Deshalb kam es zur absurden Entlassung in Yverdon
Amis haben Schällibaum dreingeredet

Marco Schällibaum ist nicht mehr Trainer von Yverdon Sport. Knall auf Fall. Was sind die Hintergründe dieser scheinbar absurden Entlassung? Die Antworten.
Publiziert: 31.10.2023 um 15:07 Uhr
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Marco Schällibaum muss bei Yverdon seine Siebensachen packen, was ihn unheimlich schmerzt.
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Alain KunzReporter Fussball

Trainerentlassung in der Super League! Alle erwarteten, dass sich hinter dieser Montagsschlagzeile der Name Heiko Vogel verbirgt. Doch diese wurde erst am Dienstag geliefert. Schneller war das kleine Yverdon Sport. Rühriger Aufsteiger in die Super League, der vor Saisonbeginn wegen eines heillosen Stadion-Chaos während des Umbaus des Stade Municipal wochenlang um seine Lizenz bangen und ins Exil musste.

Trotz allem sammelten die wackeren Kicker von Trainer Marco Schällibaum (61) emsig Punkte im Exil, zu Hause und in fremden Stadien wie im Stade de Genève, und verloren auch nicht gegen YB. 16 Punkte ist die Ausbeute. Dieselbe wie Spitzenklub Lugano. Wenn man dann noch sieht, dass «Schälli» 17 neue Spieler integrieren musste, ist das ein kleines Wunder.

«Das waren in Yverdon 16 unglaublich schöne Monate»

Doch mittlerweile hat Yverdon neue Besitzer. Gekauft hat den Klub der ehemalige CS-Banker Jamie Welch, aktuell CEO von Kinetik Holdings Inc., eine Gasfirma aus Houston in den USA. Erfahrung im Fussball-Business: null. Er installierte einen gewissen Jeffrey Saunders als Präsidenten, der als Boss des ebenfalls von den Amis aufgekauften GD Estoril Praia 2021 in die Primeira Liga aufstieg und danach den Klub verliess. Estoril ist heute Letzter. Saunders sieht sich als strategischen Berater von datenorientierten Sportfranchisen, spezialisiert auf Vermögensbewertung, Übernahmen und Management. Das Ziel des Duos: Yverdon unter die besten fünf der Super League bringen. Und nun diese frühzeitige Trainerentlassung von Schällibaum. Tags darauf wird Ex-Vaduz-Coach Alessandro Mangiarratti als Nachfolger verkündet.

Schällibaum sagt nicht viel zu seinem Schicksal. «Natürlich tut das enorm weh. Ich hätte die Mannschaft gerne auch am Dienstag wieder trainiert. Aber man nimmt immer auch das Positive mit. Das waren in Yverdon 16 unglaublich schöne Monate.» Viel mehr kann der Zürcher nicht sagen, solange sein Vertrag noch läuft. Es geht ja auch um Geld.

Goalie Breza spielte gegen Schällis Willen

Wenn man näher hinschaut, wird einem schnell klar, wo der Hund begraben liegt. Als Beispiel dient die Goaliefrage. Schällibaum setzte zuletzt wieder auf Kevin Martin (28), Waadtländer und Aufstiegsheld, der seit der Promotion League bei Yverdon ist. Zuvor hatte zweimal der von Bologna ausgeliehene Kanadier Sebastien Breza (25) das Tor gehütet, der einen höheren Marktwert besitzt und den die neuen Besitzer geholt hatten. Meist steht in solchen Fällen eine Kaufklausel im Leihvertrag. Dadurch wird Druck gemacht, dass der aus Sicht von Schällibaum schwächere Goalie spielen soll.

Schällibaum steht als ehemaliger Nationalspieler irgendwo auch für Fussball-Romantik. Dafür, dass der Bessere spielt. Egal, welchen Marktwert einer hat. Da kann man dann durchaus von nicht kongruenten Philosophievorstellungen sprechen, wie das im Entlassungs-Communiqué angedeutet wurde. Auf die Länge wäre das nicht gutgegangen, das ist klar. Weshalb Schällibaum auch irgendwie erleichtert sein dürfte über das Aus. So paradox das klingen mag.

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Auch Degennaro auf der Kippe

Und noch einer schwebt in totaler Unsicherheit: Generaldirektor Marco Degennaro. Der profunde Kenner des Schweizer Fussballs wurde zum einen in den Trainerentlassungsprozess kein bisschen eingebunden. Zum anderen hat er seine Kandidatur für die Wiederwahl ins Komitee der Swiss Football League zurückgezogen. Da zeichnet sich das nächste Opfer der Amis ab.

Credit Suisse Super League 24/25
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Basel
FC Basel
0
0
0
1
FC Lugano
FC Lugano
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0
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1
FC Luzern
FC Luzern
0
0
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1
FC Sion
FC Sion
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0
0
1
FC St. Gallen
FC St. Gallen
0
0
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FC Winterthur
FC Winterthur
0
0
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FC Zürich
FC Zürich
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0
1
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
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0
0
1
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
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1
Servette FC
Servette FC
0
0
0
1
BSC Young Boys
BSC Young Boys
0
0
0
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Yverdon Sport FC
Yverdon Sport FC
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