Ein kecker Spruch und grosse Vergleiche
Vom Amateurfussball drei Etagen höher zum Super-League-Grossklub: Die ersten Worte von Ex-Nati-Captain Stephan Lichtsteiner (42) als Cheftrainer von Basel vor den Kameras sind selbstbewusst. Weil für ihn der Fussball extrem wichtig sei und viel bedeute, mache er auch nicht immer Sprüche und Scherze. Einen gibts dennoch: «Wollen Sie eine Wohnung vermieten?», kontert er auf die Frage nach einem möglichen Umzug nach Basel. Die anschliessende Erklärung: Sei Frau und zwei Kinder seien in Wettswil verwurzelt, ein fixer Umzug nach Basel stehe deshalb nicht zur Frage.
Für Aufsehen sorgen nicht nur Lichtsteiners Worte, sondern auch jene von Sportchef Daniel Stucki, der ähnlich viel Redezeit hat. Er zählt Beispiele von Trainer-Neulingen auf Profibühne auf, die funktioniert haben: «Pep Guardiola hat ein Jahr im Nachwuchs gemacht und ist direkt bei Barcelona eingestiegen», sagt Stucki. Dem Risiko sei man natürlich bewusst, jemanden zu holen, der noch nie Profi-Trainer war. Doch er kenne Lichtsteiner bestens aus der Zeit als FCB-Nachwuchstrainer (2022 bis 24) und könne deshalb sagen: «Er ist sehr akribisch, detailversessen. Es hat mich dazumal schon ein bisschen an Lucien Favre erinnert, den ich noch als Trainer hatte.» Wieder ein grosser Vergleich.
«Nun in der Garderobe kennenlernen»
Wie gut kennt Lichtsteiner die Mannschaft schon? «Ich habe viel Super League geschaut, natürlich. Fussball wird immer eine grosse Leidenschaft für mich sein. Ich kenne die Mannschaften plus minus und es ist klar, dass ich gewisse Ideen schon im Kopf habe. Aber nun muss ich die Spieler in der Garderobe kennenlernen. Ein Trainerwechsel ist nie einfach für einen Spieler, das kenne ich noch aus meiner Zeit.»
Das waren die letzten Worte an der Vorstellungs-Pressekonferenz. Gleich steht für Lichtsteiner das erste Training an, das man auf den Nachmittag habe verschieben müssen.
Pickelharte Verhandlungen mit Wettswil?
Sportchef Stucki: «Stephan hat es vorbereitet. Natürlich haben wir den Kontakt gesucht. Wir sind sehr froh, wie sie reagiert haben, um Steph diese Chance zu ermöglichen. Aber wir sind immer noch im Austausch mit ihnen.»
Wo will Lichtsteiner ansetzen?
Lichtsteiner: «Es ist wichtig, der Mannschaft in den kommenden drei Spielen Optionen zu geben. Wo es eventuelle Räume gibt zum Spielen. Wo der Gegner gefährlich werden kann. Wie wir Chancen kreieren können. Das ist das Wichtigste in den nächsten Tagen.» Die drei Spiele? Pilsen in der Europa League, Leader Thun in der Liga und St. Gallen im Cup-Viertelfinal.
Ganz wie der Spieler?
Als Fussballer war Lichtsteiner immer sehr energisch. «Manche sagen sogar verbissen», meint der Reporter. «Ich glaube schon, dass ich ausserhalb des Fussballs nicht ganz ein böser bin. Ich bin schon lange verheiratet und habe zwei Kinder, die noch zu Hause wohne. Deshalb glaube ich, dass man schon mit mir leben kann. Aber der Fussball ist mir sehr wichtig und da ist nicht Zeit, immer Spässchen zu machen.»
Kecker Wohnort-Spruch von Lichtsteiner
Lichtsteiner wohnt in Wettswil, wo er das 1.-Liga-Team coachte. Ob er nun umziehen werde, will ein Reporter wissen. «Wieso, willst du mir eine Wohnung vermieten?», die prompte Antwort. Dann ernst: «Meine Kinder gehen in Zürich zur Schule, meine Frau und sie werden sicher dort bleiben. Ich werde schauen, wie ich es machen werde. Aber fix nach Basel ziehen werde ich wegen der Kinder nicht.»
Es geht Schlag auf Schlag
«Ich habe meine Spielphilosophie, die ich über lang hinbringen will.» Natürlich seien aber aktuell die nächsten drei Prüfungen wichtig. Pilsen in der Europa League am Donnerstag als Gast, dann Leader Thun im Joggeli am Sonntag, dann das Cup-Viertelfinal in St. Gallen. Das seien aktuell die Hauptaufgaben. Dann erst gehe es laufend darum, seine Spielidee weiter zu festigen.
Noch laufende Ausbildung bei Lichtsteiner
In Schlussphase zum Trainerdiplom in Italien. «Ich werde die finale Prüfung im Sommer ablegen.» Lässt sich die Ausbildung vereinbaren mit dem neuen, anspruchsvollen Trainerjob? «Es sind noch 2,3 Stages und in den Ferien im Urlaub noch ein paar Tage. Aber das ist alles organisiert und machbar. Das war natürlich ein Teil der Abklärung vor der Zusage hier. In Italien gibt es auch viele aktive Trainer, die dort im Kurs sind.»
FCB-Sportchef selbstkritisch
Daniel Stucki nimmt nochmals Bezug auf die Trennung von Ludovic Magnin, der erst seit Sommer in Basel war. «Im Nachhinein würde ich sagen, wäre es wichtig gewesen, dass er jemand in der Entourage hat, der seine Gedanken direkt versteht. So kam er in ein gemachtes Double-Sieger-Umfeld, in dem schon vieles eingespielt war. Da hat es Zeit gebraucht auch für die Ideen von Ludo. Aber ich habe ihn 24/7 bis zum letzten Tag unterstützt und viele Sachen wegblockiert, die schon letztes Jahr aufgekommen sind.»
Grosser Trainer-Vergleich von Daniel Stucki
Der FCB-Sportchef kennt Lichtsteiner schon gut aus der Zeit des neuen FCB-Trainers im Basler Nachwuchs 2022 bis 2024. Seine Erinnerung: «Er ist sehr akribisch, detailversessen. Er hat mich dazumal schon ein bisschen an Lucien Favre erinnert, den ich noch als Trainer hatte.»
«Dominanter Fussball»
«Ich bin der Überzeugung, dass du dominanten Fussball spielen musst, wenn du über Jahre Erfolg haben willst.» Beim FCB zählen natürlich die Titel, meint Lichtsteiner.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 21 | 21 | 46 | |
2 | FC Lugano | 21 | 11 | 39 | |
3 | FC St. Gallen | 20 | 14 | 37 | |
4 | FC Basel | 21 | 9 | 36 | |
5 | FC Sion | 21 | 6 | 32 | |
6 | BSC Young Boys | 21 | -5 | 29 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 21 | 3 | 28 | |
8 | FC Zürich | 21 | -8 | 25 | |
9 | Servette FC | 21 | -5 | 24 | |
10 | FC Luzern | 21 | -3 | 22 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 21 | -11 | 18 | |
12 | FC Winterthur | 20 | -32 | 10 |

