Keiner will schuld sein
Blamabler Rasen-Skandal beim FC Winterthur

Im Sommer erst ersetzte die Stadt Winterthur den Rasen auf der Schützenwiese für 940'000 Franken. Nun ist klar: Er taugt nichts. Die Leidtragenden sind die Spieler.
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Hier war der Rasen auf der Schützenwiese noch einwandfrei.
Foto: Sven Thomann

Im September 2020 wars, als der grüne Winterthurer Sportstadtrat Jürg Altwegg den neuen Rasen auf der Schützenwiese einweihte. Der alte Rasen war nach 13 Jahren ersetzt und mit einer neuen Bewässerungsanlage ausgestattet worden – auch auf Druck der Liga. 940'000 Franken investierte die Stadt Winterthur. Umgebaut wurde im Juni und Juli. Da Corona die Sommerpause nach hinten schob, trugen die Winterthurer ihre Heimspiele in der Umbauphase im Zürcher Utogrund aus. Und freuten sich, die neue Saison auf neuem sattem Grün bestreiten zu können.

Auch die Offiziellen frohlockten. Altwegg sprach von «besonderem Stolz» auf die Bewässerungsanlage her, die landesweit ihresgleichen suche. Und FCW-Präsident Mike Keller fühlte sich gemäss «Landbote» an einen englischen Rasen erinnert. «Ich bin versucht, die Nagelschere auszupacken für den Feinschliff», habe er gescherzt.

Der Rasen taugt rein gar nichts

Die Scherze sind den Winterthurern längst vergangen. Die Temperaturen sanken, der Regen fiel, die Spieler grätschten – und die Mängel am Rasen wurden offenkundig. Nach einem Spiel gegen Chiasso glich das Geläuf einem Schlachtfeld. Rasenfetzen zuhauf waren herausgerissen. Anfang Dezember schliesslich untersagte die Stadt Winterthur dem FCW, das Heimspiel gegen den FC Thun auszutragen. Sie befürchtete massive und teure Folgeschäden – gut zwei Monate nach der salbungsvollen Eröffnung und nach gerade mal vier Spielen! Höchst blamabel.

Schuld will offenbar keiner sein. Einen Grund aber nennt Dave Mischler, Leiter des Sportamts Winterthur. Er sagte zum «Landboten», dass der neue Rasen noch nicht genug mit dem Unterbau verwachsen sei. Beim FCW spricht man von einer «Schönwetteranlage». Oder konkret: Der Rasen taugt rein gar nichts.

Die Leidtragenden sind die Spieler des FCW. Die mussten kurzfristige Absagen erdulden, Platztausche hinnehmen wie beim letztlich triumphalen Cupspiel in Basel vor rund zwei Wochen.

Auch das heutige Spiel gegen den FC Wil findet nicht auf der Schützenwiese statt. Sondern in der Ostschweiz. Auf Kunstrasen. (mis)

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