muss damit klarkommen, mit hohen Zielsetzungen umzugehen. Wenn ich das nicht könnte, wäre ich am falschen Ort. Ich mache alles dafür, dass wir diese Ziele erreichen können. Falls wir's nicht erreichen, werden wir es zusammen analysieren.» Dennoch ist es kein Wunder, dass er den Ball aber so flach wie möglich halten will. Croci-Torti betont, dass es keine Selbstverständlichkeit sei, in Europa und in der Super League Resultate zu liefern. «Ich weiss von meiner Zeit als Assistenztrainer am besten, wie viel Energie die Europa-League-Partien am Donnerstag kosten können. Das konnten wir letzte Saison auch beim FC Basel und beim FC Zürich sehen.»

Start am Mittwoch gegen Stade-Lausanne

Lugano bisher als grossen Transfersieger zu bezeichnen, wäre vermessen. Die Abgänge von Doumbia (Chicago Fire) und Daprelà (FCZ) wiegen schwer. Kommt hinzu, dass jederzeit noch mit den Abgängen der Topstars Aliseda und Celar gerechnet werden muss. «Man sei für jeden Fall gewappnet», sagen die Verantwortlichen. Croci-Torti sagt: «Für unser intensives Programm muss das Kader sicher komplett sein.»

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Croci-Torti und Lugano starten verspätet in die Saison. Die Partie gegen Aufsteiger Stade-Lausanne-Ouchy wurden wegen zu vieler Grossanlässe übers Wochenende in der Region auf den Mittwoch verschoben. Das Spiel in der Pontaise dürfte zwar nicht der grosse Strassenfeger werden, Sicherheitskräfte bräuchte es dennoch.

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