Es droht das Horrorszenario
FCB-Präsident Degen geht auf eigene Spieler los

Das 1:6 in St. Gallen vermiest Präsident David Degen die Laune. Weil dem FC Basel trotz Europacup-Höhenflug nun das Horrorszenario droht.
Publiziert: 16.05.2023 um 08:36 Uhr
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Aktualisiert: 16.05.2023 um 09:35 Uhr
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FCB-Präsident David Degen geht nach dem 1:6 in St. Gallen mit der Mannschaft hart ins Gericht.
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Sebastian WendelReporter Fussball

1:6-Abreibung und Absturz in die untere Tabellenhälfte: Doch bei den Spielern des FC Basel war das Fiasko in St. Gallen schnell vergessen. «Wenn wir in den Final kommen, ist das 1:6 egal», sagte Captain Fabian Frei mit Blick aufs Rückspiel im Conference-League-Halbfinal gegen Fiorentina.

Frei nach 1:6 Klatsche: «Es war von einigen Spielern zu wenig»(02:46)

Präsident David Degen hingegen hatte länger an der Pleite zu beissen. Weil das Horrorszenario nun näher rückt. Trotz glorreicher Europacup-Kampagne nächste Saison nicht international vertreten zu sein. Horrorszenario, weil der FCB auf die Einnahmen aus dem Europacup angewiesen ist. Und auf Transfererlöse, die nur dann lukrative Züge annehmen, wenn die Spieler sich auf dem internationalen Parkett präsentieren können.

Ohne Europacup-Einnahmen in der kommenden Saison muss der Klub im Sommer seine Juwelen wie Amdouni und Diouf wohl verkaufen, um finanziell den Kopf über Wasser zu halten. Trotz 40 Millionen Franken Zusatzeinnahmen (Transfers und Europacup) gab es im Geschäftsjahr 2022 einen Verlust von 1,2 Millionen Franken. Und Degen kündigte kürzlich an: «2023 wird das finanziell schwierigste Jahr der Klubgeschichte.»

Die Liga hat Priorität

Vor diesem Hintergrund sind Pleiten wie jene in St. Gallen für den FCB-Boss wie Nadelstiche. «Ich zittere jeden Tag vor dem Szenario, das internationale Geschäft zu verpassen», gab Degen an der Mitgliederversammlung am Montagabend zu. Und äusserte darauf seinen Unmut über den Auftritt in der Ostschweiz: «Ich wäre am liebsten nach 15 Minuten gegangen. So etwas darf uns nicht passieren! Die Meisterschaft muss oberste Priorität haben!»

Er, so Degen, trichtere seit Wochen jeden Tag allen beim FCB ein, dass die Liga der wichtigste Wettbewerb sei. Und Cup und Europacup nur ein schöner Zusatz. Degen weiter: «Ich denke auch, dass die Spieler meine Worte verstanden haben. Aber in St. Gallen haben einige sie wohl ignoriert. Wir hatten neun Wechsel im Vergleich zum Spiel drei Tage zuvor in Florenz. Und treten dann so auf. Mit der Einstellung der Spieler, die neu in die Startelf gerückt sind, habe ich ein Problem.» Zu den Kritisierten zählen klingende Namen wie Captain Fabian Frei, Torjäger Andi Zeqiri oder auch Topskorer Darian Males.

Indirekt nimmt Degen die Schuld für die zwei Gesichter des FCB in dieser Saison auch auf sich. Als Folge der Strategie, aus dem Klub einen Durchlauferhitzer für internationale Talente zu sein. «Es kann sein, dass junge Spieler aus dem Ausland das Europacup-Schaufenster dem Liga-Alltag vorziehen.» Er wünsche sich, so Degen zu den rund 1000 Mitgliedern im Saal, wie alle FCB-Fans den Finaleinzug in der Conference League. «Aber das Wichtigste sind drei Siege in den letzten drei Ligaspielen!»

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