Frauen gegen Männer
Der ungleiche Kampf der Geschlechter im Fussball

Die weiblichen US-Fussball-Stars gehen im Duell mit Wrexham unter. Das Ergebnis ist so klar, wie der Vergleich unsinnig ist, schreibt Oliver Görz im Newsletter Steilpass.
Publiziert: 13.07.2023 um 16:09 Uhr
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Heather O’Reilly führte US-Fussballerinnen in einem Kampf der Geschlechter aufs Feld.
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Oliver GörzBlattmacher Sport

Anfang Juni war es wieder einmal so weit. Der ultimative Geschlechtervergleich. Mann gegen Frau. Oder besser: Mannschaft gegen… ja, was eigentlich? Frauschaft? Klingt zwar seltsam, ist aber laut Duden ein zulässiges Wort für ein «aus weiblichen Mitgliedern bestehendes Team». Wobei die meisten von uns vielleicht noch etwas Zeit brauchen, um sich daran zu gewöhnen.

Aber zurück zum Geschlechtervergleich. Also, die Mannschaft, die da kürzlich spielte, war ein Team aus ehemaligen Halbprofis des englischen Fünftligisten Wrexham. Die Frauschaft eine Auswahl aus US-Fussballerinnen, angeführt von der Weltmeisterin und dreifachen Olympiasiegerin Heather O’Reilly (38) und gespickt mit weiteren Ex-Nationalspielerinnen. Die Begegnung war Teil eines Turniers im US-Bundesstaat North Carolina, bei dem 32 Teams aus aller Welt um eine Million Dollar Preisgeld kämpften. Das Resultat: Wrexham siegte nach zweimal 20 Minuten 12:0.

Es war ein äusserst ungleicher Kampf

Man muss nur ein paar Ausschnitte aus dem Spiel sehen, um zu dem Schluss zu kommen: Es war ein äusserst ungleicher Kampf. Ebenso wie die zwei weiteren Gruppenspiele gegen Männer-Mannschaften, nach denen sich die US-Frauen mit drei Niederlagen und einem Torverhältnis von 1:24 noch vor der K.-o.-Runde aus dem Turnier verabschiedeten. Ein Ergebnis, das natürlich Wasser auf die Mühlen derer ist, die es immer schon gewusst haben: Die besten Fussballerinnen sind, gemessen an ihren männlichen Kollegen, nicht mal fünftklassig.

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Mag sein. Doch was bitte soll dieser Vergleich? Dass Frauen im Durchschnitt schlechtere physische Voraussetzungen haben, ist in jedem Schulbuch zur Biologie nachzulesen. Grösse, Gewicht, Muskelmasse, Lungen- und Herzvolumen – von allem, was Leistungssportler brauchen, haben Männer ein paar Prozent mehr. Das mussten auch schon Serena und Venus Williams erkennen, als sie zu Beginn ihrer Karriere spasseshalber einen in der Tennis-Weltrangliste um die 200 platzierten Mann zum Duell herausforderten – und gnadenlos unterlegen waren. Oder Lindsey Vonn, deren sehnlicher Wunsch, im Skiweltcup einmal gegen Männer anzutreten, nie über das Stadium eines PR-Gags hinauskam.

Vergleiche sind kontraproduktiv

Genau genommen sind solche Vergleiche kontraproduktiv. Denn sie dienen vor allem dazu, den Frauensport gegenüber dem Männersport herabzusetzen. Oder im besten Falle noch milde zu belächeln. Dabei ist es zum Beispiel an einer Fussball-WM der Frauen völlig unerheblich, dass den Spielen im Vergleich zum Top-Niveau bei den Männern ein paar Prozent Tempo oder Athletik fehlen. Spannend und unterhaltsam wird es schliesslich dadurch, dass sich Teams auf Augenhöhe begegnen und mit ganzer Leidenschaft nach dem grösstmöglichen Erfolg streben.

Und wenn es doch einmal zum «Kampf der Geschlechter» kommt, kann eigentlich nur der Spass im Vordergrund stehen. Wie bei den Fussballerinnen um O’Reilly, die ihre Pleiten gegen die Männer entsprechend locker sehen konnten. «Mega stolz» seien sie, erklärte O’Reilly und fügte an: «Hoffentlich haben wir allen gezeigt, dass man einfach sein Ding machen muss. Leben, mutig sein, etwas wagen.»

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Klare Belege für die steile Entwicklung des Frauenfussballs

Ihre Kolleginnen vom aktuellen Nationalteam würden sich von dieser Lockerheit im Moment wahrscheinlich gerne eine Scheibe abschneiden. Wenn am nächsten Donnerstag die WM in Australien und Neuseeland beginnt, sind die Rekordweltmeisterinnen um die Superstars Megan Rapinoe und Alex Morgan der absolute Topfavorit. Eine Niederlage – auch mit deutlich weniger als 12 Gegentoren – käme für die seit dem Olympia-Final 2020 unbesiegten US-Frauen einem Weltuntergang gleich.

Doch die Zeiten, in denen 90 Prozent der Gegnerinnen Kanonenfutter waren, sind auch bei den Frauen vorbei. Dass es auch hier keine «Kleinen» mehr gibt und die regelmässigen Kantersiege wie noch vor 20 Jahren der Vergangenheit angehören, sind klare Belege für die steile Entwicklung des Frauenfussballs. Viel mehr als jeder Vergleich mit den Männern.

Den nächsten «Steilpass» bekommst Du in einer Woche. Dann werden die Frauen auf dem Platz zeigen, dass sie sich hinter den Männern nicht verstecken müssen.

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