Das neue Leben von Hitzfeld-Assistent Michel Pont
Sterbebegleiter statt Nati-Coach

Seit drei Jahren lehnt Michel Pont (63) jedes Job-Angebot ab. Er pflegt seine an Alzheimer erkrankten Schwiegereltern.
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Nachdenklich: Michel Pont zuhause in Chambésy GE. Seine Schwiegereltern wohnen im Nachbarhaus.
Foto: BENJAMIN SOLAND
Max Kern

Michel Pont, Ende der Siebzigerjahre Profi in den damaligen NLA-Klubs Etoile Carouge und Chênois, bäumt sich während des Gesprächs mit BLICK plötzlich auf. Der Mann, der von Juli 2001 an 13 Jahre lang zuerst neben Köbi Kuhn und später neben Ottmar Hitzfeld auf der Nati-Bank sass, hebt in einem Café am Genfer Flughafen die Schultern, breitet die Arme aus. Er schwärmt von seiner 90-jährigen Schwiegermutter: «Sie war eine so starke Frau. Eine Bauerntochter aus dem bernischen Bleienbach. Sie hat ihr Leben lang nie Medikamente geschluckt. Und sie war, ausser bei der Geburt ihrer beiden Kinder, nie auf einen Arzt angewiesen.»

Doch vor acht Jahren wurde bei Ponts Schwieger-Mama Alzheimer diagnostiziert, mittlerweile ist sie im letzten Stadium erkrankt. «Seit bald drei Jahren erkennt sie uns nicht mehr. Sie hat diese Krankheit nicht verdient.»

Seit gut einem Jahr leidet auch ihr 92-jähriger Mann an der unheilbaren Gehirnkrankheit. Beide Elternteile von Ponts Gattin Daisy sind bettlägerig. Sie wohnen in Chambésy GE in Ponts Nachbarhaus.

«Wir möchten die beiden nicht ins Altersheim geben», sagt Pont, «wir wollen sie bis zum Schluss begleiten. Sie waren immer für uns da, für unsere Kinder und die meines Schwagers. Es ist nun unsere Pflicht, sie bis zum Ende zu unterstützen.»

Vor vier Jahren hat Pont als Assistent von Ottmar Hitzfeld noch ganz andere Pläne. «Mein Traum war es, als Assistent oder als Chef-Coach mit der Schweiz an die EM 2016 nach Frankreich zu fahren. Als Repräsentant des welschen Fussballs, der damals am Boden lag. Ich wollte das Feuer für den Fussball im Welschland neu entfachen. Mit Ottmar hatten wir im Juni 2011 in London beim 2:2 in der EM-Qualifikation gegen England mit den Jungen Xhaka, Mehmedi und Shaqiri einen Generationen-Wechsel vollzogen. Die EM 2016 in Frankreich, vor meiner Haustüre, wäre die Kirsche auf der Torte gewesen.»

Es kommt ganz anders. Im Oktober 2013 gibt Hitzfeld bekannt, dass er nach der WM 2014 in Brasilien zurücktritt. Pont bewirbt sich für den Posten als Hitzfelds Nachfolger. Der Verband zieht ihm Vladimir Petkovic vor. Und der Coach von Lazio Rom nimmt aus Italien seinen Assistenten Antonio Manicone mit.

Pont gestern: «Ich respektiere Ottmars Entscheid zu hundert Prozent. Ich bin immer noch sehr stolz, dass ich mit einem solchen Trainer von Weltformat arbeiten durfte.»

Und zu seiner Nicht-Wahl als Nati-Coach sagt Pont: «Es ist wie mit den Bundesräten: Entweder wirst du gewählt oder nicht. Aber, es war schon eine schwierige Zeit für mich. Ich bin heute noch der grösste Fan der Schweizer Nati. Die Spieler sind immer noch ein bisschen wie meine Kinder.»

Mitte Juni 2014 ist Pont, damals 60, erstmals ohne Job. Und der Gesundheitszustand seiner Schwiegermutter verschlimmert sich immer mehr. Seine Gattin Daisy ist seit 40 Jahren in der Gastronomie tätig, zurzeit führt sie mit ihrer Tochter Lea das Café Ferblanterie in Genf. Pont: «Die Familiensituation begann nach der WM in Brasilien eine wichtige Rolle in meinem Leben zu spielen.»

Im September 2014 fliegt Pont trotzdem nach Afrika. Er ist neben dem Israeli Avraham Grant einziger Kandidat als Nati-Coach von Ghana. Doch mit dem Kopf ist er in Genf. Grant bekommt den Zuschlag.

Im August 2015 erhält Pont einen Anruf von Ancillo Canepa. Der FCZ-Präsident sucht kurz nach Saisonbeginn einen Nachfolger für Trainer Urs Meier.

Pont sagt schweren Herzens ab. «Ich konnte meine Frau mit der Pflege ihrer Eltern nicht alleine lassen. Dem FC Zürich abzusagen, war die schwierigste Entscheidung meines Lebens. Ich wäre im Kopf nur zu 80 Prozent für den Job bereit gewesen. Aber im Trainer-Business musst du heute 120 Prozent geben können, sonst hast du keinen Erfolg. Während meiner ganzen Karriere haben meine Gattin und meine Schwiegermutter mir den Rücken frei gehalten. Jetzt kann ich ihnen etwas zurückgeben. Ancillo Canepa hat sich bei mir für meine Ehrlichkeit bedankt.»

Statt auf Pont setzt der FCZ auf den Finnen Sami Hyypiä. Mit bekanntem Ausgang. Die Zürcher verschwinden danach für eine Saison in der Challenge League.

Ist die Trainerkarriere von Pont, der mit der Schweiz 2004, 2006, 2008, 2010 und 2014 an Welt- und Europameisterschaften dabei war, schon vorbei?

«Nein», sagt der nebenamtliche Berater von Servettes Präsident Didier Fischer, «wenn ich den Kopf wieder frei habe, will ich nochmals etwas machen. Ich bin noch frisch, die Körperspannung ist vorhanden. Ich bin im Fussball immer noch gut vernetzt, ich schaue mir am Wochenende auch immer wieder Spiele an.»

Mittlerweile steht den Ponts bei der Pflege der (Schwieger-)Eltern eine Krankenschwester zur Seite, rund um die Uhr.

Pont, der als 14-Jähriger den Tod seiner Mutter verkraften musste, sagt: «Wenn ich meine Schwiegereltern sehe, habe ich Lust, mich bei Exit anzumelden.» Exit ist eine in der Schweiz erlaubte Sterbehilfe-Organisation.

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