Heisse Frage an David Degen: «Bei welchem Angebot würden sie den Club verkaufen?»(00:54)

David Degen nach dem Fall auf den letzten Platz über Schultz, Vogel und Co.
FCB-Boss Degen ruft den Abstiegskampf offiziell aus!

FCB-Boss David Degen redet ausführlich, in der Sendung «Heimspiel» von Blue Sport. Mit dem klaren Bekenntnis: «Wir sind im Abstiegskampf!» Und wir wissen nun, dass der FCB weder einen Trainer noch einen Sportchef sucht.
Publiziert: 11.10.2023 um 21:30 Uhr
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Aktualisiert: 12.10.2023 um 18:55 Uhr
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David Degen konnte zu Beginn eine gewisse Unsicherheit im Blue-Talk nicht kaschieren, wirkte aber sehr offen.
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Alain KunzReporter Fussball

Der FC Basel liegt seit dem 0:3 bei Meister YB alleine auf dem letzten Platz. Da kann man als Klubboss auch mal Alpträume kriegen. David Degen (40) bekennt denn auch freimütig, dass er nach dem Spiel «sehr schlecht» geschlafen habe. «Und nicht nur diese Nacht, sondern mehrere.» Das Selbstbewusstsein, üblicherweise ein Markenzeichen des Lampenbergers, scheint wie weggeblasen. Degen wirkt fahrig und unsicher. Anders formuliert: Gezeichnet vom Misserfolg. «Die letzten Spiele haben mir persönlich zugesetzt. Denn ich bin einer, der nicht verlieren kann. Das hat wehgetan.»

So hat Degen die Muttenzerkurve noch nie erlebt

Moderator Stefan Eggli hat dasselbe auch an der Pressekonferenz zur Entlassung von Trainer Timo Schultz konstatiert: «David Degen hat da nicht gut ausgesehen. Es geht ihm ans Läbige.» Blue-Sport-Chefredaktor Andreas Böni bricht eine Lanze für Degen. «Jetzt gehen Shitstorms los. Man pisst ihm ans Bein. Als Mensch wird mit ihm unfair umgegangen.» Doch das könne auch ein Antrieb sein, Fehler nicht mehr zu machen, fügt Experte Rolf Fringer hinzu.

Negativer Höhepunkt dieser bislang verkorksten Saison ist aber nicht das Spiel im Wankdorf, sondern das 0:3 gegen Aufsteiger Stade-Lausanne-Ouchy im Joggeli. «So habe ich die Muttenzerkurve noch nie erlebt», sagt Degen. Und deutet an, dass die Situation schon vor dem Spiel sehr angespannt gewesen sei. Ohne auf Details einzugehen. «Das ging mir sehr nahe. Und das darf nie mehr passieren. In den Grundtugenden darf man keine Kompromisse machen. Wenn man da Abstriche macht, verstehe ich jeden frustrierten Fan.»

Den Frust von FCB-Edelfan Granit Xhaka, der via Social Media eine umgehende Wendung im Klub fordert, kommentiert Degen nicht. «Granit kann sagen, was er will. Wir nehmen das zur Kenntnis.»

Das strategische Defizit von 35 auf 8 Millionen runtergebracht

Auch zur Kenntnis nimmt Degen was Anderes: «Wir befinden uns im Abstiegskampf! Dem müssen wir uns stellen. Es ist nun viel mehr gefragt als Schönwetterfussball, als attraktiven Fussball zu zeigen. Einsatz, Wille, Glaube, positiv bleiben, zusammenfinden. Wir müssen so schnell wie möglich da raus. Das geht nur über harte Arbeit.»

Dann gehts um Heiko Vogel und den Vorwurf von Moderator Eggli, die Strategie des FC Basel sei vogelwild. «Die Strategie ist nicht vogelwild, sondern ganz klar. Als wir den Klub vor zweieinhalb Jahren übernahmen, war unsere Strategie, den Klub wirtschaftlich gesund aufzustellen. Wir haben das strukturelle Defizit von 35 Millionen runtergebracht. Nächste Saison sind es bloss noch acht Millionen. Es hat überall rausgeblutet, diese Blutung mussten wir stopfen. Und aus nichts viel machen.» Man habe dennoch nicht hinstehen können und sagen, man wolle sportlich keinen Erfolg haben. «Aber wir hätten demütiger auftreten müssen und den Leuten begreifbar machen, dass wir den Klub zuerst nachhaltig finanziell auf stabile Beine stellen, um daraus wieder zu wachsen.»

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«Habe nie den Kredit erhalten, den man erhalten sollte»

Es folgen erste Vorwürfe von Fans, ob sich Degen überlege, den Bettel hinzuschmeissen. Er wird hochemotional und sagt: «Ich habe den Kredit nie erhalten, den man bekommt, wenn man so viel Skin in the Game hat wie ich. Übers Geld, nicht schlafen, leiden, Emotionen. Ich stehe am Morgen auf und mache alles, damit dieser Klub auf die Beine kommt.» Sein Ego werde dem Erfolg nie im Weg stehen! «Und ich werde nie jemandem im Weg stehen.»

Zurück zum umstrittenen Vogel und der missratenen Trainerwahl. «Heiko hatte zwei Kandidaten. Der zweite war Schultz. Er konnte die Mannschaft auseinandernehmen. Jeden Spieler. Eindrücklich! Dennoch kamen uns die ersten Zweifel sehr früh. Es war ein Irrtum. Wir haben uns getäuscht. Er war nicht sich selber. Wir mussten zu diesem Schritt greifen.»

Basel sucht keinen Trainer. Basel sucht keinen Sportchef

Und danach habe man sogleich einen Coach gesucht. «Wir haben den Markt sondiert. Wenn man alles abwägt, kam Heiko zum Schluss, er mache es und übernehme die Verantwortung. Er kennt die Mannschaft zu hundert Prozent und hat die Spieler geholt.» Und, sucht Basel nun einen Trainer? Degen: «Nein, wir suchen keinen Trainer. Heiko ist Trainer.» Und einen Sportchef, weil Vogel sich die Rückkehr in den Sportchef-Job verbaut hat? «Stand jetzt nein. Wir wollen alles sauber analysieren und die richtigen Schlüsse ziehen», sagt Degen. «Ich kann über Heiko nur gut sprechen. Er ist impulsiv, klar, aber ein positiver Mensch.»

Schlusssequenz zu den Gerüchten über ausländische Investoren. Degen: «Es gibt Ausländer, die den Klub gerne kaufen würden. Aber es sind keine Angebote da. Wir suchen sie auch nicht.» Und wann wird der FCB wieder Meister? Degen schlagfertig: «xy.» Der Brunnen der offensiven Ansagen ist für den Moment komplett versiegt.

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(Die komplette Heimspiel-Sendung von Blue Sports können Sie unter diesem Link nachschauen)

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