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Dieser Busfahrer lancierte Mehmedis Karriere
«Ich fälschte die Unterschrift unseres Vaters!»

Admir Mehmedi (28) ist Bundesliga-Profi und Nati-Star. Ohne seinen Bruder Arsim (34) wäre er das nie geworden. «Ich ging putzen, damit 
Admir Fussball spielen kann», erzählt er.
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Fussball faszinierte die Mehmedi-Brüder schon immer.
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Andreas Böni

Am Anfang steht die Flucht vor dem Krieg. 1993 zieht die Familie Mehmedi aus dem jugoslawischen Gostivar zum Vater in die Schweiz. Fünf Jahre wohnt Papa Emerli im Tessin und geht dabei volles Risiko: In der Heimat war der studierte Ökonom Direktor einer Holzfirma, hatte 300 Mitarbeiter. In der Schweiz beginnt er im Pferdestall. Danach wurde er «vom Stallburschen zum Tellerwäscher, vom Tellerwäscher zum Pizzabäcker», sagt Mehmedi dem Fussballmagazin «11 Freunde». Und erzählt weiter: «Wir wohnten in einem Wohnblock, zu viert in einer 60-Quadratmeter-Wohnung. Ich habe kein Taschengeld bekommen, nie. Dafür hätte das Geld einfach nicht gereicht. Bekam mein Vater mal zwei Franken Trinkgeld, ging er davon Bananen oder Äpfel einkaufen. Die Verhältnisse waren limitiert.»

Angefangen hat alles auf dem Pausenhof

Doch eines fasziniert die Jungs Arsim und Admir von Anfang an: der Fussball. Wie Admir es formuliert: «Angefangen hat alles auf dem Pausenhof in der Schule, da haben wir mit einem Stoffball gekickt. Einmal in der Woche, immer mittwochs, wenn wir am Nach­mittag schulfrei hatten, durften wir Kids bei Bellinzona mittrainieren. Allerdings kostete das einen Jahresbeitrag von 100 Franken. Und mein Papa hat sich geweigert, das zu bezahlen. Er wollte immer, dass ich in der Schule erfolgreich bin – und abseits davon durch nichts anderes abgelenkt werde.» In diesem Moment greift sein Bruder ein. Arsim sagt zu SonntagsBlick: «Ich habe die Unterschrift unseres Vaters gefälscht, dass Admir bei Bellinzona mittrainieren durfte.» Eine Aktion, die beim Vater nicht sonderlich gut ankam.

Doch Arsims Bruderliebe geht noch weiter: «Ich bin dann mit meiner Mutter arbeiten gegangen. Habe in einer Bar geputzt in den Ferien, damit ich das Geld für den Jahresbeitrag von Admir aufbringen konnte.»

Damals, sagt Arsim, habe man Admirs Talent noch nicht extrem gesehen. Als die Familie vor 17 Jahren dann nach Winterthur kommt, macht Mehmedi das Sportler-KV. «Ein zweites Standbein war mir immer wichtig. Ich war mir früh darüber bewusst, dass eine einzige Verletzung reichen würde, um meinen Traum zu beenden. Und vielleicht werde ich meinen Abschluss ja irgendwann auch noch brauchen. Ausserdem konnte ich damals nicht ahnen, dass ich meine Karriere in der Bundesliga verbringen würde. Wenn man zehn Jahre Profi in der Schweiz ist, hat man danach nicht zwangsläufig ausgesorgt. Von dem Geld, das man als Profi in der Schweiz verdient, kann man nicht ewig leben. Einige meiner ehemaligen Mitspieler des FC Zürich gehen heutzutage wieder ganz normal arbeiten.»

Umzug in die Deutschschweiz weil der Onkel Hilfe braucht

Dabei beginnt der Umzug in die Deutschschweiz mit einer schrecklichen Tat. Mehmedi sagt: «Mein Onkel Hasim führte 1999 ein Lokal in Seuzach. Als er eines Nachts gegen Mitternacht abschliessen will, wird er von bewaffneten Räubern überfallen. Sie nehmen ihm alles Geld weg – aber schlimm ist vor allem der psychische Schaden. Es ist die Szene, die mein ganzes Leben verändert hat.»

Der überfallene Hasim braucht Hilfe. Er bittet seinen Bruder, Mehmedis Vater, zu ihm zu kommen, um ihn im Restaurant zu unterstützen und ihm moralisch beizustehen. Es funktioniert – Onkel Hasim geht es heute wieder gut, er arbeitet mit seinem Sohn in einem Restaurant in Wiesendangen bei Winterthur. Und Familie Mehmedi bleibt in Winterthur.

Für Arsim ist der Umzug in die Deutschschweiz ungleich schwieriger als für Admir. Er ist damals 17: «Ich konnte kein Deutsch. Ich habe Bewerbungen hin und her geschickt, wurde aber wegen der Sprache nicht akzeptiert.» Erst arbeitet er beim Vater im Restaurant, dann in einer Fabrik. Und nun seit sechs Jahren als Buschauffeur in Winterthur. «Ein toller Job, der mich völlig ausfüllt», sagt er schon 2016 im BLICK.

Damals sitzt er im Bus, als sein Bruder Admir an der EM in Frankreich gegen Rumänien (1:1) ein Tor schiesst. Er hört es im Radio, jubelt. «Meine Fahrgäste haben gestaunt», sagt er. «Ich drehte durch im Bus. Die Gäste fragten mich, was los sei. Ich erzählte stolz von meinem Bruder, und alle freuten sich riesig mit mir.»

«Er hat mich immer beschützt»

Arsim und Admir reden jeden Tag mehrfach. «Er hat mich immer beschützt», sagt der Nati-Star. Inzwischen haben beide Kinder, Admir ist Papa von Noar und Nila, Arsim von Amir und Amira.

Und ihr gutes Herz hat sie nie verlassen. So erzählt er im Interview mit «11 Freunde» eine weitere unglaubliche Geschichte. Er versprach schon als kleiner Junge einer älteren Frau, ihr später mal ein Haus zu bauen, sollte er Profi werden. «Leider ist diese Geschichte irgendwann öffentlich geworden, das war nie das Ziel. Aber es stimmt: Ich habe als Achtjähriger, als ich mit meinen Eltern in Gostivar zu Besuch war, einer Frau dieses Versprechen gegeben.»

Die Entstehungsgeschichte schildert er so: «Wir waren damals bei der Frau eingeladen, im Rahmen einer Hochzeit. Ihr Haus glich einer Notunterkunft, es war extrem ärmlich. So etwas hatte ich in der Schweiz noch nie gesehen. Damals fragte ich meine Eltern: ‹Warum sieht es hier so aus?› Sie erklärten mir, dass sich die Familie nichts anderes leisten könne. Ich sagte: ‹Wenn ich eines Tages Fussballer werde, baue ich der Familie ein Haus.›»

Die Mustafis (Grosseltern, Kinder, Enkel – total sechs Personen) teilten sich zwei Betten in einem Zimmer. Es gab keine Küche, kein Bad, berichtete TV Globi. «Es war ein Stich ins Herz», sagte Mehmedi damals zu BLICK. «Es hat reingeschneit und reingeregnet.» Sein Papa kümmerte sich dann um den Hausbau, ein mazedonischer TV-Sender machte es gegen den Willen Mehmedis öffentlich. «Das entspricht nicht meinem Charakter», sagt Mehmedi zu SonntagsBlick.

Heute trifft Admir Mehmedi in der EM-Qualifikation mit der Nati auf Gibraltar. Und wenn ihm ein Tor gelingt, gehört dieses auch ein wenig Arsim, seinem Bruder, dem Busfahrer von Winterthur.

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