Aggressionen im Tourbillon: Das Trikot von Mario Balotelli brennt(00:25)

Celestini beurlaubt, CC übernimmt
Beim FC Sion brennts mal wieder lichterloh

Land unter im FC Sion. Präsident Christian Constantin zieht nach dem sechsten sieglosen Spiel in diesem Jahr die Reissleine und beurlaubt Trainer Fabio Celestini.
Publiziert: 27.02.2023 um 20:08 Uhr
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Momentan nur beurlaubt, aber seine Zeit bei Sion ist wohl abgelaufen: Fabio Celestini.
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Christian FinkbeinerFussballchef

Mit zwei Sätzen meldet der FC Sion am Montag um 11.28 Uhr das, was sich nach dem 0:4 am Samstag gegen St. Gallen abgezeichnet und die Zeitung «La Nouvelliste» am Montagmorgen verkündet hatte. «Der FC Sion bestätigt die Beurlaubung von Fabio Celestini für eine Woche. In der Zwischenzeit übernimmt Christian Constantin die Mannschaft und wird in den beiden anstehenden Spielen gegen den FC Lugano auf der Bank des FC Sion sitzen.» Mehr ist nicht zu erfahren. Auch Präsident Constantin meldet sich auf Blick-Anfrage nicht.

Wie seinem Vorgänger Paolo Tramezzani wird auch Celestini eine Kanterniederlage gegen St. Gallen zum Verhängnis. Es ist die süsse Revanche von Peter Zeidler, der 2017 Opfer von CC’s Aktionismus wurde – trotz 1,93 Punkten pro Spiel. Seither erreichte kein Sion-Trainer eine nur annähernd ähnliche Quote wie Zeidler. Auch Nati-Trainer Murat Yakin, Stéphane Henchoz oder der italienische Weltmeister Fabio Grosso bissen sich am Schleudersitz der Liga die Zähne aus.

Mehrere Brandherde

Im Wallis herrscht das pure Chaos. Zwei Trainerwechsel, der Sturz auf Platz 9 – ex-aequo mit Aufsteiger Winterthur. Und auch die als Coup gefeierte Verpflichtung Mario Balotellis scheint nach hinten loszugehen. Der Italiener hat sich in den wenigen Monaten bereits die eine oder andere Eskapade geleistet. Seine Auftritte sind wenig inspiriert, körperlich wirkt der Superstar alles andere als fit.

Am Wochenende bekommt «Super Mario» die Wut der Fans zu spüren. Sie verbrennen das Trikot mit der Nummer 45. Balotellis Trikot in Flammen ist gar einer argentinischen Zeitung eine Schlagzeile wert. Die primitive Aktion steht symbolisch für den Zustand des Klubs. Im Wallis brennt es lichterloh. Constantins Drohung, sich 2024 zurückziehen, hängt wie ein Damoklesschwert über dem 13-fachen Cupsieger.

«Der Totomat entlässt die Trainer, nicht ich.» Es ist ein Zitat Constantins, das sich zu einem Bonmot entwickelt hat. Dieses gilt in den nächsten Tagen auch für den schillernden Sion-Präsidenten selbst. Nicht zum ersten Mal will er höchst persönlich an der Seitenlinie das Ruder herumreissen. Innerhalb von fünf Tagen empfängt Sion in Cup und Meisterschaft Lugano im Tourbillon. Zweimal geht es für Sion um viel. Ein Cupsieg könnte die verkorkste Saison retten. In der Liga gibt es zwar keinen direkten Absteiger, aber in der derzeitigen Verfassung sind die Walliser der heisseste Kandidat auf den Fall in die Barrage gegen den Dritten der Challenge League.

Celestini: 98 Tage im Amt

Dass Celestini noch einmal die Verantwortung für die Mannschaft übertragen wird, daran glaubt niemand, zumal er nur einen Vertrag bis Ende Saison besitzt. Die Tage des Waadtländers im Wallis sind gezählt. Nach 98 Tagen und nur sechs Pflichtspielen. Zwei Punkte lautet die magere Bilanz des Hobby-Tänzers, der sich auch um die Aufgabe als Trainer der Frauen-Nati bemühte, letztlich aber gegen Inka Grings das Nachsehen hatte.

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Überrascht dürfte Celestini über seine Absetzung nicht sein. «Die Trainer leben von Woche zu Woche und sind entsprechend abhängig von den Ergebnissen. Wir sind auf Gedeih und Verderb auf diese angewiesen», sagte er am Samstag nach dem 0:4 gegen St. Gallen. Auch er konnte den unter Tramezzani begonnenen Abwärtstrend nicht stoppen. Seit Mitte Oktober wartet Sion auf einen Sieg in der Liga. Nun muss es CC richten. Es liegt am Präsidenten, das Feuer zu löschen, ehe sich dieses zu einem Flächenbrand entwickelt.

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