Foto: TOTO MARTI

Er arbeitet für die Regierung
Und dann kam der Goalie aus der Fan-Kurve

Lange hält Gibraltar den Kasten dicht. Dann verletzt sich der Goalie – und ein Staats-Angestellter und Ex-Futsal-Spieler steht ins Tor.
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Kyle Goldwin fliegt nach seiner Einwechslung gleich reihenweise an den Bällen vorbei.
Foto: TOTO MARTI
Andreas Böni, Max Kern (Text) und Toto Marti (Fotos)

Nein, es ist lange nicht berauschend, was die Schweiz in der ersten Halbzeit bietet. Doch dann muss nach 25 Minuten Torwart Dayle Coleing (22) raus – und es kommt Ersatzmann Kyle Goldwin (34). Es ist der Start der Schweizer Tor-Gala – weil Goldwin immer, aber auch wirklich immer danebengreift.

Dabei war der zweifache Familien-Vater vor kurzem noch der Held – weil man in der tiefsten Klasse der Nations League in Armenien (1:0) und gegen Liechtenstein (2:1) siegt. Gegen Armenien hält er 34 Schüsse - und wird in Gibraltar plötzlich zur gefeierten Figur.

Nachts um halb drei geht er nach der Fussball-Sensation gegen Liechtenstein ins Bett. Und morgens um acht Uhr geht er schon wieder arbeiten.

«Stimmung ist unglaublich»

«Ich bin zwar rechtzeitig losgegangen, aber auf dem Weg zur Arbeit wurde ich immer wieder angehalten und die Leute haben mich umarmt!», erzählt er. «Ich habe quasi drei Jobs: Ich arbeite Vollzeit für die Regierung in Gibraltar, bin Ehemann und Vater zweier wunderbarer Kinder, dann trainieren wir täglich mit dem Verein.»

Der Staat Gibraltar hat nur 35 000 Einwohner. «Gibraltar feiert einfach nur. Die Stimmung ist unglaublich. Die Leute reden über nichts anderes, jeder umarmt mich immer noch, mein Telefon findet keine Ruhe», sagt Goldwin in einem Interview auf «fifa.com».

Feuert Team in Fan-Kurve an

Er – der ehemalige Futsal-Keeper – wird von den Teamkollegen «Chino» genannt. Und gegen die Schweiz erlebt er einen rabenschwarzen Tag.

Aber allein die Länderspiele sind für ihn ein grosser Traum. 2014, als Gibraltar in Irland erstmals ein internationales Spiel macht, geht er mit Vater, Onkel und Cousin privat zur Partie. Er feuert die Mannschaft in der Fan-Kurve an.

Chino gibt alles für sein Land. Gegen die Schweizer Stürmer war es für den Goalie von den Lincoln Red Imps trotzdem klar zu wenig, auch wenn er in der zweiten Halbzeit noch ein paar Paraden zeigte.

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Wegen Corona musste die Europameisterschaft um ein Jahr in den Sommer 2021 verschoben werden. Vom 11. Juni bis 11. Juli kämpfen die Schweiz und 23 weitere Mannschaften in elf Ländern um den Titel.

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