Im Livestream auf Facebook
Klinsmann rechnet mit Hertha-Sportchef ab

Am Dienstagmorgen gibt Jürgen Klinsmann (55) seinen Rücktritt als Hertha-Trainer bekannt – und löst damit ein Erdbeben in Fussball-Deutschland aus. Am Mittwochabend erklärt er sich auf Facebook.
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Auf Facebook packt Jürgen Klinsmann am Mittwochabend aus.
Foto: Screenshot Facebook

Völlig überraschend hat Jürgen Klinsmann am Dienstagmorgen den Bettel als Hertha-Trainer hingeworfen – zum Schock einer ganzen Fussball-Stadt. Am Mittwochabend fühlt er sich zu einer Stellungnahme gezwungen. Dies, nachdem er von verschiedenen Seiten harte Kritik hat einstecken müssen.

In einem Facebook-Livestream (siehe unten) erläutert er seine Gedankengänge. Er räumt im rund 13-minütigen Monolog Fehler ein. Die Art und Weise, wie er das Amt niederlegt habe, sei «natürlich fragwürdig, natürlich kritikwürdig». Klinsmann gesteht, dass er wohl zu impulsiv gehandelt habe: «Ich hätte mir mehr Zeit lassen, mehr mit der Hertha-Führung reden und das Ganze nochmal aufarbeiten sollen. Dann wäre es gestern (Dienstag, d.Red.) früh vielleicht nicht zu so dieser Aktion gekommen.»

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Engagement als Teammanager nach englischem Vorbild angestrebt

Ganz aus heiterem Himmel habe Klinsmann seine Entscheidung trotzdem nicht getroffen, sie sei «in den vergangenen Wochen in ihm gereift». Der Grund für den Rückzug: «Es ging um klare Kompetenzaufteilungen, und die haben wir nicht hinbekommen. Das betrifft in erster Linie mich und Michael Preetz.»

Klinsmann habe ein Engagement als Teammanager nach englischem Vorbild angestrebt: Dort geniesst ein Trainer deutlich mehr Handlungskompetenz. In der Bundesliga ist dieses Modell allerdings weniger verbreitet. Deshalb sei Klinsmann «unglaublich aufgestossen, dass der Manager noch da sitzt und seine Kommentare zu den Spielern oder den Schiedsrichtern gibt». Statt sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, habe man sich «aufgerieben in vielen Nebenkriegsschauplätzen», so Klinsmann weiter. «Das Ganze hat mit Geld überhaupt nichts tun.»

Auch der FC St. Gallen kommt ins Spiel

Die «Bild» enthüllt am Mittwochabend weitere Details zum Trainer-Knall. So soll der wahre Grund für das Klinsmann-Out eine Vertrags-Diskussion gewesen sein. Klinsmann wollte das bis Ende Mai laufende Arbeitspapier schnellstmöglich verlängern, die Klub-Bosse kamen dieser Forderung nicht nach.

Und nun kommt auch noch der FC St. Gallen ins Spiel. Im Rahmen der Zukunftsgespräche sei auch die Rückhol-Aktion von Klinsmanns Sohn Jonathan (22) ein Thema gewesen. Dieser wurde von Hertha aussortiert und fand bei den Espen Unterschlupf. Allerdings verzeichnet er seit seinem Wechsel in die Ostschweiz nur zwei Einsätze im Cup (Sieg, gegen Monthey, Rote Karte gegen Winterthur) und muss nun aufgrund einer Verletzung meist auf der Tribüne Platz nehmen. Jonathans Berlin-Comeback wollte Jürgen Klinsmann in seinem Vertrag als Klausel festhalten. Wie die «Bild» schreibt, sei «Hertha-Präsident Werner Gegenbauer (69) darüber so sauer gewesen, dass er diese Bedingung brüllend ablehnte».

Die Begründung: Schon Pal Dardai und Ante Covic haben ihre Söhne in den Profi-Kader befördert, damit wollte Gegenbauer aufhören.

Das letzte Wort im Hertha-Machtkampf ist noch nicht gesprochen. Am Donnerstagmittag (11.30 Uhr) werden sich Sportchef Preetz, Investor Lars Windhorst und Boss Gegenbauer an einer Pressekonferenz zur Lage äussern. (sag)

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