Darum gehts
- Iranische Spielerinnen singen Hymne beim Asien-Cup in Australien nicht mit
- Staatsfernsehen nennt sie «Verräterinnen», Familien drohen Todesstrafen
- 200 Demonstranten fordern in Gold Coast Asyl für das Team
Ihr stiller Protest ging um die Welt – jetzt droht den Frauen des iranischen Nationalteams eine harte Strafe für ihren Widerstand. Die Sorge um die Sicherheit der Spielerinnen und ihrer Angehörigen in der kriegsgebeutelten Heimat ist gross.
Nachdem das Team am Sonntag auch das dritte Gruppenspiel am Asien-Cup verloren hat, reisen die Frauen in einem Car, begleitet von Protesten aus dem Stadion in Gold Coast ab. Laut der australischen Nachrichtenagentur AAP skandieren einige der rund 200 Demonstranten: «Lasst sie frei!» In den sozialen Medien tauchen Videos auf, wie die Spielerinnen das internationale Handzeichen für «Hilfe» formen.
Viele fordern die australische Regierung nun auf, den Frauen zu helfen. Die iranisch-US-amerikanische Journalistin Masih Alinejad oder die belgische Parlamentarierin Darya Safai fordern, dass die Spielerinnen in Australien Asyl erhalten sollen. Reza Pahlavi, der sich als ältester Sohn des ehemaligen Schahs aus dem Exil meldet, schreibt: «Aufgrund ihres mutigen Aktes des zivilen Ungehorsams drohen den Spielerinnen schwerwiegende Konsequenzen.» Auch Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling fordert am Internationalen Frauentag: «Bitte beschützt diese jungen Frauen.» Im Verlauf des Montag machen erste Meldungen die Runde, dass fünf Spielerinnen des Teams erfolgreich Asyl beantragt hätten, sind aber noch nicht bestätigt.
Im Staatsfernsehen als Verräterinnen bezeichnet
Das iranische Frauenteam hatte bei ihrem ersten Auftritt am Asien Cup vor dem Spiel gegen Südkorea bei der Nationalhymne nicht mitgesungen. Daraufhin wurden sie im iranischen Staatsfernsehen von einem Moderator als «Verräterinnen zu Kriegszeiten» bezeichnet, die hart bestraft werden müssten. Bei den anderen zwei Spielen gegen Australien und die Philippinen sangen die Spielerinnen wieder mit.
Laut verschiedenen Medienberichten wurde ihren Familien mit dem Tod gedroht, sollten sie in Australien Asyl suchen. Zaki Haidari, Kampagnenleiter bei Amnesty International in Australien, stellt bei ABC Sport klar: «Eine Rückkehr in den Iran ist für sie ausgeschlossen. Die iranischen Behörden würden sie bei ihrer Ankunft festnehmen und strafrechtlich verfolgen.»
Dennoch wird die iranische Trainerin Marziyeh Jafari von AAP wie folgt zitiert: «Wir wollen so schnell wie möglich in den Iran zurückkehren. Ich möchte bei meinem Land und den Iranern in meiner Heimat sein. Wir sehnen uns nach der Rückkehr.» Dass die Trainerin bei diesen Worten auch für ihre Spielerinnen gesprochen hat, scheint fragwürdig.