Als GC am 31. Mai 2003 im Berner Neufeld-Stadion zum 27. Mal Meister wurde, ahnten wohl noch nicht viele, dass dies für sehr lange Zeit die letzte Meisterfeier sein würde. Heute, 7536 Tage später, in Worten siebentausendfünfhundertsechsunddreissig, ist GC zwar noch immer Schweizer Rekordmeister, an der Zahl 27 hat sich aber seitdem nichts mehr verändert.
Dazwischen liegen zwei turbulente Jahrzehnte. 18 Trainer und 10 Präsidenten versuchten ihr Glück. Der Hardturm wurde abgerissen. GC fiel auf einen Hochstapler rein. Versuchte sein Glück mit chinesischen Investoren. Und landete zwischendurch gar in der Challenge League.
Das Protokoll des GC-Niedergangs, vom Zürcher Nobelklub zum Sorgenkind aus Niederhasli.
Den bisher letzten Meistertitel 2003 hat GC vor allem Rainer E. Gut und Fritz Gerber zu verdanken, respektive deren Geld. Über 90 Millionen Franken sollen sie in den Klub gestopft haben. Doch 2003 ist Schluss damit, die finanzielle Talfahrt beginnt.
Obwohl GC mittlerweile das Geld fehlt, kommt es noch einmal zu einer Sternstunde. Im Cup-Halbfinal schlägt GC den Erzrivalen FCZ nach einem 2:5-Rückstand noch 6:5. Es ist ein Spiel für die Geschichtsbücher des Schweizer Fussballs. Dass die Hoppers danach den Final gegen Wil verlieren, passt ins Bild, das der Klub in jenen Jahren mehrheitlich abgibt.
Über 20 Millionen lässt sich der Klub den neuen GC-Campus kosten. Ein sinnvolles Projekt, aber Problem Nummer eins dabei: Dieser liegt nicht in der Stadt Zürich, sondern im provinziellen Niederhasli. Problem 2 dabei: die hohen Fixkosten. Im Juli 2005 ist der Bau fertig.
Bereits 2003 hatte das Zürcher Stimmvolk Ja gesagt zu einem neuen Stadion. Deshalb findet am 1. September 2007 das letzte Mal ein Spiel im Hardturm statt. Gut ein Jahr später fahren dann auch tatsächlich die Bagger auf. Doch heute, mehr als 16 Jahre später, steht dort nicht schon längst ein modernes Fussball-Stadion, sondern … nichts. Wann die neue GC-Heimspielstätte wirklich stehen soll, weiss bis heute niemand.
GC und die Finanzen – es ist ein ewiges Problem. Als im April 2009 ein Scheich namens Volker Eckel auftaucht und 300 Millionen Franken verspricht, klammert sich deshalb die Klubführung an diesen Strohhalm. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Eckel ist kein Scheich, sondern ein Hochstapler aus dem Schwarzwald. Die ganze Fussballschweiz lacht danach darüber, wie blauäugig GC auf ihn reingefallen ist.
Der letzte sportliche Lichtblick. Dank eines Sieges gegen Basel wird GC zum 19. Mal Cupsieger. Es ist bis heute der letzte grosse Titelgewinn.
Was stets völlig undenkbar war, tritt am 12. Mai 2019 tatsächlich ein: GC steigt aus der Super League ab. Und zwar begleitet von einem Spielabbruch, weil Zürcher Chaoten in Luzern randalieren. Es ist nach 1949 erst der zweite Abstieg der Klubgeschichte. Wie die neue GC-Realität aussieht, zeigt sich am 20. Juli 2019 eindrucksvoll: Erstes Challenge-League-Heimspiel gegen Stade-Lausanne-Ouchy. Ein Geisterspiel, wegen den Ausschreitungen nach dem Abstieg. Bonjour Tristesse, GC.
Jetzt haben neu die Chinesen bei GC das Sagen. Sie buttern zwar artig Millionen in den defizitären Betrieb rein, eine Aufbruchstimmung kommt aber definitiv nicht auf. Und dass der zwischenzeitliche Präsident Sky Sun bei seiner Antrittsrede «Hopp Tschii Sii!» sagt, sorgt unter den GC-Fans auch nicht gerade für eitel Sonnenschein.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer. Nach zwei Jahren in der Challenge League ist der Rekordmeister immerhin wieder ein Superligist. Mehr aber auch nicht.
Ab sofort wird in Niederhasli nicht mehr Chinesisch gesprochen, sondern Englisch. Ob die Amis GC wirklich wieder gross machen werden? Die GC-Fans wären froh, wenn der 31. Mai 2003 dereinst tatsächlich nicht mehr der Tag ihres letzten Meistertitels sein sollte.