«Verstehe es nicht»
Geschasster Spanien-Coach beschwert sich über Entlassung

Am Dienstag gibt der spanische Verband im Zuge des Kuss-Skandals rund um Präsident Luis Rubiales die Entlassung des Weltmeister-Trainers Jorge Vilda bekannt. Nur Stunden später äussert sich dieser zu seiner Absetzung.
Publiziert: 06.09.2023 um 13:01 Uhr
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Aktualisiert: 06.09.2023 um 13:25 Uhr
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Weltmeister-Trainer Vilda ist seinen Job los.

Turbulente Wochen für den spanischen Fussballverband: Seit Verbandsboss Rubiales (46) Spielerin Jennifer Hermoso (33) bei der WM-Siegesfeier gegen ihren Willen geküsst hat, ist die Hölle los. Rubiales weigert sich zwar weiter, sein Amt abzugeben, wurde aber von der Fifa suspendiert und muss nun ein Verfahren fürchten. Zudem trat das gesamte Weltmeister-Team in den Streik. 

Jetzt bekommt auch Trainer Jorge Vilda (42) die Auswirkungen zu spüren. Er, der bereits vor der WM in Australien und Neuseeland aufgrund fragwürdiger Methoden angezählt war, muss in Folge des Skandals und wegen seiner Verbindung zu Rubiales die Koffer packen. Nur Stunden nach seiner Entlassung erklärt er dem Radionetzwerk Cadena Ser seine Sicht der Dinge.

«Habe die Entlassung nicht verdient»

Vilda lässt keinen Zweifel daran, wie er zu seiner Absetzung steht. Die Nachricht habe ihn schwer getroffen, besonders gut gehe es ihm nicht. «Es geht mir halt so gut, wie es einem gehen kann, wenn man die WM gewinnt, den Vertrag verlängert kriegt und dann plötzlich entlassen wird.»

Die offizielle Erklärung des Verbandes für den Rauswurf seien «strukturelle Veränderungen» gewesen, so Vilda. Den Entschluss kann er überhaupt nicht nachvollziehen. «Ich habe hundert Prozent gegeben, ich habe ein reines Gewissen. Ich verstehe es nicht, ich habe meine Entlassung nicht verdient», sagt der Weltmeister-Coach, der seit 2015 im Amt war. 

Die Entlassung sei für ihn nicht nur ungerechtfertigt, sondern kommt auch überraschend. «Ich habe es nicht erwartet. Man hat immer Illusion und Hoffnung. Ich sah mich selbst voller Stärke und hatte den Wunsch, die Nations League zu spielen, uns für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.» Das liegt nun in anderen Händen. Ab sofort liegen die Zügel bei der neuen Nationaltrainerin Montserrat Tomé (41).

Die Hand am falschen Ort: Jorge Vilda fasst Co-Trainerin an die Brust(00:17)

Unterstützung für Rubiales fällt ihm auf die Füsse

Was genau am Ende zur Entlassung geführt hat, lässt sich nicht abschliessend sagen. Viele Nationalspielerinnen bekundeten schon weit vor der WM Probleme mit Vilda. Im letzten Herbst kam es bereits einmal zu einem Streik. Dass er nach dem Kuss-Skandal artig die Brandrede von Rubiales beklatscht hat, rächt sich jetzt. 

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Vilda wehrt sich aber gegen den Vorwurf, den Übergriff des Präsidenten verteidigt zu haben. «Ich würde niemals für etwas Sexistisches applaudieren. Ich kämpfe seit 17 Jahren für den Frauenfussball, für die Werte des Respekts, der Gleichheit, der Teamarbeit. Wenn 150 Leute um dich herum klatschen, ist es sehr schwierig, der Einzige zu sein, der nicht applaudiert.» (sbe)


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