Chefanalyst Kevin Ehmes
Yakins Datenguru steckt hinter Überraschungen im Nati-Kader

Chefanalyst Kevin Ehmes (33) ist das Datenhirn und einer der engsten Vertrauten von Murat Yakin. Gemeinsam mit der ETH entwickelt er ein neues Bewertungssystem für Spieler und verantwortete zuletzt Überraschungen bei der Kadernomination.
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Kevin Ehmes (33) ist seit 2016 als Analyst für den Schweizer Fussballverband tätig.
Foto: TOTO MARTI

Meister der Daten, Herr der Videos und einer der engsten Vertrauten von Nati-Trainer Murat Yakin: Kevin Ehmes. Der 33-Jährige ist seit 2016 als Analyst für den Schweizer Fussballverband tätig. Inzwischen ist Ehmes nicht nur Chefanalyst, sondern auch einer der Assistenten im Trainerteam, sitzt während der Spiele neben Nati-Coach Murat Yakin auf der Bank. «Kevinpedia» ist sein Spitzname, weil er alles über Fussball weiss, doch vom Image des Daten-Gurus will Ehmes nichts wissen: «Ich sehe mich als Schnittstelle zwischen der Datenwelt und dem Trainerteam sowie den Spielern.»

Yakins Offenheit für eben diese Welt sei in den letzten Jahren sehr gewachsen, genauso wie das Verhältnis der beiden, das zuletzt auch Abwerbungsversuchen von internationalen Klubs standgehalten hat. «Wenn wir etwa das ganze Jahr 2024 mit EM und Nations League analysieren, sind wir schon mehrere Tage gemeinsam unterwegs», erklärt Ehmes. Im Zusammenspiel mit den Spielern handhabt er die Vermittlung der Datenanalyse deutlich prägnanter – beispielsweise in drei Schlüsselfakten über den Gegner.

Daten führten zu Überraschungsnominationen

Geboren in Deutschland, ist Ehmes als Kind in die Schweiz gezogen. Schon immer drehte sich sein Leben um den Fussball. Die Karriere als Fussballer klappte nicht, stattdessen machte er die Trainerlizenz und ein Sportstudium. Früh hat er erkannt: Die Spielanalyse und die Daten werden künftig im Fussball nicht mehr wegzudenken sein. Auf diese Karte setzte er und ist nun hauptverantwortlich dafür, dass das Arbeiten mit Daten bei der Nati fortschrittlicher ist als in mancher der Top-Fussballnationen.

Aus den unterschiedlichsten Daten entstehen einzelne Profile für jeden Spieler, die inzwischen auch eine tragende Rolle bei der Zusammenstellung des Nati-Kaders spielen. So steckt etwa auch Kevin Ehmes mit seinen Daten hinter den Überraschungsnominationen von Stefan Gartenmann und Isaac Schmidt im März. «Stefan hat sehr solide Werte beim Thema Spielaufbau, die man bei der Beobachtung eines Spiels vielleicht nicht gerade erkennt, aber die Daten über einen längeren Zeitraum klar aufzeigen. Das ist ein sehr interessanter Spieler mit Qualitäten, die Murat Yakin verlangt.»

Neues Bewertungssystem mit der ETH

Mit der ETH in Zürich entwickelt Ehmes aktuell ein eigenes Bewertungssystem für Spieler. «Wir legen die Parameter fest, die ein Spieler für uns in seiner jeweiligen Position erfüllen muss, und aus den gesamten Daten entsteht dann ein Punktesystem für die Spieler», erklärt Ehmes, «zudem planen wir, einen weiteren Datenanalysten ins Nationalteam einzubinden» Das ist ein Beispiel dafür, wie rasant sich diese Welt entwickelt. Verbunden mit der künstlichen Intelligenz sind die Möglichkeiten in Zukunft fast unbegrenzt. «Es gibt bereits KI-Systeme von Klubs, die nicht nur die Daten der Spieler analysieren, sondern auch gleich berechnen, bei welchem künftigen Spiel man diesen Profi am besten beobachten sollte – das ist ein riesiger Schritt in Sachen Effizienz beim Scouting.»

Der Nati-Chefanalyst warnt aber davor, seiner Datenwelt eine zu hohe Priorität zu geben. «Die Daten sind das eine, aber die Persönlichkeit oder die Kreativität eines Spielers sind andere wichtige Faktoren im Fussball.» Diese Gewichtung habe Murat Yakin gut im Griff. «Er ist sehr offen für meine Inputs, aber würde nie einen Spieler nur aufgrund der Daten nominieren, ohne dass er ihn beobachtet, gesehen und mit ihm gesprochen hat.» Man sei sich auch nicht immer einer Meinung. «Und dass Murat auch gerne auf sein Bauchgefühl hört, ist kein Geheimnis», sagt Ehmes.

«Bei Murat weisst du nie»

Das hält den 33-Jährigen stets auf Trab. Während der Spiele gibt er Yakin unmittelbar Inputs aufgrund von Live-Bildern und -Daten, in den Pausen und nach den Spielen hat er immer wichtige Erkenntnisse zur Hand, die der Nati-Trainer auch in den Interviews nach dem Spiel oder in der Pressekonferenz nutzen kann. «Bei Murat weisst du aber nie, ob er in der Nacht vor einem Spiel noch spontan eine Idee hat oder ihm seine Intuition etwas sagt – dann muss ich ebenfalls bereit sein, dies mit Daten zu unterstreichen oder zu challengen.»

Zur nächsten grossen Datenanalyse von Yakin, Ehmes und dem neuen Co-Trainer Davide Callà kommt es nach den Testspielen gegen Mexiko und die USA. «Wir haben uns bestimmte Ziele gesetzt für die vier Testspiele im ersten halben Jahr, um Erkenntnisse hinsichtlich der WM-Quali zu gewinnen.» Ein Hauptthema, das sich in den letzten Jahren herauskristallisiert hat, ist die Effizienz. «Wenn es bei uns läuft, wie in der WM-Quali vor Katar, zu Beginn der EM-Quali oder an der EM, dann ist die Effizienz der Chancennutzung immer überdurchschnittlich hoch. Läuft es nicht, wie zuletzt in der Nations League, ist dieser Wert sehr tief, obwohl viele andere Daten positiv ausfallen», sagt Ehmes.

Und da kommt auch der Lieblingswert des Deutschen zum Tragen: der xT-Wert. Expected threats, zu Deutsch erwartete Bedrohung, misst, wie viel Gefahr aus Ballaktionen entsteht und nicht nur durch reine Torschüsse. Spätestens ab den Spielen gegen Kosovo und Slowenien im September soll nicht nur dieser Wert Ehmes glücklich machen, sondern auch die Anzahl effektiv erzielten Tore.

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WM 2026 Gruppe A
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Mexiko
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Südafrika
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Südkorea
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Tschechien
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Gruppe B
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Kanada
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Bosnien und Herzegowina
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Katar
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Schweiz
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Gruppe C
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Brasilien
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Gruppe D
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Australien
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Türkei
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Demokratische Republik Kongo
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