Zwischen Trainingslager in Belek und Rückrundenstart in Österreich trifft Blick Enrique Aguilar (18) in Salzburg. Vor bald drei Jahren ist er aus der Jugend des FC Basel in die österreichische Mozartstadt gezügelt, nicht wenige Experten in Europa erwarten eine grosse Karriere von Aguilar. An seinem freien Tag gönnt er sich einen Kaiserschmarrn in der Altstadt, auf seinem Handy blitzt das Hintergrundbild mit Neymar auf. Seine grosse Inspiration, seit er ein kleines Kind war. Ein Kindheitstraum für den Basler war auch das Profidebüt im Joggeli. Es ist anders gekommen, in seiner Geburtsstadt fehlten ihm die Perspektiven – und plötzlich heisst der Gegner FC Basel.
Blick: Enrique Aguilar, am Donnerstag kommt Ihr Jugendklub FC Basel auf Europa-League-Besuch nach Salzburg. Wie heiss sind Sie auf das Spiel?
Enrique Aguilar: Wahnsinnig heiss. Ich bin in einer Phase meiner Karriere, wo ich auf jede Spielminute gegen jeden Gegner brenne. Aber natürlich ist es ein ganz spezielles Spiel aus vielerlei Gründen.
Die wären?
Ich bin in Basel geboren, ich bin in Basel aufgewachsen und stamme aus der FCB-Jugend. Mit Junior Zé und Marvin Akahomen spielen zwei meiner besten Freunde dort. Auch auf die Fans freue ich mich – egal wo, sie unterstützen den Klub in grosser Anzahl. Ihre Lieder könnte ich alle mitsingen, werde ich aber natürlich nicht tun (lacht).
Klingt fast so, als stünden Sie am Donnerstag auf der falschen Seite?
Nein, da verstehen Sie mich falsch! Es war immer mein Traum und mein Ziel, beim FC Basel Profi zu werden. In Rot-Blau im Joggeli auflaufen zu können. Aber das hat nicht geklappt, und mein Fokus, meine Leidenschaft und meine Energie gehören komplett Red Bull Salzburg.
Warum hat es beim FCB nicht geklappt?
Zum Zeitpunkt meines Abgangs hat für mich gar nichts mehr gepasst. Beim Aufzeigen der Perspektiven hat man mich als vierte Wahl auf der falschen Position aufgezeigt. Bei Red Bull Salzburg war es das komplette Gegenteil, der Wechsel hat mir ganz viele Sorgen und Last genommen.
Red Bull Salzburg hat den Fussball im letzten Jahrzehnt über die Landesgrenzen hinaus geprägt. Was schätzen Sie hier besonders?
In Sachen Infrastruktur geht es nicht besser in Europa. Es war überwältigend, als ich hierhin gekommen bin. Die Professionalität und Mentalität im Klub und bei den Spielern um mich herum sind ganz klar: Wir sind in Österreich die Besten. Das spürt man in jeder Sekunde.
Wie stehen die Chancen, dass Sie gegen Ihren Jugendklub effektiv auf dem Platz stehen werden?
Keine Sorge, der Trainer weiss genau, wie viel Lust und Motivation ich für dieses Spiel verspüre. Ich werde mich im Training voll reinhängen, um Argumente für mich zu sammeln. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die Vorbereitung nicht nur einfach gewesen ist für mich. Wir haben einen sehr grossen Konkurrenzkampf auf den offensiven Mittelfeldpositionen.
Bei der Klub-WM waren Sie im Kader in den USA, im August folgte Ihr Debüt für die 1. Mannschaft. Inzwischen sind es sechs Teileinsätze in Liga, Pokal und Europa League.
Wenn Sie mich fragen, ob ich damit zufrieden bin, heisst die Antwort ganz klar nein. Aber ich muss geduldig sein, meine Chancen nutzen und mich bei meinen Einsätzen beim FC Liefering, dem Kooperationsklub in der 2. Bundesliga, behaupten. Es ist ein Kampf.
Bereuen Sie den Wechsel angesichts der Einsatzzeit?
Nein, keine Sekunde. Das war zu 100 Prozent die richtige Entscheidung. Ich habe hier in dieser kurzen Zeit so viel gelernt und habe als Spieler einen so grossen Schritt gemacht. Ich werde mich hier durchsetzen.
Sie haben noch Vertrag bis Sommer 2027. Heisst für Sie: Entweder durchsetzen oder Abgang in diesem Sommer?
Für meine Weiterentwicklung ist die Spielpraxis wesentlich, ich spiele für eine bessere Rolle, meine Zukunft. Dass ich kommende Saison nochmals beim FC Liefering spiele, ist für mich ausgeschlossen. Auch deshalb greife ich in der Rückrunde an!
Ihr Vater kommt aus dem Kongo, Ihre Mutter aus Spanien. Sie können perfekt Französisch, Deutsch, Englisch und Spanisch. Sind Sie auch der Dolmetscher im Team?
Portugiesisch und Italienisch kann ich auch (lacht)! Es gibt Spieler, bei denen ich ab und zu helfe bei der Übersetzung. Einzig beim japanischen Mitspieler wird es schwierig für mich.
Am 27. Januar 2007 wird Enrique Aguilar in Basel geboren. Seine Mutter stammt aus Spanien, sein Vater aus DR Kongo. Gemeinsam mit drei Schwestern wächst er am Rheinknie auf, seine Fussballkarriere beginnt Aguilar bei den Black Stars in Basel, ehe er bereits in frühen Jahren in die Akademie des FCB wechselt. Im Februar 2023 geht er vom FC Basel in die Jugendabteilung von Red Bull Salzburg. Ab Sommer 2024 läuft er für den Kooperationsklub FC Liefering auf, und im August 2025 gibt er sein Debüt in der ersten Mannschaft von Red Bull Salzburg. Beim Schweizerischen Fussballverband ist Enrique Aguilar seit der U16-Nati in jedem Jahrgang mit dabei.
Am 27. Januar 2007 wird Enrique Aguilar in Basel geboren. Seine Mutter stammt aus Spanien, sein Vater aus DR Kongo. Gemeinsam mit drei Schwestern wächst er am Rheinknie auf, seine Fussballkarriere beginnt Aguilar bei den Black Stars in Basel, ehe er bereits in frühen Jahren in die Akademie des FCB wechselt. Im Februar 2023 geht er vom FC Basel in die Jugendabteilung von Red Bull Salzburg. Ab Sommer 2024 läuft er für den Kooperationsklub FC Liefering auf, und im August 2025 gibt er sein Debüt in der ersten Mannschaft von Red Bull Salzburg. Beim Schweizerischen Fussballverband ist Enrique Aguilar seit der U16-Nati in jedem Jahrgang mit dabei.
Sie sind mit 16 ausgezogen bei Ihrer Familie. Wie schwierig war das?
Familie ist das Wichtigste in meinem Leben. Meine Mutter ist meine Lebensversicherung, sie kommt mich mindestens einmal pro Monat besuchen. Die älteste meiner drei Schwestern ist meine Lebensberaterin und Therapeutin – ich bin extrem eng mit ihr und erzähle ihr wirklich alles.
Ihr Grossvater lebt zudem noch in Panama. Welche Nationen kommen in Ihrem Leben wann zum Zuge?
Also beim Thema Musik ist die Schweiz weit hinten, da bin ich ganz Spanier. Im Alltag habe ich die aus meiner Sicht klassischen Schweizer Werte. Anstand, Respekt und Pünktlichkeit.
Und wie lebt sich der musikalische Enrique Aguilar aus?
Ich höre viel Musik, suche neue Künstlerinnen und Künstler. Ich mache auch selber Songs und rappe auf Spanisch. Das mache ich aber nur aus Spass, das wird nie veröffentlicht.
Sie kennen die Doppelbürger-Thematik im Schweizer Fussball. Seit der U16-Nati sind Sie in jedem Jahrgang fester Bestandteil. Haben andere Nationen schon an Ihnen gebaggert?
Mein Grossvater versucht mich regelmässig mit Videos aus Panama zu überzeugen – dort bin ich offenbar ein heisses Thema (lacht). Aber nein, ich habe mir da bisher null Gedanken gemacht. Mehr Einsätze im Klub, die U21-Nati und dann die A-Nati sind meine Ziele.
Sie gelten als eines der grössten Talente im Schweizer Fussball. Die Erwartungshaltung ist gross, und das bedeutet auch Druck. Wie gehen Sie damit um?
Die höchsten Erwartungen habe ich an mich selber. Ich mag Druck. Ich bin sehr ehrgeizig und selbstkritisch, manche sagen fast zu selbstkritisch. Vieles von aussen findet aber auf Social Media statt, und das bekomme ich sowieso nicht mit, da das nicht meine Welt ist.

