Bickel nach Nati-Auftaktsieg: «Immer, wenn Muri kritisiert wird, ist er am stärksten»(02:04)

Was für ein EM-Start der Nati!
Goldhändchen Yakin setzt Ungarn schachmatt

3:1-Sieg gegen Ungarn, die Nati legt in Köln einen Traumstart an der EM hin. Dank Murat Yakin – der Nati-Trainer setzt Ungarn mit seinen taktischen Schachzügen schachmatt.
Publiziert: 16.06.2024 um 00:42 Uhr
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Aktualisiert: 16.06.2024 um 11:47 Uhr
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Schweizer Jubel in Köln: Die Nati gewinnt ihr EM-Startspiel gegen Ungarn mit 3:1.
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Christian FinkbeinerFussballchef

Gambler, Bauchmensch, Taktikfuchs. Es sind die Attribute, die immer wieder fallen, wenn über Trainer Murat Yakin (49) gesprochen wird. In seinem ersten EM-Spiel als Nati-Trainer wird er seinem Ruf gerecht. Yakin überrascht im Startspiel alle – auch sein Gegenüber, Ungarns Trainer Marco Rossi.

Der Nati-Coach bringt im linken Couloir Michel Aebischer und zaubert als Sturmspitze Kwadwo Duah aus dem Ärmel. Der Stürmer aus der bulgarischen Liga, der zuvor gerade einmal 45 Minuten gegen Estland in der Nati gespielt hat. Zeki Amdouni und Xherdan Shaqiri müssen in den sauren Apfel beissen.

Yakins Poker geht auf – und wie! 12. Minute, Traumpass von Aebischer auf Duah, der Peter Gulacsi souverän bezwingt. Ein kurzes Zögern, weil der Schiri-Assistent die Fahne gehoben hat. Sekunden später liegen sich Yakin und sein Assistent Giorgio Contini aber in den Armen – der VAR hat korrigierend eingegriffen. Dem Tor gehen 22 Schweizer Pässe voraus. Der dritthöchste Wert an einer EM laut den seit 1980 erhobenen Daten. Was für ein Start in die EM!

Yakin mag lieber Schach statt Poker

Die Nati hat das Geschehen im Griff, spielt kontrolliert und kreiert dank seines variablen Spiels auch Chancen. Vor allem mit Aebischers Position kommen die Ungarn überhaupt nicht klar. «Es gab ein taktisches Missverständnis, wir hatten mit diesem Positionswechsel nicht gerechnet», gibt Rossi unumwunden zu. Denn kurz vor der Pause sticht auch Yakins zweiter Trumpf. Aebischer schlenzt den Ball herrlich in die Maschen. Sein erstes Tor in der Nati – und was für eines.

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Er möge lieber Schach als Poker, sagt Yakin später an der Pressekonferenz. «Denn beim Pokern weisst du nie, was der Gegner für ein Blatt in der Hand hat.» Egal, was Yakin macht, an diesem Nachmittag geht alles auf, denn auch sein dritter Schachzug funktioniert. Eine Viertelstunde vor Schluss bringt er Breel Embolo, der erst seit dieser Woche wieder voll mit der Mannschaft mittrainiert hat. Und der Monaco-Stürmer macht in der Nachspielzeit den Sack zu. In seinem ersten Länderspiel seit der WM 2022 in Katar.

«Klar ist der Sieg eine persönliche Genugtuung», sagt Yakin, in Anlehnung an die harsche Kritik im vergangenen Herbst. «Ich habe Vertrauen in mich, aber wichtig ist das ganze Team. Nur zusammen können wir etwas erreichen.» Alles in Butter also? Laut Yakin nicht. «Mit der zweiten Halbzeit bin ich nicht zufrieden.»

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Grosse Chance gegen Schottland

Denn nach einer Stunde gerät die Nati unter Druck, die Ungarn deuten an, warum sie zuvor seit September 2022 in Pflichtspielen unbesiegt geblieben sind. Erst köpfelt Varga den Ball Zentimeter am Tor vorbei, drei Minuten später machts der ungarische Mittelstürmer besser. Yann Sommer zögert, Aebischer kommt zu spät: 1:2. Auch danach hat die Nati ein paar heikle Momente zu überstehen. Doch in Panik verfällt sie nicht, dank Abwehrchef Manuel Akanji und Fabian Schär, die trotz aufkommender Hektik die Übersicht nie verlieren.

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Das Achtelfinal-Ticket ist damit bereits zum Greifen nah. Ein weiterer Sieg am Mittwoch gegen Schottland, und die Nati kann unter normalen Umständen mit der K.o.-Phase planen. Dann ginge es zum Abschluss gegen Deutschland um den Gruppensieg. Doch das ist Zukunftsmusik. «Spiel für Spiel» laute das Motto dieser EM, sagte Captain Granit Xhaka bereits vor dem EM-Auftakt. Und: Es gehe gegen Ungarn darum, ein Zeichen zu setzen. Das hat die Nati getan. Dank einer überzeugenden Teamleistung. Und des goldenen Händchens von Murat Yakin.

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