Über ein Drittel mit ausländischen Vorfahren
So multikulti ist unsere Nati

Wenn die Schweiz an der WM in Neuseeland um Ruhm und Ehre spielt, fiebern auch in vielen anderen Ländern Menschen mit der Nati mit. Mehr als ein Drittel unserer WM-Stars haben ausländische Vorfahren.
Publiziert: 21.07.2023 um 00:51 Uhr
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Wurzeln in Afrika: Eseosa Aigbogun und Coumba Sow.
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Christian FinkbeinerFussballchef

Eine holländische Mutter, ein senegalesischer Vater, in Zürich geboren, in den USA studiert, später auch in Frankreich gespielt. Coumba Sow (28) ist seit Geburt mit mehreren Kulturen in Berührung gekommen und der Inbegriff unserer Multikulti-Nati. «Die Schweiz ist meine Heimat. Aber mein starker Charakter und mein Feuer sind sicherlich afrikanisch, die Weltoffenheit habe ich von meiner Mutter», sagt Sow, die im Zürcher Stadtkreis 11 aufgewachsen ist. Diese Weltoffenheit habe ihr als Kind immer imponiert, als sie jeweils in Holland in den Ferien gewesen sei. «Das Leben miteinander war mega schön.»

Sie selbst habe eine sehr strukturierte Seite, sagt Sow. Wie schweizerisch man sei, merke man aber erst, wenn man einmal im Ausland wohne. «In der Schweiz ist alles viel sauberer, organisierter, schneller und weniger bürokratisch», so die Mittelfeldspielerin, die vier Jahre in den USA gelebt hat. Die Schweiz habe auch noch andere Vorzüge: die Sicherheit. «Und in der Badi kann man auch einmal die Tasche liegen lassen, ohne dass sie geklaut wird.»

Wurzeln in Afrika

Neben Sow haben auch Eseosa Aigbogun (30/Nigeria), Amira Arfaoui (23/Tunesien) und Meriame Terchoun (27/Algerien) afrikanische Wurzeln. Terchoun hat neben algerischen auch deutsche Vorfahren. «Manchmal sprechen drei Personen in meinem Kopf», sagt die Stürmerin – und lacht. Das Direkte, Harsche, das manchmal auch verletzend sein kann, schreibt sie ihrer algerischen (und deutschen) Seite zu. Aber auch die clevere, humorvolle Art, ihre Situationskomik und die Attitüde, das Leben nicht immer zu ernst zu nehmen. «Ich mache auch einmal eine Siesta oder schlafe am Morgen länger. Und privat komme ich auch einmal zu spät.»

Wie bei Terchoun fiebert auch bei Amira Arfaoui die Verwandtschaft in Nordafrika mit, wenn die Nati-Kickerin für Leverkusen oder die Schweiz auf Torjagd geht. «Meine Familie sagt, ich sei mehr schweizerisch als tunesisch», sagt Arfaoui, deren Muttersprache Französisch ist, im breiten Berndeutsch. Vom tunesischen Verband gab es auch schon Avancen, doch für Arfaoui war immer klar, dass sie für die Schweiz spielen wird. «Man soll nie vergessen, woher man kommt, aber ich bin hier in der Schweiz aufgewachsen.» Ihr Temperament sei tunesisch. «Ich bin zwar eigentlich sehr ruhig – aber ich kann auch anders», sagt sie lächelnd.

Rey und Maritz: im Ausland geboren

Die Eltern von Rekord-Natispielerin Ana-Maria Crnogorcevic (32) stammen aus Kroatien. Viel mehr als der Name und «mein gelegentliches Temperament» deuten aber nicht auf ihre Herkunft hin. «Alles andere an mir ist total schweizerisch; vom Dialekt über die Pünktlichkeit bis zu weiss ich nicht was.» Ähnlich ist es bei Viola Calligaris (27), die italienische Wurzeln hat. «Mein Temperament ist südländisch, meine Exaktheit und Verlässlichkeit schweizerisch», so die Verteidigerin.

Im Ausland aufgewachsen sind Noelle Maritz (27) und Marion Rey (24). Maritz wurde in Kalifornien geboren und ist deswegen auch amerikanische Staatsbürgerin. Mit 10 Jahren kehrte ihre Familie in die Schweiz zurück. Die FCZ-Mittelfeldspielerin Rey wuchs im Elsass auf und spielte in den Nachwuchs-Auswahlen für Frankreich. Auch heute pendelt sie an freien Wochenenden in ihre Heimat, wo ihre Eltern weiterhin wohnen. Verständlich, dass in ihrer Brust zwei Herzen schlagen. Sie selbst ist aber stolz und froh, dass sie für die Nati auflaufen darf. «Denn die Schweiz hat mir alles gegeben.»

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