Bitcoin? Gold? Aktien? Fussballerbeine!
Weshalb der Erfolg des FC Thun in die Zeit passt

Der FC Thun wird Meister. Und passt perfekt in die Zeit. Die Kolumne von Felix Bingesser.
Kommentieren
Mauro Lustrinelli steuert mit dem FC Thun auf den Meistertitel zu.
Foto: keystone-sda.ch
Blick_Portrait_2631.JPG
Felix BingesserReporter Sport

Man reibt sich die Augen schon länger nicht mehr, wenn man dem FC Thun zuschaut. An den Aufstand der aufständischen Berner Oberländer hat man sich gewöhnt. Dass die Konstanz und der Erfolg nicht auf einer zufälligen Glückssträhne basieren, haben auch die «Experten» zur Kenntnis genommen, die den Aufsteiger vor der Saison als Abstiegskandidat Nummer 1 getippt haben.

«Trau keinen Prognosen, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen», hat Winston Churchill einst gewitzelt.

Der Durchmarsch der Thuner Aufsteiger und damit eine der grössten Sensationen in der Geschichte des Schweizer Klubfussballs ist bald in Berner Granit gemeisselt. Der schicken Konkurrenz aus den Metropolen haben die Oberländer so richtig den Arsch versohlt. 

Dieser Zwergenaufstand erinnert an den FC Aarau. Der ist 1993 ebenfalls mit grossem Vorsprung Meister geworden, derweil die Grasshoppers mit Leuten wie Giovane Elber, Alain Sutter, Mats Gren oder Thomas Bickel um den Ligaerhalt gekämpft haben. Aarau war kein Aufsteiger. Schaffte aber vor der Meistersaison den Klassenerhalt nur in letzter Minute.

Der FC Thun passt perfekt in die Zeit. Und liegt international im Trend. Die Underdogs haben Hochkonjunktur. Klubs wie das norwegische Bodö Glimt mischen die Champions League auf, gewinnen gegen Manchester City, gegen Atlético Madrid, gegen Inter Mailand. In Schweden wird der Dorfklub Mjällby AIF Meister. Die alte Fussballweisheit, dass es im Fussball keine Kleinen mehr gibt, ist aktueller denn je.

Warum? Die Ausbildung der Fussballer wird immer professioneller und besser. Dazu sind auch die Trainer kleinerer Vereine in Sachen Taktik und Trainingslehre auf der Höhe der Aufgabe. Und erkennen: Wenn sich das Niveau der einzelnen Spieler immer mehr annähert, dann gewinnt im Gegenzug das Kollektiv immer mehr an Bedeutung. Allein zwei, drei herausragende Individualisten machen nicht mehr den Unterschied.

Der Aufstand der Fussballzwerge ist damit auch die Adelung des Mannschaftsgedankens. Geschlossenheit, gewachsene Strukturen, Teamspirit, Kontinuität im Klub und im Team anstelle von vermeintlich grossen Namen sind das Gebot der Zeit. Insofern ist der Erfolg der Thuner auch ein Sittengemälde der Super League.

Denn dort basteln und kutschieren sich die Ligakrösusse ins Verderben. Nicht nur, dass man sich von Thun eine lange Nase drehen lassen muss. Auch international droht die Super League zu verzwergen. In der Nationenwertung der Uefa ist man hinter Zypern zurückgefallen.

Warum machen es nicht alle so wie der FC Thun? Weil sich die grösseren Vereine darauf verständigt haben, dass der Fussball als Investitionsplattform goldene Zeiten verspricht. Das Mantra der Transfererlöse, der grüne Rasen als Handelsplattform.

Bitcoin? Silber? Gold? Aktien? Fussballerbeine locken mit schwindelerregenden Renditen! Und verdrehen den Klubbossen den Kopf. Leon Avdullahu wechselte im letzten Sommer für 8 Millionen von Basel nach Hoffenheim. Nach einem Dutzend guter Spiele in der Bundesliga verdoppelte sich sein Marktwert auf 17 Millionen.

Ein kontinuierlicher und nachhaltiger Aufbau einer Mannschaft ist auf diesem hektischen Personalkarussell allerdings unmöglich. 

Der Höhenflug der Vogellisis aus dem Berner Oberland bringt den Meisterpokal. Die Mannschaft ist der Star.

Noch näher dran an deinem Klub

Nutze das Feature «Follow My Team» für Fussball-Fans. Folge deinem Lieblingsverein in der Super League, der Challenge League oder aus den internationalen Top-Ligen, erhalte personalisierte Inhalte und verpasse keine Story mehr. Jetzt followen!

Nutze das Feature «Follow My Team» für Fussball-Fans. Folge deinem Lieblingsverein in der Super League, der Challenge League oder aus den internationalen Top-Ligen, erhalte personalisierte Inhalte und verpasse keine Story mehr. Jetzt followen!

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
25
29
58
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
26
19
47
3
FC Lugano
FC Lugano
25
11
43
4
FC Basel
FC Basel
25
7
40
5
FC Sion
FC Sion
25
7
37
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
25
2
36
7
FC Zürich
FC Zürich
26
-11
31
8
FC Luzern
FC Luzern
25
1
30
9
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
25
-2
30
10
Servette FC
Servette FC
26
-7
28
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
26
-13
21
12
FC Winterthur
FC Winterthur
25
-43
14
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen