Vertragsverlängerung bis 2027: «Ich will mit dem Meistertitel und Granit aufhören»(00:47)

«Ich war enttäuscht»
Taulant Xhaka spricht über Vertragsverhandlungen mit Degen

Vor einer Woche war Taulant Xhaka noch enttäuscht vom FCB. Weil er dachte, der Klub wolle ihn zum Karriereende drängen. Was danach passierte und wie es zur Vertragsverlängerung bis 2027 kam, verrät das rot-blaue Urgestein im Exklusiv-Interview.
Publiziert: 24.02.2023 um 17:25 Uhr
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Aktualisiert: 24.02.2023 um 20:35 Uhr
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Grenzenlose Freude bei Taulant Xhaka nach dem Weiterkommen gegen Trabzonspor. Das FCB-Urgestein ordnet den Sieg gegen die Türken in die Top 5 seiner Highlights mit Rot-Blau ein.
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Sebastian WendelReporter Fussball

Es ist 3.30 Uhr in der Nacht auf Freitag, als Taulant Xhaka das Handy zur Seite legt. Vorher ist an Schlaf nicht zu denken. Hinter dem FCB-Urgestein liegt ein Tag voller Emotionen: Erst das Ende des Zoffs zwischen ihm und Rot-Blau, resultierend mit der Vertragsverlängerung bis 2027. Und danach eine weitere magische Europacup-Nacht im Joggeli gegen Trabzonspor. Am Tag danach trifft Blick den 31-Jährigen zum Exklusiv-Interview.

Wo ordnen Sie das Weiterkommen gegen Trabzon in der langen Liste Ihrer Erfolge mit dem FCB ein?
Taulant Xhaka: Spielverlauf und Emotionen, es war krass. Das Spiel kommt in die Top 5 – neben dem 1:1 in Liverpool im Dezember 2014 und dem 1:0-Heimsieg gegen Manchester United 2017.

Vor einer Woche sah Ihre Welt noch alles andere als rosig aus ...
Sie meinen die Diskussionen um meinen Vertrag?

Genau.
Ganz ehrlich: Es war eine schwierige Zeit. Ich fühle mich fit. 2024 die Schuhe an den Nagel zu hängen, ist kein Thema. Aber noch vor ein paar Tagen war mein Gefühl, dass der FCB das von mir erwarten könnte. Ein anderes Trikot anziehen? Das will ich nicht! Für mich gibts nur den FCB! Ich war enttäuscht und fühlte mich nicht genug wertgeschätzt. Zum Glück hat sich dann alles als Missverständnis herausgestellt.

So einfach?
Wir hatten drei Gespräche. Im ersten versprach mir David Degen, dass ein verdienter Spieler wie ich das Karriereende selber bestimmen dürfe. Im zweiten ging es um meine zukünftige Rolle als Spieler. Ich verstand es so, dass ich schon in der nächsten Saison sehr wenig eingesetzt werde. Und interpretierte daraus, dass der FCB mich zum Karriereende drängt. Im dritten Gespräch haben wir nochmals bei Null angefangen und uns schnell gefunden. Der FCB ermöglicht mir, selber das Ende zu bestimmen. Und es liegt an mir, mich beim Trainer für Einsätze aufzudrängen.

Aber es bleibt bei der Perspektive, dass Sie nächste Saison im Mittelfeldzentrum hinter anderen anstehen müssen?
Mit meinen Emotionen, meiner Zweikampfstärke und meinem Einsatzwillen kann ich der Mannschaft auch in Zukunft auf dem Platz viel geben. Mir ist klar, dass ich bis 2027 nicht jedes Spiel bestreiten werde. Aber gerade diese Saison zeigt, dass ich nicht nur menschlich, sondern auch sportlich wertvoll sein kann.

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Waren Sie hässig auf Präsident David Degen?
Ich war enttäuscht, weil ebendieses Missverständnis in der Luft hing und nicht ausdiskutiert war. Und auch, weil es nach dem zweiten Gespräch lange keinen Kontakt mehr gab. Wären wir schneller wieder zusammengesessen, wäre es gar nicht soweit gekommen, das wurde uns allen klar. Das letzte Gespräch vor der Vertragsverlängerung war familiär und herzlich, überhaupt nicht wie ein Business-Meeting. Er hat mir seine Sicht erklärt, und da habe ich realisiert, dass wir gar nicht so weit auseinanderliegen.

Verzichten Sie mit dem neuen Vertrag auf Geld?
Der FCB ist mir und ich bin dem FCB entgegengekommen. Mir gings nie ums Geld. Ich wollte einfach die Sicherheit, dass ich selber entscheiden kann, wie lange ich spiele. Und das wird länger als 2024 sein.

Tatsächlich bis 2027?
Das hängt vom Körper und meiner Motivation ab. Wenn ich in zwei Jahren merke, dass es nicht mehr geht, dann ich höre ich dann auf. Da bin ich ehrlich zu mir und zum FCB.

Mit Ihnen bleibt dem Klub viel FCB-DNA erhalten. Wünschen Sie sich künftig mehr davon?
Das hoffe ich. Spieler, die hier geboren wurden und dem Klub treu bleiben. Leider ist es sehr selten geworden, dass ein Spieler die ganze Karriere bei seinem Stammklub verbringt.

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FCB-DNA hat auch Ihr Bruder Granit. Mit der Vertragsverlängerung wird der Wunsch, mit ihm zusammen das rot-blaue Trikot zu tragen, wieder realistischer.
Wir reden oft darüber. Er ist bis 2024 an Arsenal gebunden, vielleicht verlängert er nochmals um ein Jahr. Aber dann wäre es möglich, spätestens 2026 müsste er aber kommen (lacht). Sein Wunsch ist es auch, nochmals für den FCB aufzulaufen, gemeinsam mit mir. Auch wenn es nur für zehn Minuten wäre: Dafür werde ich alles tun.

Und danach werden Sie Trainer?
Spielerberater wäre auch spannend, aber momentan tendiere ich zum Trainerjob. Der Plan ist, die Ausbildung und erste Schritte im FCB-Nachwuchs zu machen.

Mit Niko und Robert Kovac gibt es bereits ein berühmtes Brüder-Trainer-Duo. Können Sie und Granit sich das auch vorstellen?
Auch darüber haben wir geredet. Eine schöne Vorstellung. Granit hat bereits mit der Ausbildung begonnen.

Wer wäre Chef und wer Assistent?
Ganz klar Granit der Chef. Er denkt schon heute wie ein Trainer. Ich bin der lockerere Typ, immer zu haben für ein Spässchen – und wäre damit die ideale Verbindung zwischen Granit und den Spielern.

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Apropos Trainer: Der FCB sucht gerade einen. Wie muss der in Ihren Augen sein?
Wie Heiko Vogel! In der Doppelrolle als Sportchef und Trainer hat ers nicht einfach, aber er macht gerade einen riesigen Job und weiss, wann er ernst sein muss und wann Lockerheit angesagt ist. Alle Spieler haben wieder Selbstvertrauen. Wir haben auch unter Alex Frei gut gespielt, aber die Resultate stimmten nicht, das schlägt dann logischerweise auf die Stimmung. Ich habe Alex viel zu verdanken, als ich als Junior zu den Profis kam, hatte er immer ein offenes Ohr. Er ist ein fantastischer Mensch und guter Trainer und wird noch viel Erfolg haben.

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