Das Spiel
GC sorgt mächtig für Gesprächsstoff am Dienstagabend. Einerseits ist da der überraschende Einsatz von Ersatzgoalie Nicolas Glaus, weil Stammkeeper Justin Hammel verletzt passen muss. Und dann ist da die während der Pause verschickte Medienmitteilung, in der der Rücktritt von Verwaltungsratspräsidentin Stacy Johns bekannt gegeben wird. Da stellt sich doch die Frage, ob die Klubbesitzer aus Los Angeles sich überhaupt bewusst sind, dass die Hoppers gerade um den Einzug in den Cup-Halbfinal kämpfen.
Dabei liefert GC eine hollywoodreife Show gegen Sion. Gefühlt sind die Zürcher im heimischen Letzigrund zweimal mit eineinhalb Beinen schon draussen. Nämlich als Benjamin Kololli in der 72. Minute für die Gäste aus dem Wallis zum 2:0 einnetzt. Und dann noch einmal, als Josias Lukembila nach dem GC-Doppelschlag kurz vor Schluss der regulären Spielzeit für Sion auf 3:2 stellt. Aber GC lässt sich nicht unterkriegen. Nicht an diesem Abend, an dem Sion GC zeitweise wie im Training vorführt, aber es dennoch nicht schafft, den Sieg ins Trockene zu bringen.
Der nackte Wahnsinn bricht mit dem 3:3 von Michael Frey in der Nachspielzeit endgültig aus. Jetzt spricht alles für die Mannschaft von Gerald Scheiblehner. Und tatsächlich: Emmanuel Tsimba erzielt mit seinem zweiten Tor des Abends die erstmalige GC-Führung gleich zu Beginn der Verlängerung. Diesen Vorsprung lässt sich das Heimteam nicht mehr nehmen. Sion hat in der Nachspielzeit der ersten Verlängerung noch eine Doppelchance, die Samuel Marques allerdings mit heroischem Einsatz zunichte macht.
Die Tore
7. Minute, Kreshnik Hajrizi, 0:1. Zunächst klärt die GC-Abwehr eine Sittener Freistosshereingabe von links. Danach flankt Baltazar von rechts. Kreshnik Hajrizi nickt aus fünf Metern ein, weil Michael Frey den Walliser Verteidiger nicht unter Kontrolle bringen kann.
72. Minute, Benjamin Kololli, 0:2. Sion kontert. Ilyas Chouaref bedient an der Strafraumgrenze Kreshnik Hajrizi. Dieser legt zurück für Benjamin Kololli, der alle Zeit der Welt hat und sich die Ecke aussuchen kann.
76. Minute, Jonathan Asp Jensen, 1:2. Michael Frey treibt den Ball nach vorne und passt rüber auf die Seite zu Jonathan Asp Jensen. Die Bayern-Leihgabe tanzt Baltazar aus und vollstreckt mit einem tollen Schlenzer unter die Latte.
80. Minute, Emmanuel Tsimba, 2:2. Sions Goalie Anthony Racioppi lässt einen tückischen Aufsetzer von Samuel Krasniqi nach vorne abprallen. Emmanuel Tsimba steht goldrichtig und gleicht für die Hoppers aus.
85. Minute, Josias Lukembila, 2:3. Eine Flanke von Nias Hefti von der linken Seite nickt Josias Lukembila am nahen Pfosten gekonnt in die Maschen. Luka Mikulic verliert hierbei das entscheidende Duell.
90.+3. Minute, Michael Frey, 3:3. Kreshnik Hajrizi verschätzt sich bei einem hohen Ball der Hoppers. Die Kugel landet schliesslich vor den Füssen von Michael Frey. Anthony Racioppi ist noch leicht dran bei dessen Abschluss, kann aber den erneuten GC-Ausgleich nicht verhindern.
94. Minute, Emmanuel Tsimba, 4:3. Ein GC-Corner gerät zu lang. Tim Meyer bringt von der anderen Seite den Ball nochmals gefährlich in den Strafraum. Emmanuel Tsimba ist mit dem Kopf zur Stelle. Und weil Josias Lukembila vor der Linie nicht ganz rankommt ans Spielgerät, führt GC an diesem verrückten Abend erstmals.
Die Stimmen
Michael Frey (GC) gegenüber SRF: «Die Truppe hat die ganze Woche hart gearbeitet. Wir haben schon im letzten Spiel nie aufgegeben. Ich wusste, dass, wenn wir das auch heute nicht tun, viel möglich ist. Am Schluss haben wir uns für den Cup-Fight belohnt. Der Zusammenhalt ist da und dieser Sieg gibt Moral. Auch im Training gibt jeder Vollgas. Das ist eine tolle Truppe. Ich bin die letzten drei Monate immer nur kurz eingewechselt worden. Ich habe hart gearbeitet und deshalb konnte ich durchspielen. Der Trainer hat mich gefragt, ob ich raus will, aber ich wollte weitermachen. Das hat sich gelohnt.»
Gerald Scheiblehner (GC-Coach) gegenüber SRF: «Das waren Emotionen pur. Ich bin stolz auf die Jungs. Wir haben als Team gewonnen, wir wollten das unbedingt machen heute. Das war heute der Unterschied zu Sion. Wir bringen viel mehr Spirit auf den Platz als noch im Herbst. Wir sind als Team gewachsen. Ein grosses Lob an Michael Frey. Er geniesst es, dass er hier bei uns eine wichtige Rolle einnimmt. Man hat ihm in jeder Minute angesehen, dass es ihm Spass macht.»
Numa Lavanchy (Sion) gegenüber SRF: «Wir sind selbst schuld. Das ist ungenügend. Wir sind 2:0 und 3:2 in Führung und konnten das Spiel nicht gewinnen. Wir haben viele Sachen falsch gemacht. Jeder muss sich selbst kritisieren. Es ist unmöglich. Du kassierst zwei Tore und auch nach dem 3:2 können wir das Resultat nicht halten. Wenn du in den Halbfinal willst, musst du das können. Es kann nicht sein, dass Frey alleine aufs Tor laufen kann. Das ganze Team ist schuld. Wir sind enttäuscht.»
Der Beste
Michael Frey. Mentalitätsmonster.
Der Schlechteste
Kreshnik Hajrizi. Macht zwar das 1:0, steht dann aber oft sehr schlecht. Und fliegt ganz zum Schluss mit Gelb-Rot vom Platz.
Die Fans
Allzu viele Fans verirren sich nicht im Letzigrund. Die Stimmung wird aber mit Asp Jensens Anschlusstreffer plötzlich stark. Was man nicht gedacht hätte. Wie auch diese irre Wende auf dem Platz.
Die Schiris
Gute Spielleitung durch Alessandro Dudic. Er war kein Faktor. Das war nicht einfach und ist ein grosses Kompliment.
So gehts weiter
Mit GC und Yverdon stehen zwei der vier Cup-Halbfinalteilnehmer nun fest. Um die noch freien Plätze in der Runde vor dem Endspiel (am 24. Mai) duellieren sich am Mittwoch Challenge-Ligist Stade-Lausanne-Ouchy und Luzern (Anpfiff um 19.15 Uhr) sowie St. Gallen und Titelverteidiger Basel (Anpfiff um 20.15 Uhr). Die Halbfinal-Begegnungen finden am 18. und 19. April statt.





